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Dozentin Henny Krill unterrichtet Hörende in der Deutschen Gebärdensprache

Dozentin Henny Krill unterrichtet Hörende in der Deutschen Gebärdensprache

Markkleeberg. Die schlanke, in Schwarz gekleidete Frau steht vor ihrer Klasse in der Markkleeberger Kirschallee und fixiert das Dutzend Schüler an den Tischen mit Blicken.

. Zu ihren munteren Handbewegungen atmet Henny Krill geräuschvoll aus, was ihren Gesten etwas Verschwörerisches und Eindringliches verleiht. Die Teilnehmer des Kurses „Deutsche Gebärdensprache für Hörende“ an der Volkshochschule Leipziger Land lernen, wie an der weißen Tafel mit schwarzer Schrift steht, heute „richtungsgebende Verbgebärden“.

Auf Krills Zeichen hin, bedeuten sie anderen zu ihnen oder Dritten zu kommen. Manche murmeln unterstützend das Wort „Komm!“. Unterhaltungen zwischen Sitznachbarn toleriert Krill. Die lebhafte Lehrerin, die die neun Frauen und drei Männer unterrichtet, kommuniziert so gut wie tonlos mit der Gruppe. Krill hat ihr Gehör im Kleinkindalter verloren und kann sich an Klänge nicht mehr erinnern. Sie stützt sich in erster Linie auf die Hände und den Blickkontakt. Lehrbücher, spezielle Arbeitsbögen, Bild- und Anschauungsmaterial sowie der Projektor erleichtern ihr weiter die Arbeit. Nur in der ersten Stunde der 13 Unterrichtseinheiten war ein Dolmetscher zugegen. Während sich die Schüler in normaler Lautsprache artikulieren, übersetzt Krill bestimmte Begriffe in Gebärdensprache, die ihre eigene Grammatik habe, wie sie betont.

Gehörlose Menschen seien im Umgang mit Hörenden häufig sehr gehemmt, erzählt die 45-jährige gebürtige Wittenbergerin, die seit Jahren in Markkleeberg lebt, und erklärt: „Ich bin aber sehr kontaktfreudig und bemüht, mich mit Lautsprache in Verbindung mit Gebärden und Gesten mit hörenden Menschen zu verständigen. Und doch stört es sie im Alltag, dass sich diese sehr wenig Mühe geben, sie zu verstehen. Bei deutlicher Aussprache kann sie ihrem Gegenüber sehr gut vom Mund ablesen.

Unter ihren Teilnehmern sind Erzieher, Kindergärtnerinnen, Mitarbeiter aus Beratungsstellen wie dem Arbeitsamt, der Verbraucherzentrale, Betreuer, Krankenpfleger, Therapeuten, aber auch Freunde von Gehörlosen. „Ich interessiere mich für die Sprache, da ich eine Freundin habe, die sie spricht und ich die Kenntnisse auch als Ergotherapeutin gut gebrauchen kann“, verrät die 22-jährige Bianca Wiegner. Hörende wie Nichthörende erlernen dieselbe Gebärdensprache, die seit 2002 gesetzlich anerkannt ist. Bis zum Meistern komplexer Situationen ist es aber ein langer Weg, den die Teilnehmer beschreiten müssen. „Ich glaube, es ist für einen Hörenden nicht möglich, in nur einem Kurs alle Grundkenntnisse der Deutschen Gebärdensprache zu erlernen“, gibt die Dozentin zu bedenken und rät zu Aufbauseminaren, die zum Beispiel die Volkshochschule oder der Stadtverband der Hörgeschädigten Leipzig anbieten. „Die Gebärdensprache ist eine visuelle Sprache, das heißt man spricht nicht nur einfach mit den Händen, „sondern Gebärden, Gesten, Bewegung und Mimik in Einheit kennzeichnen diese ausdrucksstarke Sprache“, erklärt sie.

In die Rolle der Vermittlerin ist Krill hineingewachsen. Zunächst arbeitete sie sehr gern in ihrem Beruf als Maschinenbauzeichnerin und Teilkonstrukteurin. Über ihre Tätigkeit beim Gehörlosenverband entdeckte sie ihre Vorliebe für die Arbeit mit Menschen und absolvierte die mehrjährige Ausbildung zur Gebärdensprachdozentin, um fortan zu unterrichten. Die Kommunikation unter Gehörlosen funktioniere problemlos, betont Krill, bedauert aber: „Leider beherrscht fast niemand von den Hörenden diese Sprache, sodass noch immer eine gewisse Distanz und Hemmschwelle bei der Begegnung von Gehörlosen und Hörenden besteht.“ Umso mehr freut sie sich über jeden, der sich bei ihr auf das Abenteuer der Ausdrucksmöglichkeiten einlässt.

Kendra Reinhardt

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