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Dokmitt-Verein legt mit Befragungen von ehemaligen Bergleuten los

Industriegeschichte Dokmitt-Verein legt mit Befragungen von ehemaligen Bergleuten los

Vom Bergmann zum Seemann: Den Wandel der Industriekulturlandschaft Mitteldeutschlands dokumentieren möchte der Verein Dokmitt. Nach anderthalb Jahren Vorbereitung beginnt jetzt die praktische Arbeit mit der Befragung ehemaliger Bergleute.

Jetzt geht es los: Walter Christian Steinbach, Ariane Zabel, Ulrike Kalteisen und Holger Schmahl (v.l.) vom Dokmitt-Verein.

Quelle: Jörg ter Vehn

Markkleeberg. Vom Bergmann zum Seemann: Den Wandel der Industriekulturlandschaft Mitteldeutschlands dokumentieren möchte der Verein Dokmitt mit dem ehemaligen Regierungspräsidenten Walter Christian Steinbach an der Spitze. Nach anderthalb Jahren der Vorbereitung beginnt jetzt die praktische Arbeit mit der Befragung ehemaliger Bergleute.

Seit diesem Monat ist die Diplom-Museologin Ariane Zabel im Dokmitt-Team, bereitet das Konzept vor für die Befragung, besorgt sich Adressen, nimmt Kontakt zu den ehemaligen Beschäftigten auf, die über ihre Biographie in der mitteldeutschen Industrielandschaft zu DDR-Zeiten, den Wandel mit der Wende und ihr Leben danach befragt werden sollen. Je 20 aus den Bereichen Bergbau, Energie und Chemie sollten es schon sein, meint Holger Schmahl vom Dokmitt-Verein, „um auch statistisch belastbare Ergebnisse zu erzielen“, findet er.

„Welchen Einfluss hat der Strukturwandel auf die Einstellung der Leute gehabt?“, fragt sich Steinbach. Eine der Theorien sei ja, dass die Staatsverdrossenheit oder auch die Ressentiments gegen Ausländer damit zu haben könnten. Das herauszufinden, sei unter anderem ein Ziel der Aufarbeitung der Geschichte der Region, erklärt er. Steinbach will dafür die Erkenntnisse zunächst in einer Art „Stammtisch“ mit Fachleuten zum Beispiel zum Bergbau vorberaten, dann auch externe Wissenschaftler wie von der HTWK und vom Historischen Seminar aus Leipzig hinzuziehen. Wissenschaftliche Workshops und Publikationen seien im Nachgang geplant, erklärt Steinbach. Er hatte als Pfarrer und Umweltaktivist schon zu Wendezeiten die Entwicklung der Region begleitet, sie später als Regierungspräsident maßgeblich mitgestaltet.

56 000 Mitarbeiter habe die mitteldeutsche Braunkohle zu DDR-Zeiten gehabt, die heute private Mibrag habe gerade mal 2000. „54 000 Menschen haben also durch die Wende ihre Beschäftigung verloren, sich etwas anderes suchen müssen“, sagt Steinbach. „Man weiß nicht, was in den Seelen der Menschen damals vor sich gegangen ist.“

Dabei dränge jetzt die Zeit für die Befragungen, so Schmahl, denn die Betroffenen würden immer älter und weniger. Einerseits sei das natürlich schlecht, anderseits auch nicht, weil sich so die Erfahrungen in dieser sicher schwierigen Zeit über die Jahre gesetzt hätten.

Einbezogen werden sollen dabei auch ehemalige Beschäftigte aus Sachsen-Anhalt. Um die kümmert sich Ulrike Kalteisen, die für die Kulturstiftung Hohenmölsen tätig ist, ihr Netzwerk an Verbindungen dazu nutzt.

Der Verein arbeitet mit Ehrenamtlichen. Für einzelne Projekte wie die Befragungen würden Fördermittel eingeworben und Werkverträge gemacht, erzählte Steinbach. In diesem Fall kämen sie über das Programm „weltoffenes Sachsen“.

Dokmitt arbeitet auf den drei Säulen Forschung, Sammlung und Vermittlung, strebt langfristig den Aufbau eines Dokumentions-, Informations- und Besucherzentrums zum Strukturwandel in Mitteldeutschland an.

Von Jörg ter Vehn

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