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Friedhof Gaschwitz: Pfarrerin sieht Stadt in der Pflicht

Friedhof Gaschwitz: Pfarrerin sieht Stadt in der Pflicht

Mit der Information, den Gaschwitzer Friedhof zum 1. September aus wirtschaftlichen Gründen schließen zu wollen, hatte die evangelische Kirchgemeinde Großstädteln/Großdeuben im August für Aufregung gesorgt (die LVZ berichtete).

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Noch fehlt ein Tor: Künftig sollen Besucher den verbleibenden Teil des Friedhofes über den bereits gepflasterten Zugang im Hans-Steche-Weg erreichen.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Jetzt fand ein erstes Gespräch mit dem Markkleeberger Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD), Pfarrerin Kathrin Bickhardt-Schulz und Vertretern des Regionalkirchenamtes im Rathaus statt.

"Ich denke, wir haben einen Lösungsweg gefunden. Bis Ende des Jahres werden wir gemeinsam ein Konzept zum Erhalt erarbeiten", sagt Schütze. In dessen Rahmen seien drei Punkte zu klären: der Investitionsbedarf, der Belegungsplan und die Pflege. Als erstes habe man sich darauf verständigt, die vom Kirchenvorstand verkündete Schließung in eine Teilschließung umzuwandeln, so Schütze. Erdbestattungen und Urnenbeisetzungen sollen demnach künftig nur noch im südwestlichen Teil stattfinden. Dieser wird durch den Hans-Steche-Weg begrenzt, wo vor zwei Jahren im Zuge der Straßensanierung ein noch zu öffnender Zugang vom Parkplatz angelegt wurde. Der nordwestliche Teil, mit den zu sanierenden Kriegsgräbern, könnte wiederum von der Stadt betrieben werden. Offen sei indes die Zukunft der Kapelle.

"Was die Pflege angeht, müssen wir sehen, wer welchen Part übernehmen kann", sagt Schütze. So sei zu prüfen, ob die Arbeiten wie bisher von Dienstleistern erbracht werden können oder gar von der Stadt Markkleeberg und welche Kosten auf das Rathaus damit zukommen. Für dieses Jahr müsse die Kirchgemeinde so schnell wie möglich noch einen Antrag stellen, um sich den seit Jahren gezahlten Zuschuss in Höhe von 2500 Euro zu sichern.

"Wir brauchen deutlich mehr als diese Summe", beharrt Pfarrerin Bickhardt-Schulz. Sie macht aus ihrer Skepsis keinen Hehl. "Natürlich bin ich auch dafür, den Friedhof zu erhalten. Ich kann die Gaschwitzer und Großstädtelner verstehen, aber ich sehe nicht, dass der Friedhof Zukunft hat. Fünf Bestattungen pro Jahr sind einfach zu wenig für einen wirtschaftlichen Betrieb." Die Friedhofskultur habe sich verändert und die Kirchgemeinde biete gegenüber dem kommunalen Friedhof ein sehr beschränktes Angebot. "Die meisten wollen heute nun mal günstige Urnengemeinschaftsanlagen und die haben wir nicht."

Im Grunde stehe sie deshalb weiter zu den Schließungsplänen. "Der politische Wille mag zwar da sein, aber wenn es ans Geld geht, sieht es immer anders aus", sagt Bickhardt-Schulz bitter und fügt hinzu: "Ich bin schon seit Jahren mit dem Rathaus im Gespräch. Es ist nicht so, dass wir uns nicht gekümmert haben und die Schließungspläne wie der Blitz aus heiterem Himmel gekommen sind. Wenn die Stadt den Friedhof erhalten will, muss sie uns was anbieten - eine sichere vertragliche Regelung." Sie fände es am besten, wenn die Stadt den Friedhof komplett betreut, Träger könne ja die Kirchgemeinde bleiben.

Nichtsdestotrotz soll in der Kirchenvorstandssitzung am 17. September die Aussetzung der Schließung bis zur Vorstellung des Konzeptes von Stadt und Kirchgemeinde beschlossen werden. Auf dieser Basis seien dann bis auf weiteres Erdbestattungen und Urnenbeisetzungen möglich, so Bickhardt-Schulz. Einschränkungen für Familien, die zu den Gräbern ihrer Angehörigen wollten, gebe es ohnehin nicht.

Ortschaftsratsvorsitzender Günter Schwarze, der die Empörung vieler Bürger teilt, hofft inständig, dass beide Seite am Ende wirklich einig werden. "Die Gaschwitzer haben vor Jahren schon die Schule verloren, vor ein paar Monaten die Sparkasse, jetzt bitte nicht auch noch den Friedhof." Das nächste Gespräch im Rathaus ist laut Schütze für Anfang November geplant.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.09.2014
Ulrike Witt

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