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Freie Mittelschule bietet Donnerstag Diskussionsstoff in Zwenkau

Freie Mittelschule bietet Donnerstag Diskussionsstoff in Zwenkau

Der Zwenkauer Stadtrat soll am Donnerstag über die Gründung einer Freien Mittelschule entscheiden. Ein entsprechender Antrag der CDU-Fraktion liegt vor, die Zustimmung indes ist unsicher.

Zwenkau. Beim potenziellen Träger, der Deutschen Privaten Finanzakademie (DPFA), scheinen die Vorbereitungen bereits weit gediehen: Am 9. August könnte eine fünfte Klasse beginnen.

Vor genau einem Jahr wurde bekannt, dass die DPFA-Tochter Akademie für Bauwesen, Technik und Wirtschaft gGmbH neben dem Freien Gymnasium auch eine Freie Mittelschule in Zwenkau betreiben will. Das Schuljahr 2010/11 wurde als angestrebter Starttermin vom Träger und der Stadt genannt. Und die Signale stehen auf Grün – vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrates.

„Es stimmt, wir haben die Genehmigung der Sächsischen Bildungsagentur seit April vorliegen“, erklärte Schulleiter Niels Schulz am Dienstag. Wann die Freie Mittelschule eröffnet werden soll, dazu wollte er eigentlich nichts sagen: „Wir müssen erst einmal Schüler akquirieren.“ Einen Start zum neuen Schuljahr könne er aber auch nicht vollkommen ausschließen, legte Schulz nach. Bereits seit vergangenem Sommer gebe es Kontakt zu interessierten Eltern. „Wir sind flexibel und haben ausreichend Erfahrung. Sofern die Rahmenbedingungen stimmen, lassen wir uns gern auf ein nachhaltiges Projekt mit Erfolgsaussicht ein“, betonte Schulz. Als Messlatte setzt er das Freie Gymnasium an, das vier Jahre nach seiner Gründung mitten im staatlichen Anerkennungsverfahren steckt.

Mit Rahmenbedingungen meint Niels Schulz nicht zuletzt bauliche. Wie berichtet, plant die Stadt eine Erweiterung des Schulzentrums in der Pestalozzistraße. Direkt neben dem Freien Gymnasium soll ein Anbau mit acht Klassenzimmern und Fachkabinetten entstehen. Im aktuellen Finanzplan der Stadt wurde für die Eigenmittel eine Kreditaufnahme in Höhe von rund 1,18 Millionen Euro von 2010 bis 2012 vorgesehen. In der Summe enthalten der Ersatzneubau eines Schulspeisesaals und einer Einfeld-Turnhalle. Allerdings wurde ein erster Antrag auf Fördermittel abgelehnt.

Bürgermeister Holger Schulz (CDU) hält sich in Sachen Freie Mittelschule seit Monaten bedeckt. Einzig beim Neujahrsempfang hatte der Rathauschef öffentlich verkündet: „Wenn wir keine staatliche Mittelschule bekommen, dann nehmen wir eben eine freie.“ Denn die Stadt soll mit dem neuen Ortsteil Seebad Zwenkau wachsen. 10 000 Einwohner und mehr sind das Ziel. Viele junge Familien mit schulpflichtigen Kindern werden erwartet. Eine Mittelschule wäre ein gutes Ansiedlungsargument.

Im Stadtrat dürfte das Thema am Abend für heftige Diskussionen sorgen. „Wir hatten uns eigentlich darauf verständigt, dass wir eine staatliche Mittelschule anstreben“, so Heike Oehlert von den Freien Wählern. Der Antrag der CDU komme ihr jetzt zu schnell: „Wie soll denn ordentlicher Unterricht gewährleistet werden, wenn die räumlichen Voraussetzungen nicht da sind? Außerdem geraten wir bei einem Ja in Zugzwang, müssen bauen ohne die finanziellen Risiken abschätzen zu können.“ Kurz vor der Ratssitzung will sich ihre Fraktion noch einmal verständigen. Der einzige Liberale im Stadtrat, Heiko Metzlaff, hofft auf eine andere Lösung: „Eine Mittelschule ist für Zwenkau auf staatlicher Ebene derzeit nicht zu bekommen. Die einzige Alternative, die ich noch zur Freien Mittelschule sehe, ist ein Zweckverband – zum Beispiel mit Böhlen.“ Ein Modell, das in Markranstädt funktioniert. Das dortige Gymnasium entging der Schließung nur durch die Kooperation mit Schkeuditz. Vorteil für Zwenkau und Böhlen: Beide Kommunen bilden seit 2007 einen Städtebund. Bislang – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – vor allem formal. Unterstützung findet Metzlaff bei den Freien Wählern.

Harald Redepenning von der SPD meint: „Der Vorstoß der CDU ist schon überraschend, und wir dürfen auf keinen Fall heute einen Status quo schaffen, der uns keinen Spielraum lässt. Fest steht aber auch, dass wir eine breit aufgestellte Schullandschaft brauchen, im Zweifelsfall mit einer Freien Mittelschule.“ Schließlich wisse er als Kreisrat, dass die Chancen für eine staatliche bei der knappen Finanzdecke im Freistaat denkbar schlecht stehen. Volkmar Bischof, CDU-Fraktionsvorsitzender und damit Antragsteller, bestätigt das: „Wir haben bei der Sächsischen Bildungsagentur in Leipzig vorgesprochen, waren in Dresden im Kultusministerium. Wenn wir Kindern in Zwenkau wieder ein durchgängiges Bildungsangebot unterbreiten wollen, bleibt uns nur eine Freie Mittelschule. Deshalb möchten wir unseren Bürgermeister bevollmächtigen, mit der DPFA Gespräche zu führen.“

Ulrike Witt

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