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Markkleeberg Familie freut sich auf behindertengerechtes Auto
Region Markkleeberg Familie freut sich auf behindertengerechtes Auto
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16:44 16.03.2010
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. Im Sommer lag der 15-jährige, seit seiner Geburt schwerstbehinderte Junge sieben Wochen auf der Intensivstation. „Bei einem spastischen Anfall hatte er sich einen komplizierten Oberschenkelhalsbruch zugezogen“, berichtet seine Mutter Susanne. Als Magenprobleme hinzukamen, magerte der Teenager auf 16 Kilogramm ab. Aber Maximilian hat es wieder geschafft. „Er ist ein Kämpfer“, sagen seine Eltern. Und weil der freundliche Wuschelkopf nicht aufgibt, geben auch sie nicht auf.

Ihrer Hartnäckigkeit hat die fünfköpfige Familie – Tochter Theresa ist sechs Jahre alt – auch das neue Auto zu verdanken. Noch in diesem Monat soll der Caddy geliefert werden. Der Weg war lang und steinig. Begonnen hat er im vergangenen Frühjahr. „Unser alter Sintra ist mehr als zehn Jahre alt. Die Reparaturen wuchsen uns über den Kopf", erklärt Enrico Barthel. Doch an Ersatz war nicht zu denken: „Wir bekommen beide Hartz IV. Durch die Behinderung unseres Sohnes ist eine geregelte Arbeit gar nicht möglich.“ Seine Frau war früher Hebamme, er Tischler.

„Während meiner Schwangerschaft mit Helene habe ich Kathrin Dix vom Deutschen Roten Kreuz kennen gelernt“, erzählt Susanne Barthel. Sie half mit Babykleidung und gab ihr den Tipp, sich wegen eines fahrbaren Untersatzes an Stiftungen zu wenden. 2800 gibt es in Deutschland, in Sachsen über 300. „Als Erstes habe ich im März die Stiftung Sächsische Behindertenselbsthilfe Otto Perl angeschrieben", erinnert sich die 36-Jährige. Der Freistaat unterstützt diese jährlich mit rund drei Millionen Euro. Als Sozialministerin Christine Clauß (CDU) im Mai im Kinderhospiz Bärenherz die Barthels traf, machte sie dem Paar Hoffnung. Indes wenige Tage später lag die Ablehnung im Briefkasten. „Begründet mit zu hohen Eigenmitteln", sagt Enrico Barthel und schüttelt den Kopf: „Wir haben nur Einkünfte aus Arbeitslosengeld II, Kinder-, Eltern- und Pflegegeld. Das brauchen wir auch, da bleibt nichts übrig.“ Zudem befände sich die Familie nicht in einer Notlage. Doch ohne behindertengerechtes Auto würde der Alltag mit zahllosen Therapie- und Arztterminen zur Tortur.

Dranbleiben sagte sich Susanne Barthel, setzte sich Abend für Abend an den Computer und arbeitete eine Liste mit 40 Stiftungen ab. Und hatte Erfolg: „Am 19. Juni meldete sich die Fred und Carla Lottberg Stiftung und versprach uns 4500 Euro.“ Mitte Juli setzte sich die Glückssträhne fort. Drei Stiftungen kündigten zusammen 8000 Euro an. Viel Geld und trotzdem zu wenig. Wieder ließ Susanne Barthel nicht locker. Anfang September schickte sie wieder 20 Briefe raus. Immer mit einem Sozialbericht, der den Adressaten Einblick in die Situation der Barthels gewährte. „Die Reaktionen waren unterschiedlich. Manche haben telefonisch abgesagt, manche haben sich gar nicht gemeldet, von anderen erhielten wir diskriminierende oder dubiose Antworten“, so Barthel. Zwischenzeitlich musste sie sich um die Verlängerung zugesagter Gelder kümmern, für deren Inanspruchnahme ein Zeitfenster vorgesehen war.

In der Adventszeit ging die nächste Zusage ein, diesmal 3000 Euro von der Heinrich Busch Stiftung, und dann, zwei Tage vor dem Fest, ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk – 5000 Euro von der Andreas Gärtner Stiftung. Für den 42-jährigen Enrico Barthel das Signal: „Jetzt konnte ich endlich mit dem VW-Autohaus in der Torgauer Straße ernsthaft ins Gespräch kommen.“ Vor gut sechs Wochen gab es noch eine Zugabe, die letzten 500 Euro von der Inge und Johann Heinrich Berger-Langfeldt Stiftung machten den Sack zu.

„Wir sind unendlich dankbar für die Hilfe“, betonen Barthels und sie möchten andere Betroffene ermutigen. Dass ihnen bisweilen von Außenstehenden unterstellt wird, den Sozialstaat auszunutzen, macht beide betroffen: „Wenn Maximilian gesund zur Welt gekommen wäre, hätten wir Arbeit und bräuchten keine Unterstützung.“

Ulrike Witt

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