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Ein Herz und ein Schnabel

Ein Herz und ein Schnabel

Am nördlichsten Zipfel des Tagebaus Peres, nahe Rüssen-Klein-storkwitz, spielt sich in diesen Tagen ein bewegendes Schauspiel im Auftrag der Liebe ab: Naturschützer Harald Krug füttert beinahe täglich Singschwan Svenja.

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Streng geschützt, aber bei Harald Krug handzahm: Der Naturschützer und die etwa zwei Jahre alte Singschwan-Dame Svenja im Tagebau.

Quelle: Jörg ter Vehn

Zwenkau. Die junge Dame, die einer vom Aussterben bedrohten, streng geschützten Vogelart angehört, frisst ihm inzwischen aus der Hand. Krug will sie zum Bleiben animieren, bis Singschwan Nils mit ihr eins werden kann.

Nils stamme aus der Nachzucht von Singschwänen, die von 2003 bis 2006 im Naturschutzgebiet „Stöhnaer Becken“ bei Großdeuben gebrütet hatten, weiß Vogelexperte Krug. Das Brutpaar sei dort verschwunden, nachdem im Auftrag des Schäfers mitten im Winter Schilf gemäht und damit das Singschwannest am Schilf-rand freigelegt wurde. Das Brutpaar zog in die Lausitz. Da die Jungvögel eh nicht mitkommen, wenn die Brutzeit beginnt, musste sich der Nachwuchs ein neues Gebiet suchen. „Seitdem war Nils in der Liegendwasserhaltung des Tagebaus Peres anzutreffen“, sagt Krug.

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Ein Herz und ein Schnabel: Harald Krug will Svena mit Brot überreden, im Tagebau zu überwintern - um im nächsten Jhar für Singschwan Nils da zu sein.

Quelle: Jörg ter Vehn

Er begleitet im Auftrag der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag) Natur- und Artenschutz in allen Tagebauen, ist dort vom Frühjahr bis zum Spätherbst fast täglich unterwegs, um die Bestände und deren Entwicklung zu überwachen. Seit 2007 führt er gemeinsam mit Angelika Diesener von der Mibrag auch zweimal jährlich Gruppen von Besuchern durch das in Peres entstandene „Naturschaufenster Tagebau“, in dem zahlreiche geschützte Arten wie Kraniche, Löffelente, Wasserralle, Blaukehlchen, Drossel- und Schilfrohrsänger, Rohrschwirl, Flussregenpfeifer und die Rohrweihe leben und auch für Nachwuchs sorgen. Nur Junggeselle Nils nicht. „In seiner Verzweiflung hat der arme Kerl schon weibliche Höckerschwäne angebalzt“, hat Krug selbst beobachtet. Im Frühjahr sei der Singschwan dabei fast von einem konkurrierenden, bereits verpaarten (Höckerschwan-)Männchen totgeschlagen worden.

Danach fragte Krug deutschlandweit unter Kollegen, ob nicht jemand wüsste, woher er ein Singschwan-Weibchen für Nils bekommen könnte. Der Kultur- und Heimatverein Krosigk mit Sitz am Petersberg bei Halle habe ihm schließlich Svenja mit entsprechenden Papieren abgegeben. Er habe das zweijährige Tier nach Einsatz im Teich des Naturschutzzentrums Groitzsch schließlich im Naturschaufenster ausgewildert. Die von Krug mit Spannung erwartete erste Begegnung der beiden im August endete jedoch in einem eher einseitigen Flirt: „Svenja ist noch nicht geschlechtsreif, was auch Nils mitbekam. Er hat sich erst mal verzogen, ist vermutlich bei den Singschwänen, die als Wintergäste an den Seen im Südraum derzeit verweilen“, meint Krug.

Er glaubt jedoch an ein Happy-End. „Nils hat den Bereich Peres als sein Revier, ist auch nach früheren Wintern immer zurückgekehrt“, erläutert der Naturschützer. Und Svenja? Die würde auch ohne ihn über den Winter kommen, finde genug Fressen im nicht zugefrorenen Wasser des Tagebaus. Mit dem Zufüttern wolle er aber sicher stellen, dass die Schwanendame auf jeden Fall im Bereich bleibe – um dann im Frühjahr auf ihren Artgenossen zu treffen und einen weiteren Schritt zur Erhaltung ihrer Art in der Region Südraum Leipzig zu unternehmen.

Jörg ter Vehn

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