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Markkleeberg Elsteraue-Bewohner fordern: "Die Charta 2030 gilt auch für uns"
Region Markkleeberg Elsteraue-Bewohner fordern: "Die Charta 2030 gilt auch für uns"
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00:22 03.06.2015
Deutliche Willensbekundung: Etwa 500 Bürger haben am Freitagnachmittag lautstark Nein zum geplanten Kiesabbau bei Zitzschen gesagt. Quelle: André Kempner
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Zwenkau

"Die Charta 2030 gilt auch für uns", "Was die Kohle uns ließ, frisst jetzt der Kies","Wir brauchen Äcker und keine neuen Seen", "Kies kann man nicht essen" mahnten sie.

Angemeldet hatte die Demonstration der ehemalige Bürgermeister von Zitzschen und Zwenkauer CDU-Stadtrat Horst Kalis. "Das Raumordnungsverfahren für den Nassabbau ist unsere letzte Chance, gegen diesen Wahnsinn etwas zu unternehmen. Wir haben genug vom Tagebau und es ist eine Unverschämtheit, gerade jetzt, wo aus der Mondlandschaft ein Erholungsgebiet wird, hier wieder alles aufbuddeln zu wollen", fasste er die aufgewühlte Stimmung der Demonstranten zusammen. Unter ihnen waren zahlreiche Stadträte und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Seine Solidarität bekundete auch CDU-Landratskandidat Henry Graichen.

Zwenkaus Bürgermeister Holger Schulz (CDU), der in der Ratssitzung zur Demonstration aufgerufen hatte, erklärte, dass sich sowohl der Landkreis Leipzig als auch der Regionale Planungsverband Westsachsen gegen den Nassabbau und die Ausweitung auf das Bewilligungsfeld Großdalzig ausgesprochen hätten. Er bestärkte die Protestierenden: "Ihre Einwendungen sind nicht chancenlos. Sie sind fundamentiert und werden daher auch Beachtung finden."

Wie berichtet, hatte der Stadtrat in einer Stellungnahme seine Ablehnung zum Ausdruck gebracht, zudem den von der Mitteldeutschen Baustoffe GmbH (MDB) beantragten Kauf von Wegen im Bewilligungsfeld Zitzschen abgelehnt. "Vor drei Wochen hat uns der Freistaat den Zwenkauer See feierlich übergeben. Das ist schön, aber wir dürfen nicht noch weiter Land verlieren. 20 Prozent unserer Fläche sind schon Wasser." Der MDB rief Schulz zu: "Holt den Kies woanders raus, wir wollen Moos statt Kies."

Um die Existenz ihrer Familie und Arbeitsplätze fürchtet Christine Hennig vom Gärtnereibetrieb Gebrüder Neidhardt in Zitzschen. "Wir würden erhebliche Flächen verlieren und als Dorfbewohner müssten wir wieder mit Lärm und Dreck leben", schimpfte die 32-Jährige, die mit Sohn Peter zur Demo gekommen war. "Wir wollen unsere Felder behalten, das ist guter Ackerboden", sagte die 74 Jahre alte Christa Begoihn, ebenfalls aus Zitzschen. "Unser Dorf hat Zukunft, aber nur ohne Kies", meinte Familie Hertes in Anspielung auf den Sieg beim gleichnamigen Kreiswettbewerb im vergangenen Jahr. Sorgen macht sich auch Gunter Zeutschel, technischer Leiter der Agrarprodukte Kitzen. "Unser Betrieb würde 150 Hektar einbüßen. Bei heute 3000 Hektar wäre das für unsere Pflanzen- und Tierproduktion mit 70 Arbeitsplätzen ein Einschnitt."

Kalis freute sich, dass viele junge Leute an der Demo teilnahmen. "Unsere Eltern und Großeltern haben durch den Braunkohletagebau viel mitgemacht und jetzt neu geschaffen. Das ist meine Heimat", begründete Simone Blume, 24 Jahre, ihr Engagement. Andere junge Mitglieder des Heimatvereins Zitzschen stoppten den Verkehr auf der B 186 immer wieder, nutzten die Fußgängerampel, um auf ihr Anliegen hinzuweisen. Die meisten Autofahrer zeigten Verständnis, etliche hupten zustimmend.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.06.2015
Ulrike Witt

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