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Erinnerung an Abraumförderbrücke: "Wir haben die ganze Erde umgewühlt"

Erinnerung an Abraumförderbrücke: "Wir haben die ganze Erde umgewühlt"

Großpösna. Sie war fast 30 Jahre lang mit 590 Meter Länge die größte fahrbare Maschine der Welt, hat im Südraum eine ganze Landschaft verändert, 14 Dörfer verschwinden und zwei Seen entstehen lassen.

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Stolz und Scham: Günther Augsburg am Störmthaler See und als Abraumförderbrückenchef (in kariertem Hemd) vor der AFB 17, die 1997 gesprengt wurde.

Quelle: André Kempner

Ab Freitag, 70 Jahre nach Beginn des regulären Probebetriebs der Abraumförderbrücke Espenhain (AFB 17), wird am Ort ihrer Sprengung 1997 ein erstes touristisches Hinweisschild an die AFB 17 erinnern. Günther Augsburg, über viele Jahre Abteilungsleiter der Brücke, wird dabei sein.

"Ich denke oft an die Brücke zurück", sagt Augsburg, der Sonntag 81 Jahre alt wird. Wie viele seiner ehemaligen Bergbaukollegen habe er fassungslos mitangesehen, wie sein Arbeitsplatz einfach so in die Luft gesprengt und dann abgewrackt wurde.

"1957 bin ich frisch von der Ingenieurschule auf die Förderbrücke gekommen", erinnert er sich. Die damalige DDR brauchte große Mengen Energie, die mit der AFB im großindustriellen Maßstab freigelegt wurde. "Wir haben die ganze Erde umgewühlt von Böhlen und Großdeuben hoch bis Markkleeberg-Ost und dann wieder abwärts bis Störmthal", erzählt er. "Ich schäme mich heute noch, dass ich 14 Dörfer weggebaggert habe. Eigentlich waren es aber 13, denn eins war schon weg", sagt er.

Gleichwohl hatte er keine Alternative. Der Großtagebau Espenhain, von den Nazis ab 1937 aufgeschlossen, lieferte als einer von mehreren viele Jahrzehnte lang der DDR die benötigte Braunkohle. Unglaubliche 670 Millionen Tonnen des Brennstoffs wurden zwischen Espenhain und Markkleeberg gewonnen. Dafür mussten aber auch 1,2 Milliarden Kubikmeter Abraum umgeschichtet werden.

"20 bis 22 Mann" habe es benötigt die Brücke zu fahren, erinnert sich Augsburg. Zusammen mit den Gleisarbeitern seien sie in seiner Abteilung 350 Leute gewesen, erzählt er. In den Siebzigerjahren war er mit einer Unterbrechung für den Betrieb der AFB 17 verantwortlich, musste also auch dafür geradestehen, wenn mal wieder etwas nicht so lief, wie geplant.

Schmunzeln kann Augsburg heute über die Anranzer, die sie bekamen, als im Kraftwerk Thierbach anstelle von Kohle Waggons voller Sand ankamen. Auch größere Mengen Ton seien immer mal wieder in der Kohle eingelagert und ans Kraftwerk geschickt worden, erklärt er. Die frisch geförderte Kohle habe meist direkt zum Kraftwerk gemusst, entschuldigt er die Vorkommnisse. Es sei eben alles mit sehr heißer Nadel gestrickt gewesen damals.

Viereinhalb Meter pro Minute fraß sich AFB 17 durch die Landschaft, knabberte dabei einen halben Meter der Landmasse ab. 200 Meter weit seien sie je Stunde gekommen, an einem Rekordtag hätten sie mal 148 000 Kubikmeter Erdreich beiseitegeräumt, im Schnitt seien es 120 000 gewesen, sagt er.

Nach dem dramatischen Winter 1979, als die Anlagen im Tagebau einfroren, hörte Augsburg als Brückenchef auf, arbeitete als Technologe für die Förderung aber noch weiter. In seiner Erinnerung kam 1977/1978 die Anweisung, vor Markkleeberg-Ost abzudrehen und den Tagebau südöstlich, vorbei an Auenhain und Güldengossa, nach Störmthal weiter voran zu treiben. Dort blieb die Abraumförderbrücke am 30. April 1994 stehen. Morgen 18 Uhr soll dort, am alten Aussichtspunkt, ein Schild feierlich einweiht werden, das an den Giganten aus Stahl erinnert - und damit letztlich an das Entstehen der Tagebauseen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.02.2015
Jörg ter Vehn

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