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Feuer, Wasser, Dreck, Strom: 2000 Läufer schinden sich am Markkleeberger See

Feuer, Wasser, Dreck, Strom: 2000 Läufer schinden sich am Markkleeberger See

Bard King dürfte am Sonnabend die weiteste Anreise hinter sich gehabt habe. Der US-Amerikaner war aber bei weitem nicht der exotischste Teilnehmer des Lauf-Spektakels am Markkleeberger See.

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Da kommt Freude auf: Extreme Hindernisse für eine extreme Lauferfahrung haben die Sportfreunde Neuseenland aufgebaut: Ein Konzept, das schon zum 5. Mal aufging.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Unter den gut 2000 Teilnehmern fanden sich Schlips- und Schlafanzugträger, die Teamnamen waren wieder so aussagekräftig wie der extreme Sport: Die Dreckskerle gab es genauso wie die kranken Schwestern, Schweißkraft und die Wadenbeißer. Die "Interessengemeinschaft Matsch" kam dem Thema schon nahe, das Team "Schmutzig ist und bleibt relativ" traf es dann. "Lauf extrem und unbequem" hieß auch das Motto des Cross de Luxe.

Gepiesackt wurde mit 23 Hindernisse auf 8000 Metern, die mit Feuer, Wasser, Strom und viel Dreck zu tun hatten. Er wolle vor allem Spaß haben, meinte denn auch Mattes von der Feuerwehr Schönefeld bei Dresden, der mit Anzughose und Irokesen-Helm teilnahm. Eine sechsköpfige Truppe von Bundeswehr-Mechanikern war gar aus Rostock angereist, ähnlich weit hatten es der Kameraden der Feuerwehr Freilassing (Bayern).

"Lasst es einfach laufen", riet Henrik Wahlstadt vom Verein der Sportfreunde Neuseenland den Gästen am Start. Er bat um Vorsicht an den hohen Containern, Solidarität mit anderen Läufern. Moderator Roman Knoblauch legte allen das Markkleeberger Horn ans Herz, von wo es hinab ging in sein Lieblingsloch. "Genießt die Ausblicke", riet er allen.

Es waren wohl eher Einblicke in den inneren Schweinehund, den die Teilnehmer von der gut präparierten, knöcheltiefen Strecke kreuz und quer durch die Wildnis am See entlang und die Treppe hoch nach Auenhain und wieder zurück durch den Dreck mit nach Hause nahmen. "Der Schmerz geht, der Stolz bleibt", ermunterte Knoblauch denn auch die Läufer immer wieder. Am Ende siegte Jens Oswald vom Laufverein Oberholz über acht Kilometer in gut 43 Minuten, Vincent Hyoer in 1,22 Stunden über 16 Kilometer. Schnellste Frau über acht Kilometer war Caroline Pohle in 54 Minuten, über 16 Km Linn Handel in 1,53 Stunden. Außer ein paar Blessuren habe es keine Verletzungen gegeben, meinte gestern Wahlstadt erleichtert.

 

 

Irgendwas an dieser Schinderei mnacht höllisch Spaß

Von Ariane Dreisbach

Markkleeberg. Ich stehe bis zu den Waden im eiskalten Wasser, die Turnschuhe sind durchtränkt, und eigentlich ist jetzt der Moment, um wieder umzudrehen und sich ein Handtuch zu schnappen. Aber das ist erst der Anfang, es gibt kein Zurück: Ich stürze mich also weiter in das blaue Wasser des Markkleeberger Sees und bald reicht es mir bis zum Hals - die erste Station des Cross de Luxe Laufs heißt nicht umsonst "Vollwaschgang".

"Jetzt weiß ich, wie es denen auf der Titanic gegangen sein muss", sagt mein Teamkollege, während wir das unfreiwillige Bad nehmen. Wo bitte ist das Brett, an dem Kate Winslet sich festgeklammert hat? My heart will go on, singt Celine Dion in meinem Kopf, als sich mein Schlabber-T-Shirt voll Wasser saugt und die Turnschuhe zu Bleiklötzen werden. Die alten Lauftights, die mein Vater mir überlassen hat, geben auch nur wenig Auftrieb. Ein Blick nach rechts beruhigt mich dann aber doch: Da fährt das Boot der Wasserrettung, also doch alles kontrolliertes Wildlife hier.

Schon vor der Anmeldung hatte sich unser Team aus sechs Leuten #HOPEWEFINISH genannt - nach einem Sommer ohne Sport sind acht Kilometer mit Hindernissen ein echtes Wagnis, und nicht jeder macht schließlich jedes Wochenende irgendwo einen Halbmarathon.

"Wieso bezahlen wir dafür eigentlich Geld?", schnauft eine Frau zwei Stationen weiter neben mir, als wir uns - an der Sorte dicker Seile, wie man sie im Sportunterricht immer gehasst hat - das "Markkleeberger Horn" hochziehen, einen steilen, schlammigen Berg, den wir auf der anderen Seite auf dem Po hinunterrutschen müssen. Gute Frage. Wollen wir die wilde Natur erleben, von der wir postindustriellen Stadt- und Fernsehkinder früher nicht genug abbekommen haben? Uns endlich mal mit Muskeln statt mit Grips beweisen?

Aber irgendwas an dieser Quälerei macht höllisch Spaß. Selbst noch, als ich bäuchlings in knöchelhohem Schlamm liege und unter weißen Seilen hindurchrobbe, an denen "Achtung, Strom" steht. Dürfen die das überhaupt, den Leuten einen Stromschlag verpassen? Egal, weiter, jetzt auch noch die beiden Mädels da vorn in ihren atmungsaktiven Super-shirts überholen, die gerade überlegen, ob sie am verkaufsoffenen Sonntag morgen shoppen gehen sollen. Weiter, nur weiter, durch Autoreifen und in schwindelerregenden Höhen über Netze, die ganz schön große Maschen haben.

Während wir an einem Hindernis warten müssen und durchschnaufen dürfen, denke ich an die Leute, die sich sicher schon Sorgen um mich machen. Ich bin doch jetzt schon gefühlte Ewigkeiten in dieser beinharten Markkleeberger Natur unterwegs. Als ich dann doch noch zum Auto zurückkomme, habe ich drei verpasste Anrufe und zig Nachrichten, bin aber bis auf ein paar blaue Flecken unversehrt und sowas von zufrieden. Fehlt nur noch ein kaltes Bier.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.09.2014

Jörg ter Vehn

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