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Markkleeberg Fünf Männer und ihre Simsonroller – einfach unverwüstlich
Region Markkleeberg Fünf Männer und ihre Simsonroller – einfach unverwüstlich
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07:00 17.05.2017
Startklar: Die Oldtimerfreunde Jens Langhans, Steffen Sytar, Frank Güssefeld, René Wiesner und Jens Müller (v.l.) wollen ans Matterhorn. Quelle: Andre Kempner
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Markranstädt

Fünf Freunde, fünf Oldtimer und ein großes Ziel: Von Leipzig ans Matterhorn. Hin und zurück. 2000 Kilometer in neun Tagen. Mit dem Auto kein Problem. Aber mit Simsonrollern (SR 2) der Baujahre um 1960. Ist das zu schaffen? „Klar“, sagen die Männer: Schließlich wartet gleich nach dem ungewöhnlichen Ausflug schon wieder die Arbeit auf sie. Und außerdem: Bricht das Mopedfieber erst mal aus, ist kein Weg zu schwer.

Geweckt wurde die Leidenschaft bei den fünf schon vor Jahrzehnten. Jens Langhans aus Großlehna wurde von seinem Opa mit dem Mopedvirus angesteckt: „Seine Werkstatt war von all den ,Schwalben’, ,Spatzen’ und ,Sperbern’ ganz blau“, erinnert sich der 49-Jährige. Zündfunke für die Tour aber war eine spannende Geschichte aus dem Sportbuchverlag der DDR: „Mein Zelt stand am Matterhorn“.

„Ich war 15 und konnte von dem Buch nicht genug bekommen“, erzählt Jens. „Hieß es abends, ,Licht aus!’, las ich mit der Taschenlampe weiter. Gepackt von den Abenteuern zweier Bergsteiger, die mit ihren SR 1 – einem Vorgängermodell des Simsonrollers SR 2 – unterwegs waren.“ Die Suhler Maschinchen erregten Aufsehen in der Alpenrepublik: „Damit in die Berge? Über die Pässe? Schon bald glühten die Motoren. Die Mopeds blieben stehen. An dem heißen Motorblock war die Isolierung des Zündkabels zerschmolzen. Die Rettung: Ein Notverband aus Leukoplast und einem hitzebeständigen Glimmersteinchen zwischen Kabel und Gehäuse.“

Weiter geht’s und der Junge aus Großlehna fiebert beim Lesen mit: „Immer höhere Berge kommen zum Vorschein.“ Den letzten Abschnitt zum Matterhorn dürfen die Zweiradfahrer nur per Bahn bewältigen. Endlich ist es soweit: Der Zug kommt aus dem Tunnel und „eine weiße Flamme lodert in den südlich-blauen Himmel. So steil, so spitz, so imponierend“. „Ein Bild, das sich in meine Erinnerung eingebrannt hat“, sagt Jens. Das Matterhorn – ein Sehnsuchtsort. Die Zweiräder-Tour Anfang der 80er-Jahre aber schwer machbar. Doch der Traum, sie einmal nachzufahren, bleibt.

Jetzt, 35 Jahre später, soll der Traum wahr werden: „Von Leipzig ans Matterhorn und zurück“. Fünf Oldtimerfreunde finden sich. Allesamt arbeiten sie im Kfz-Bereich. Alle schrauben und tüfteln auch in ihrer Freizeit gern. Da ist Frank Güssefeld (55). Der Plaußiger nahm schon als Jugendlicher eine SR 2 auseinander. Bei der Montage blieb eine Feder übrig. Wo gehört die hin? Keiner wusste es. Frank fuhr ohne die Feder. „Es funktionierte. Das Geile ist, wenn der Motor läuft.“ Heute gehören neben SR 1 und SR 2 auch „Schwalben“ zu seiner Sammlung.

Groß ist die Moped-Leidenschaft auch bei Steffen Sytar (55) aus Großzschocher. Auf einem Oldtimer-Markt entdeckte er eine Kiste: „Nur 1,50 Meter mal 60 Zentimeter groß. Ihr Inhalt: Ein kompletter SR 2. Zerlegt in unzählige Einzelteile. Alles drin, wurde mir versichert.“ Was für eine spannende Aufgabe alles wieder aufzubauen! Am Ende fehlte nur die Luftpumpe „Die habe ich für 30 Euro nachgekauft.“

Als Elfjähriger wurde René Wiesner (40) zum Technik-Fan. „Ich bekam ein Go-Kart geschenkt.“ Heute schlägt sein Herz auch für einen EMW aus den Eisenacher Motorenwerken: Der Oldtimer werde „geputzt und gestreichelt wie eine Geliebte“ zwinkert der Markranstädter. Seine Großlehnaer Werkstatt ist auch für Jens Müller (41) zum zweiten Zuhause geworden: Über 20 verschiedene Jawa-Motorräder lassen sich dort bewundern.

Gemeinsame Ausfahrten führten die Simson-Freunde bisher vor allem zu den internationalen SR 1- und SR 2 -Treffen ins vogtländische Kürbitz. Nun ruft der Berg. Natürlich haben sich die Fünf akribisch vorbereitet: „Jedes Moped wurde komplett auseinander genommen; jede Schraube haben wir einzeln in der Hand gehabt. Zylinder, Kupplung, Vergaser, Radlager und andere Ersatzteile nehmen wir trotzdem mit.“ Ein Ersatzmotor liege schon in der Schweiz bereit.

Start ist am Samstag. Jeden Tag wollen die Biker 250 Kilometer schaffen. Das Zweitakt-Gemisch für den Motor stellen sie selbst zusammen. Gefahren wird auf Nebenstraßen. Ein Fahrrad-Navi hilft, immer auf dem richtigen Weg zu bleiben. „Wir kommen hin und wenn wir die Roller schieben“, so das Team unisono. Doch was soll mit den Kult-Zweirädern schon schiefgehen. Schon das laute Knattern beim Anfahren sorge für einen Adrenalinschub. Außerdem steht doch schon auf den Shirts der Matterhorn-Fahrer: „SR 2 – einfach unverwüstlich“.

Von Ingrid Hildebrandt

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