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"Es wird kein zweites Gymnasium geben"

"Es wird kein zweites Gymnasium geben"

Das Rudolf-Hildebrand-Gymnasium platzt aus allen Nähten. Seit Jahren lernen 1000 Jugendliche in dem Komplex am Cospudener See. Ausgelegt wurde die 2004 fertiggestellte Einrichtung für 3,5 Züge, was etwa 800 Schülern entspricht.

Markkleeberg. „So kann es nicht weiter gehen, trotz tollem Haus und bestechender Lage“, sagte Urte Grauwinkel, stellvertretende Elternratssprecherin dieser Tage in der Aula. Sie hatte Oberbürgermeister Bernd Klose (SPD), Sozialamtsleiter Wolfgang Heinze, Christoph Bernhard, Referent bei der Sächsischen Bildungsagentur, und Schulleiter Ditmar Apel zum Podiumsgespräch eingeladen.

„Die Auslastung der Schule liegt an der oberen Grenze. Besonders die Klassenstärke macht mir Sorgen“, erklärte Apel. Im Schnitt säßen 29 bis 30 Schüler in jeder Klasse, in Sprachkursen 31. „Ein Stück weit bange ich um die Qualität“, gestand Apel, der seit drei Jahren die Rudolf-Hildebrand-Schule (RHS) leitet. Dabei rekrutiere er Neuzugänge nur aus Markkleeberg. Doch die Stadt wächst und Zuzügler müsse er immer häufiger vertrösten. „Ich weiß gar nicht, wo ich die Kinder unterbringen soll“, so Apel und untersetzte die Situation mit Zahlen: „Abgesehen von der Musikspezialklasse lernen ab August je 30 Mädchen und Jungen in den vier normalen Klassen.“ Aus Sicht vieler Eltern und Lehrer zu viel, um auf jeden individuell eingehen zu können.

„Ich rechne nicht mit einem Rückgang“, betonte Apel, auf die neue Zugangsregel für Gymnasien angesprochen. Wie berichtet, hatte das sächsische Kultusministerium jüngst entschieden, dass Viertklässler künftig einen Durchschnitt von 2,0 vorweisen müssen. In den vergangenen Jahren war der Übergang aufs Gymnasium auch mit 2,5 noch möglich. „Pro Klassenstufe haben bei uns fünf bis sechs Prozent davon profitiert, das allein bringt keine Erleichterung“, so Apel.

Dass der Landkreis Leipzig an einer neuen Schulnetzplanung arbeite, die im Sommer vom Kreistag beschlossen werden soll, berichtete Heinze den anwesenden Eltern und Pädagogen. Ob das Abhilfe schaffe, sei aber fraglich. „Rein rechnerisch reicht die Kapazität der vier Gymnasien im Leipziger Land aus“, so Heinze. Problem sei indes, dass sich die Markkleeberger nicht an die Vorgaben des Kultusministeriums halten. Denn das ging Ende der 90er Jahre bei der Förderung des Gymnasiums davon aus, dass sich der Nachwuchs hälftig auf Mittelschule und Gymnasium verteilt. „Das Verhältnis liegt bei uns aber bei 30 zu 70“, so Heinze. Teilweise sogar bei 25 zu 75.

„Eines steht fest, es wird in Markkleeberg kein zweites Gymnaisum geben“, stellte Klose klar. Dennoch habe die Verwaltung den Ernst der Lage erkannt und im Februar eine Studie in Auftrag gegeben. Das einst mit dem Bau betraute Planungsbüro prüfe, ob auf dem parkähnlichen Gelände, das zum Teil im Landschaftsschutzgebiet liegt, Platz für zwölf weitere Klassenzimmer und Fachkabinette ist. Bereits in dieser Woche soll das Ergebnis vorliegen. „Eine Erweiterung wird es aber nicht zum Nulltarif geben“, warnte Klose. Die Stadt wolle sich deshalb an das Ministerium in Dresden wenden: „Die haben damals schließlich 3,5 Züge angeordnet, obwohl wir gewarnt haben.“

Ob eine so große Schule überhaupt optimale Bildungsqualität bieten könne und letztlich nicht dem guten Ruf schade, wollte Elternsprecherin Grauwinkel wissen. „Wir müssen schon aufpassen, dass die RHS nicht zu einem Kombinat wird“, meinte Apel. Bildungsagentur-Vertreter Bernhard gab zu bedenken: „Einerseits sichert eine große Einheit viele Angebote, andererseits wissen wir, dass die Qualität bei über 1000 Schülern kippt.“ Zudem habe das Kultusministerium aus gutem Grund einen Klassenteiler von 28 vorgeschrieben. „Wir wollen die Schülerzahl doch auch nicht erhöhen, vielmehr geht es uns um bessere Bedingungen“, so Heinze.

Einer kurzfristigen Lösung – Container wie Neubau – erteilte Klose eine Absage: „Es gibt in Markkleeberg nicht nur die RHS. Aktuell wird die Grundschule Ost ausgebaut, in die Sanierung und Erweiterung der Mittelschule fließen bis 2011 zehn Millionen Euro und der Zustand der Grundschule Großstädteln schreit nach Modernisierung. Alles auf einmal geht aber nicht.“

Versprechen könne und wolle er nichts. „Lassen Sie uns im Herbst in Vorbereitung der Haushaltsdiskussion wieder zusammenkommen“, schlug er vor. Apel, dem die Runde wenn auch „keine Lösung“, so doch wenigstens „Mut gemacht“ hat, versprach besorgten Eltern: „Ich sichere Ihnen zu, dass wir die Müßigkeiten bewältigen werden. Hinter mir steht ein innovatives, fleißiges und kluges Kollegium. Darauf können Sie vertrauen.“

Ulrike Witt

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