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Einblick in den Südraumtunnel

Einblick in den Südraumtunnel

Großpösna. Der Verein Erdgeschichte im Südraum Leipzig beschäftigt sich naturgemäß normalerweise mit etwas älteren Dingen – da wird häufig sogar in Jahrmillionen gerechnet.

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Geotechniker Stefan Geß (Mitte) erklärt den Mitgliedern des Vereins Erdgeschichte den Aufbau der Deponie Cröbern.

Quelle: André Kempner

Gestern drehte sich bei einer Exkursion der Vereinsmitglieder alles um ein noch recht junges „Erdbauwerk“ – die Deponie Cröbern.

Denn die gilt schon allein wegen ihres Standorts als durchaus ungewöhnlich: Sie ist die erste Deponie, die auf Kippengelände errichtet wurde. Schließlich sollte angesichts einer schon durch den Tagebau geschundenen Natur nicht noch zusätzlich unberührte Fläche dafür in Beschlag genommen werden.

Als fachkundiger „Reiseführer“ bei der Tour über die gigantische Anlage zeichnete Stefan Geß verantwortlich. Er ist Geschäftsführer der Espenhainer FCB GmbH, die im Auftrag des Deponiebetreibers unter anderem die verschiedensten Messungen vornimmt. Seine Untersuchungen fließen regelmäßig in Gutachten ein, die wiederum von der Landesdirektion als Überwachungsbehörde geprüft werden.

Ursprünglich sollte die Deponie Schritt für Schritt mit Hausmüll gefüllt werden. „Doch das war nur bis 2005 möglich“, so Geß. Nun muss alles vorbehandelt werden, in Cröbern übernimmt das die Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage. „Wir haben in diesem Bereich die strengsten Gesetze Europas“, so Geß. Grund sei die Vermeidung von Methangasen - alles was auf natürlichem Wege verrotten kann, hat eigentlich auf Deponien nichts verloren. „Schließlich ist solches Material ein wertvoller Rohstoff, dessen Heizwert ist größer als der von Braunkohle“, weiß Geß. Da eine solche Aufarbeitung in früheren Zeiten nicht üblich war, könnten alte Deponien später richtig wertvoll werden. Geß: „Vielleicht bauen unsere Urenkel in 100 Jahren dort einmal ihre Rohstoffe ab.“

Was heute auf die Deponie kommt, gibt kaum noch Methangas ab. Platz findet nur, was nach modernem Stand der Technik beim besten Willen nicht weiter verarbeitet werden kann. „Mancher sagt ja, dass man künftig gar keine Deponien mehr braucht. Doch soweit sind wir noch nicht“, so Geß. Und so wird die Deponie Cröbern auch künftig weiter wachsen – gerechnet wird mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2025. Am Ende soll die eine Höhe von 48 Metern erreichen und rund zwölf Millionen Tonnen fassen. „Sie wird dann eine ähnliche Landschaftsmarke wie die Halde Trages“, kündigt er an.

Bis es soweit ist, müssen Geotechnik-Experten wie Stefan Geß ein wachsames Auge auf die Deponie werfen. Das ist zum Beispiel beim Thema Setzungen wichtig. Denn wo Jahr für Jahr mehrere 100 000 Tonnen abgelagert werden, kann einiges in Bewegung kommen. So wurde von Anfang an damit gerechnet, dass der Berg sich um satte 2,50 Meter nach unten bewegen kann. „Und so ist es auch eingetreten“, sagt Geß. Sichtbar ist das auch im über 700 Meter langen Tunnel, der tief unter der Deponie verläuft. Wie eine Kette kann der ganz flexibel auf „Druck von oben“ reagieren. Im Tunnel wird das Sickerwasser aufgefangen, das über Rohrleitungen ins Freie geleitet wird. Auch diese werden ständig überprüft, sogar mit Kameras wird nach möglichen Lecks gefahndet. Nach entsprechender Behandlung ist das Wasser zu „99,9 Prozent sauber“, versichert Geß. Problemlos könne das in die nahe Pleiße geleitet werden, was praktisch aber nur selten vorkommt, denn das kühle Nass wird in der Deponie selbst verbraucht. Dieses Wasser sei unbedenklicher als Niederschlagswassser, das durch die hiesigen tertiären Sande fließt - denn dadurch werde es buchstäblich sauer. „Das möchte niemand in den Seen haben“, weiß Geß.

Bert Endruszeit

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