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Markkleeberg „Die Zeit der Braunkohle ist vorbei“
Region Markkleeberg „Die Zeit der Braunkohle ist vorbei“
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08:00 16.09.2017
Gerd LIppold kandidiert für die Grünen im Landkreis Leipzig. Quelle: Andre Kempner
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Markkleeberg

„Die Zeit der Braunkohle ist vorbei. Die Bundesregierung hat das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet. Ein Zurück gibt es nicht“, sagt Gerd Lippold. Am 24. September will der Grüne in den Bundestag einziehen, das Mandat im Landkreis Leipzig holen. Dort, wo die Kohle Jahrzehnte Arbeit brachte.

„Das Aus darf uns nicht unvorbereitet treffen, wie nach 1990, als Zehntausende ihren Job verloren“, sagt Lippold. Er setzt auf Strukturwandel. „Wir leben hier nicht in einer strukturschwachen Region, sondern profitieren von der Boomtown Leipzig“, meint der Leipziger. Deshalb werde es in den nächsten 20 Jahren auch viel einfacher sein zukunftsfähige Industriearbeitsplätze für heute in der Braunkohle Beschäftigte zu schaffen.

Der 55-Jährige fordert die Energieunternehmen auf, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. „Sie haben Milliarden mit der Kohle verdient, jetzt müssen sie an ihrer Zukunft arbeiten. Es gibt keinen Grund, warum sie mit dem Ende des Braunkohlezeitalters untergehen sollten“, sagt Lippold.

Er hat selbst schon oft neue Wege beschritten, nach Physikstudium und Promotion die akademische Laufbahn beendet. 2000 gründete er mit zwei Mitgesellschaftern in Liebertwolkwitz die Firma Solarion, meldete die Patente an und führte das Solar-Unternehmen bis zur Pilotproduktion. 2004 stieg er aus, suchte sich neue Aufgaben im Bereich der Erneuerbaren Energien und wurde Mitglied der Grünen. Seit 2014 sitzt Lippold für die Partei im Landtag. Neben Energie- und Klimapolitik ist er in der kleinsten Fraktion für Wirtschaft, Technologie und Tourismus zuständig. „Alles schöne grüne Themen“, meint der Politiker, „wobei unsere Kernkompetenz natürlich der Klima- und Umweltschutz ist. Wir sind die Mütter und Väter der Energiewende.“

Sorge vor dem Kohleausstieg müsse niemand haben, ist Lippold überzeugt. „Wir reden in Sachsen über etwa 700 Arbeitsplätze, die in Tagebauen und Kraftwerken wegfallen werden. Das ist die Mitarbeiterzahl eines größeren mittelständischen Unternehmens und wir reden über einen Zeitraum von 20 Jahren“, sagt der Vater von drei Töchtern. Denn nach dem Ende der Kohle stehe die Renaturierung der Landschaft an. „Kohleausstieg heißt doch nicht, dass von jetzt auf gleich der Schalter umgelegt wird. Da gibt es noch über viele Jahre Arbeit.“ Die Frage sei, „wie bekommt man in eine Region, die von Braunkohle und Chemie geprägt war, neue Schwerpunkte, aus denen Alleinstellungsmerkmale und regionale Stärken erwachsen?“ Mit dem einzigartigen Landschaftsumbau im Leipziger Neuseenland seien ja schon Erfahrungen gesammelt worden.

Lippold will mit dem Grünen Kreisverband einen Werkstattprozess starten, in Workshops mit den Entscheidern ein regionales Entwicklungskonzept erarbeiten. „Ein grünes, das auf Digitalisierung, Dekarbonisierung und den umweltfreundlichen Ausbau des ÖPNV setzt“, erklärt er. Der Kohleausstieg sei nicht der wirtschaftliche Untergang für die Region, betont er noch mal, „wir brauchen nur gute Ideen “.

Von Ulriek Witt

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