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"Ein neues Spielzeug für den Kantor"

"Ein neues Spielzeug für den Kantor"

Mit einem Festgottesdienst ist am Sonntagvormittag die neue Orgel in der voll besetzten Martin-Luther-Kirche in Markkleeberg geweiht worden. Unter den Gästen waren Oberbürgermeister Karsten Schütze und sein Amtsvorgänger Bernd Klose (beide SPD), Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger und die früheren Pfarrer Walter Johne und Hans-Ludwig Lippmann.

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Ein "Freudentag": Pfarrer Arndt Haubold und seine Amtskollegin Kathrin Bickhardt-Schulz weihen die neue Orgel.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Bevor Pfarrer Arndt Haubold und Kathrin Bickhardt-Schulz das Instrument segneten, erinnerte der Vorsitzende des Orgelausschusses, Martin Kürschner, an den langen Weg von der Idee bis zur Umsetzung.

"Die Orgelweihe ist ein Ereignis, das eine Gemeinde, wenn sie Glück hat, vielleicht alle 100 Jahre feiern kann", sagte er. Beim Anblick des von der baden-württembergischen Firma Fischer und Krämer geschaffenen und "sich harmonisch in das Gotteshaus einfügenden Meisterwerkes" könne man sich gar nicht mehr vorstellen, wie es vorher aussah. Wie berichtet, musste die Gemeinde fast 35 Jahre mit einem Provisorium, einer aus drei Instrumenten zusammengesetzten Orgel leben. Übernommen wurde nur der Orgelprospekt aus der ehemaligen Magdeborner Dorfkirche. "Es ist schön, dass wir heute sagen können, der Orgelausschuss hat seine Arbeit getan. Die neue Orgel vereint Tradition und Fortschritt in einer gelungenen Synthese", betonte Kürschner.

Haubold gestand in seiner Predigt, dass in der Gemeinde durchaus kontrovers diskutiert worden sei, ob ein rund 500 000 Euro teures Luxus-Instrument bei aller Not in der Welt wirklich gebraucht wird. "Wer die Orgel für unnützen Luxus hält, sollte ehrlicherweise nicht mehr in die Kirche gehen und sie abreißen", meinte Haubold. Jesus habe nicht im Luxus gelebt, er habe ihn aber auch nicht verteufelt. "Wir brauchen in unserem Leben Luxus und Schönes, weil wir Menschen und keine Roboter sind", fügte er hinzu. Orgelmusik sei ein Bekenntnis des Glaubens, auch wenn Luther das Instrument verachtet, die Universität Wittenberg erst 1597 ein Unbedenklichkeitsgutachten ausgestellt habe. "Zur Ehre Gottes sollten wir nicht kleckern, sondern klotzen", so Haubold.

Orgelbauer Georg Fischer bedankte sich "für das Vertrauen der Kirchgemeinde, für die rege Anteilnahme und eine sehr angenehme, fruchtbare Zusammenarbeit und künstlerische Betreuung". "Die neue Orgel ist eine Bereicherung für die Orgellandschaft in und um Leipzig", so Fischer. Sein Wunsch sei es, dass das Orgelspiel vielen Generationen Freude und Erbauung schenken möge.

Frank Zimpel, der die neue Orgel mit Johann Sebastian Bachs "Präludium Es-Dur" musikalisch einweihte, sandte ein recht launisches Grußwort an die Kritiker des Orgelbaus: "Der Kantor bekommt ein neues Spielzeug und sagt Danke." Dies sei bei Männern um die 40 ja nichts Ungewöhnliches, gerade in Markkleeberg, im Land der Porsches, großen Häuser und späten Väter. "Aber die Orgel ist kein Spielzeug, sondern ein Arbeitswerkzeug." Nachdem zwei Kantoren über den Orgelbauplänen verrentet worden seien, habe er nun das Glück, die neue Orgel spielen zu dürfen. Ihm sei aber auch manches graue Haar gewachsen. "Ich war erstaunt, wie viele mitreden wollten, wie viele sich plötzlich für kompetent hielten. Da konnte ich mit über 1000 Konzerten in aller Welt nicht mithalten", so Zimpel.

Die Orgelweihe war gestern der Auftakt für eine ganze Festwoche. Heute Abend steht um 19.30 Uhr eine öffentliche Chorprobe in der Martin-Luther-Kirche auf dem Programm. Morgen ab 10 Uhr sind Grund- und Oberschüler zu Orgelführungen eingeladen, Mittwochabend alle Spender und Orgelpaten. Am Freitag spielt dann Professor Stefan Engels von der Musikhochschule Leipzig ab 19.30 Uhr Werke von Johann Sebastian Bach, Sigfrid Karg-Elert und Martin Kürschner. Zum Abschluss erklingen am Samstag ab 18 Uhr Anton Dvoraks Messe D-Dur und Cesar Francks 150. Psalm. Es musizieren die Chöre der Martin-Luther- und der Auenkirche. An der Orgel sitzt Frank Zimpel, die Leitung hat Susanne Blache. Karten sind für zehn Euro, Kombitickets für 20 Euro im Pfarramt erhältlich. Kinder zahlen nichts.

Übrigens: Die Kirchgemeinde sammelt weiter Spenden für die neue Orgel. Einige tausend Euro fehlen noch.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.11.2014
Ulrike Witt

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