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"Edelputze" für Kirchenruine gesucht

"Edelputze" für Kirchenruine gesucht

Markkleeberg. Vor gut einem Jahr hat sich der Förderverein Kirchenruine Wachau gegründet. Sein Ziel: Den Zerfall des wild-romantischen Gemäuers stoppen.

Jetzt soll erst einmal der Putz erneuert werden. Doch noch immer fehlt es am nötigen Geld. Konzertmanagerin Johanna Butenuth hat sich etwas Besonderes einfallen lassen, um Spenden zu akquirieren.

"Brauche Edelputze - keine Reinemachefrau. Werden Sie Putzhilfe mit Ihrer Spende", steht auf dem Plakat, das seit einigen Tagen zwischen wildem Wein und Efeu am maroden Gotteshaus hängt. "Die Idee ist meinem Mann abends bei einem Glas Wein gekommen", verrät Butenuth. Sie hofft, dass sich viele "Putzhilfen", gern auch als neue Vereinsmitglieder finden. Denn der Zahn der Zeit nagt unaufhörlich: Wind und Regen haben fingerdicke Löcher ins Mauerwerk getrieben.

"Der Putz muss rundherum erneuert werden, zuerst am Turm", erklärt Butenuth. Zudem soll die im neogotischen Stil nach Plänen des Leipziger Architekten Konstantin Lipsius von 1865 bis 1867 errichtete Kirche ein neues Turmdach erhalten. "Wir möchten den Turm gern für Besucher zugänglich machen", berichtet Butenuth.

Einst maß der stattliche 65 Meter und war der höchste im Leipziger Umland. Das für ein Dorf übergroße Gotteshaus sollen sich die Wachauer von Rittergutsbesitzer und Kirchenpatron Ferdinand Wilhelm Weinschenk ertrotzt haben. Wenn schon kein eigener Pfarrer - der Cröberner war auch für Wachau zuständig -, dann wenigstens eine opulente Kirche.

Doch die Wachauer hatten kein Glück: Noch im Einweihungsjahr stürzten die Spitztürmchen herunter. Im Dezember 1943 explodierte eine britische Luftmine auf dem benachbarten Rittergut. Die Druckwelle riss Löcher ins Kirchendach, viele Bleiglasfenster zerbarsten. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs trafen dann amerikanische Brandbomben den Turm und die Sakristei. 1975, nachdem auch noch der Blitz eingeschlagen war, wurde der Oberbau des Turms abgerissen.

An Wiederaufbau war mangels Geld nicht zu denken und ist es bis heute nicht. Seit Herbst 1989 steht die Ruine, die inzwischen Eigentum des Kirchenquartetts Probstheida-Störmthal-Wachau-Güldengossa ist, unter Denkmalschutz. Mitte der Neunziger wurde das Areal beräumt, Altar und Taufstein saniert. Seither findet zu Himmelfahrt alljährlich ein Gottesdienst statt, auch Hochzeiten und Taufen werden gefeiert. Beliebt ist das romantische Gemäuer als Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen.

Nach einer ersten Schadenkartierung 2011 haben Fachleute die Kirchenruine im Juni erneut begutachtet. "Die genauen Zahlen liegen uns noch nicht vor, aber wir gehen von einem sechsstelligen Betrag aus", meint Butenuth.Mit Vereinsvorsitzendem Eberhard Eichhorn verteilt sie Postkarten, versucht so, aber auch mit der neuen Homepage Spender zu werben.

Ein Sponsor wird auch für eine Sitzgruppe gesucht, die soll künftig am Seiteneingang zum Verweilen einladen. Dafür möchte der Verein Studenten der Fakultät für Angewandte Kunst in Schneeberg gewinnen.

@ www.kirchenruinewachau.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.07.2013

Ulrike Witt

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