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Freie Vogtländer treffen sich in Auenhain

Freie Vogtländer treffen sich in Auenhain

„Die Welt bereisen, anders denken, leben lernen, zünftig sein“ – das ist das Motto der Freien Vogtländer. Die reisenden Gesellen, die sich als geschlossene Gesellschaft mit eigenen Regeln und Gesetzen verstehen, treffen sich am Wochenende im „Neuseenland Stübl“ in Auenhain zu ihrem 38. Kongress.

Markkleeberg. Bis zu 300 Handwerker werden am Markkleeberger See erwartet.

„Unsere Kongresse finden alle fünf Jahre statt. Den letzten im Raum Leipzig gab es vor 20 Jahren, den letzten in Sachsen vor zehn Jahren in Dresden“, erzählt Armin Oerter. Der gebürtige Leipziger war von 1999 bis 2002 als Zimmergeselle „auf fast allen Kontinenten“ unterwegs. Wie alle „Spinner“, so nennen sich die Freien Vogtländer nach ihrem Wappentier, ist er mit fünf Mark los marschiert und mit fünf Euro wiedergekommen. Drei Jahre und vier Monate hat Oerter seine Heimat aufgrund des 50-Kilometer-Bannkreises nicht gesehen. Dafür ist er seiner „Bude“ Leipzig, die 2012 ihr 90-jähriges Bestehen feiert, als einheimischer „Buchgeselle“ um so treuer. Auch wenn die mit dem inzwischen geschlossenen „Weißen Stern“ in der Koburger Straße in Markkleeberg in althergebrachter Form „leider“ nicht mehr existent sei.

Aber Oerter kann so einiges aus der Geschichte der Freien Vogtländer erzählen. „Gegründet wurde die Gesellenzunft 1910 aus einem Geheimbündnis reisender Bauhandwerker. Unser Erkennungszeichen ist bis heute die goldene Ehrbarkeit – eine Handwerksnadel im eingeschlagenen Hemdkragen, dazu zwei Perlmuttknöpfe am Revers und drei an jedem Hosenschlag“, erklärt Oerter. Die Ehrbarkeit werde nur an ausgelernte Maurer, Steinmetze, Dachdecker, Fliesenleger, Betonbauer, Zimmerer, Schreiner und Tischler vergeben, die ledig, kinderlos und schuldenfrei sind und sich bewährt haben. „Dazu gehört, dass die Männer einen Gesellenbrief vorweisen können und Gewerkschaftsmitglied sind“, sagt Oerter, „dann können sie für mindestens drei Jahre und einen Tag auf Wanderschaft gehen.“ Während dieser Zeit sollen sich die Männer handwerklich und geistig weiterbilden, weltoffen sein und Traditionen hochhalten.

„Unsere Buden sind auf der ganzen Welt verteilt, die meisten aber im deutschsprachigen Raum zu finden“, erzählt Oerter. Dass Handwerker auf Reisen gehen, ist für ihn nichts Gestriges. „Im Gegenteil. Wir leben doch in einer globalisierten Welt“, betont der Zimmermann, der heute in einer anderen Branche seine Brötchen verdient. Indes, die Gleichberechtigung ist bei den Freien Vogtländern noch nicht eingezogen. „Bei uns reisen keine Frauen, dafür gibt es andere Gesellschaften“, sagt Oerter.

Und so werden am Freitag ausschließlich Männer auf dem Campingplatz rund ums „Neuseenland Stübl“ ihre Zelte aufschlagen. Am Abend wird es hinter verschlossenen Türen einen Zunftabend geben. Und auch am Samstag haben Neugierige keinen Zutritt. „Zumindest nicht zwischen 9 und 18 Uhr. Danach sind wir für Gespräche offen“, verrät Oerter.

Ulrike Witt

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