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Fahrradkirche nach Notsanierung erstmals begehbar

Fahrradkirche nach Notsanierung erstmals begehbar

Nach fast 73 Jahren konnten Besucher des Ostergottesdienstes gestern zum ersten Mal das Innere der Zöbigker Dorfkirche betreten. Das Gotteshaus war am 17. Mai 1942 ausgebrannt, Ursache mitten im Zweiten Weltkrieg keine Bombe, sondern ein durch Überhitzung des Orgelmotors entstandenes Feuer.

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Premiere in der Fahrradkirche: Pfarrerin Kathrin Bickhardt-Schulz (5. von rechts) mit Besuchern vor dem provisorisch eingerichteten Altar.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. "Für unsere Gemeinde ist das heute ein ganz besonderes Ostergeschenk", betonte Pfarrerin Kathrin Bickhardt-Schulz, die zu Emmaus-Gang und Agapemahl, musikalisch begleitet vom Gospelduo um den Großpösnaer Kantor Maik Gosdzinski, geladen hatte. Aaron Büchel-Bernhardt, Vorsitzender der AG Fahrradkirche, die seit 2006 die Wiederbelebung der Ruine in der Dorfstraße 2 begleitet, führte Neugierige durch die alten Mauern. "Die Ruine ist jetzt statisch gesichert. Hier kann nichts mehr herunterfallen, auch wenn die Steine noch bröselig aussehen und kein Dach drauf ist", erklärte er.

Im Spätsommer 2014 hatte die Kirchgemeinde nach jahrelanger Vorbereitung mit der Notsanierung begonnen. Vorab wurde bei mehreren Arbeitseinsätzen an Wochenenden Schutt und Grün beseitigt (die LVZ berichtete). "Statisch am wichtigsten war die Erneuerung des oberen Ringankers, damit die Kirche nicht auseinanderbricht. Auf den ersten Blick am auffälligsten sind aber die mit neuen Ziegeln stabilisierten Fensterlaibungen", erläuterte Büchel-Bernhardt gestern. Immerhin 120 000 Euro sind 2014 in die Sanierung geflossen, 13 000 Euro aus Spenden, der große Rest aus Fördermitteln.

"In diesem Jahr wollen wir noch mal 80 000 Euro investieren", kündigte Büchel-Bernhardt an. Unter anderem soll die Fahrradkirche einen Außenputz erhalten, damit Wind und Wetter dem Mauerwerk nicht weiter zusetzen können. "Es wird kein glatter Putz. Vorsprünge und damit das Vorläufige, Lebendige der Ruine sollen bleiben", so der AG-Vorsitzende. Ohnehin solle aus der Zöbigker Kirche keine beheizte Winterkirche werden. Ein Dach sei geplant, wann aber noch unklar. "Vorher müsste die Stadt erst mal den Bebauungsplan Zöbigker Winkel ändern", so Büchel-Bernhardt. Er gehe davon aus, dass die evangelische Kirchgemeinde Markkleeberg-West frühestens 2017 den Bauantrag stellen kann. "Und dann müssen wir auch noch genügend Geld haben", fügte er hinzu. Deshalb wurde auch gestern um Spenden gebeten. Allein dieses Jahr hofft die Gemeinde so 45 000 der insgesamt 80 000 Euro für die weitere Sanierung zusammen zu bekommen.

Nach dem traditionellen Saisonstart am Ostermontag wird die Fahrradkirche das nächste Mal am 2. Mai zum Tag des offenen Tores und dann an jedem ersten Samstag im Monat für Besucher offen stehen. Jeweils um 16 Uhr lädt Ingrid Diestel dann zu Führungen ein. Unter Leitung ihres Urgroßvaters Hugo Altendorff war die Zöbigker Kirche 1883 umfassend saniert worden. Sie werde auch von einem restauratorischen Gutachten berichten, das auf 74 Seiten detailliert Baugeschichte bis hin zu historischen Putzen offenlegt, und Besucher in den Raum der Stille, das einzige noch geschlossene Gewölbe unter der einstigen Patronatsloge begleiten, machte Büchel-Bernhardt neugierig. Gestern fand darin der erste Kindergottesdienst in der Fahrradkirche statt.

Vormerken sollten sich Markkleeberger und Touristen auch den 14. Mai. An Christi Himmelfahrt wird es einen ökumenischen Pilgergottesdienst geben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.04.2015
Ulrike Witt

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