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Erster Gottesdienst unterm Baugerüst

Erster Gottesdienst unterm Baugerüst

In der Tellschützer Kirche wurde gestern der erste Gottesdienst nach der Brandkatastrophe vom 10. Januar gefeiert. Notdürftig unterm Baugerüst und doch war jeder Platz besetzt.

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Zeichen der Zuversicht: Pfarrerin Barbara Hüneburg hält sechseinhalb Monate nach dem Brand den ersten Gottesdienst im Kircheninneren.

Quelle: André Kempner

Zwenkau. "Wir haben uns oft gefragt, ob wir an diesem Ort je wieder fröhlich sein können und singen. In seinem jetzigen Zustand erinnert das Gotteshaus an die Vergänglichkeit allen von uns Erschaffenen", erklärte Pfarrerin Barbara Hüneburg. Aber die Gemeinde werde dem Ruf des Lebens folgen, die über 500 Jahre alte Dorfkirche wieder aufbauen und die unzähligen Familiengeschichten, die in den Mauern stecken, fortschreiben. "Wir brauchen Gotteshäuser als Kraftquell, als Ort der Einkehr und Begegnung", mahnte sie.

Das Baugerüst, das liebevoll mit Sonnenblumen geschmückt worden war, sei ein Zeichen der Zuversicht. "Es ist Beweis, dass es vorangeht", so Hüneburg. Verbindung zwischen gestern, heute und morgen waren zwei Kreuze: Ein kleines, das in der Brandnacht durch Zufall im Pfarrhaus Großdalzig war, stand gestern auf dem steinernen Altartisch, Rest des 1765 geweihten, spätbarocken Kanzelaltars. Das große Kreuz dahinter wurde aus halb verkohlten Holzbalken der alten Kirche gezimmert.

"Seit Januar erfahren wir viel Anteilnahme, von Menschen aus unseren Schwesterkirchgemeinden, von Christen und Nichtchristen aus der Region und darüber hinaus. Das gibt uns Mut, den Wiederaufbau zu wagen", betonte die Pfarrerin. Stellvertretend für viele begrüßte sie Ingrid und Volker Kuhnt aus Schkeuditz. Wie berichtet, möchte das Ehepaar ein Bild aus dem Nachlass ihres Vaters, des Malers Heinz Mutterlose, zugunsten des Wiederaufbaus verkaufen. Catherine Scholz, Inhaberin der Lehmhaus Galerie, präsentierte das Gemälde. "Ich wünsche mir, dass sich das Spendensäckel schnell füllt", sagte sie. Volker Kuhnt meinte mit Blick auf loses Mauerwerk und leere Fensterhöhlen: "Was wir tun, ist nur ein kleiner Beitrag. Hier wird ja noch so viel gebraucht."

Ingeborg Pfefferkorn war gestern aus Zwenkau gekommen. "Ich kannte die Kirche vorher. Es ist berührend hier wieder einen Gottesdienst erleben zu dürfen. Wir hoffen alle, dass die Kirche bald in neuer Pracht erstrahlen wird", sagte die Seniorin. "Ich freue mich, dass so viele Menschen da sind, Anteil an unserem Schicksal nehmen. Das stimmt optimistisch für die Zukunft", meinte René Fiedler vom Kirchenvorstand. Auch Pfarrerin Hüneburg strahlte. "Ich habe lange überlegt, ob wir an diesem Ort Gottesdienst feiern können. Aber es war die richtige Entscheidung."

Und die nächsten stehen schon an: "Ende August wird es ein Gespräch mit der Denkmalpflege geben, um zu klären, was erhalten werden muss, und wo es leichte Veränderungen gegenüber der letzten, während der Sanierung Mitte der Neunziger entstandenen Fassung geben kann", erläuterte sie. Kontakt gab es schon mit dem Bautzener Orgelbauunternehmen Eule. "Ein Glücksumstand", nennt Pfarrerin Hüneburg, dass Orgelbauer Dirk Eule die beim Brand vernichtete Orgel bestens kannte. "Er stammt aus Großdalzig, hat das Instrument während seiner Ausbildung mit saniert und jetzt angeregt, die neue Orgel zugunsten eines besseren Klanges nicht wieder in die Decke einzulassen", erzählte Hüneburg.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.07.2015
Ulrike Witt

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