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Doppelter Festspaß

Doppelter Festspaß

„Mein Heimweh holt mich immer wieder her", verriet Kurt Gruschka. „Jedes Jahr bin ich eine Woche hier." Und so war es für den 76-Jährigen eine Selbstverständlichkeit, auch am Wochenende zum 700. Jubiläum seines Heimatortes Wachau dabei sein.

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Wachauer und Auenhainer feiern mit vielen Gästen ihre Jubiläen.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Bereits seit 1957 wohnt er in Schleswig-Holstein, arbeitete 35 Jahre bei der Berufsfeuerwehr in Hamburg. „Doch meine ersten Schulübungen mit dem Löschtrupp habe ich hier in Wachau gemacht", erinnert er sich. Für ihn sei es die Welt der Kindheit. „Ich erinnere mich noch gut daran, dass hier früher jeder Bauer Tauben auf seinem Hof hatte, 100 Stück waren das Minimum." Heute seien die Tiere nur noch selten zu sehen.

Das Ortsjubiläum war für so manchen früheren Wachauer und Auenhainer die Gelegenheit, mal wieder im Heimatdorf vorbeizuschauen. Regina Jahn wohnt schon seit 1954 in Berlin. „In Wachau habe ich meine Kindheit verbracht", berichtet sie. Am Ende des Krieges sei sie von Breslau hierher gekommen. „Die ersten Jahre hatte ich für den Ort überhaupt keine positiven Gefühle, denn hier wollte ich ja eigentlich nicht sein", berichtet sie. Das habe sich erst Schritt für Schritt geändert. „Meine Mutter hat in der Schulküche gekocht und dann später als Buchhalterin auf dem Volksgut gearbeitet", sagt Jahn. Aus deren Beständen stammen einige historische Dokumente, die sie am Rande des Festtrubels dem Markkleeberger Historiker Andreas Höhn überreichte. „Bei ihnen sind sie in guten Händen", sagte sie zu Höhn, der angesichts der Zeitzeugnisse sichtlich gerührt war.

Wer mehr über die bewegte Geschichte von Wachau und Auenhain wissen wollte, konnte sich eine kleine Ausstellung anschauen. Für die hatten zahlreiche Einwohner in ihren Schränken gekramt und etliches gefunden, so beispielsweise Bildmaterial von den Ortsjubiläen des vergangenen Jahrhunderts.

Das aktuelle Fest 700 Jahre Wachau und 675 Jahre Auenhain hätte um ein Haar gar nicht gefeiert werden können, betonte Markkleebergs Oberbürgermeister Bernd Klose in seiner Eröffnungsansprache.

Denn die Tagebaupläne der DDR sahen die Abbaggerung der Orte vor. „Glücklicherweise ist uns das erspart geblieben", so Klose. Er lobte vor allem das Engagement vieler Einwohner für die Rettung der Kirche. Deren Turm stürzte 1974 ein, die Trümmer wurden damals ins Kirchenschiff geräumt. Nach 1990 griffen viele Leute mit zu und räumten die Steine weg, die Kirche wurde zu einem beliebten Veranstaltungsort. Klose schob gleich noch ein Lob nach: „Man muss den Hut ziehen, wie es damals der kleinen Wachauer Verwaltung gelang, das heute florierende Gewerbegebiet auf die Beine zu stellen." Auch Landrat Gerhard Gey machte den Wachauern ein Kompliment: „Sie haben sich von der Tagebaurandlage zu einem attraktiven Wohnstandort entwickelt."

Manches an Wachau sucht anderenorts seinesgleichen. Zum Beispiel die Kinderfeuerwehr, in der bereits Steppkes ab vier Jahren mitmachen und viel erleben können. „Wir haben derzeit zehn Mitglieder, suchen aber noch neue", erzählt Jeanette Päch.

Bert Endruszeit

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