Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° Regen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Funkmast ist jetzt Fall für Justitia

Funkmast ist jetzt Fall für Justitia

"Kein Sendemast im Wohngebiet", "Baustopp jetzt" - das forderten die rund 150 Markkleeberger, die am Samstagnachmittag in der Koburger Straße gegen den Bau eines Funkmastes im Pappelwald protestierten.

Voriger Artikel
Widerstand gegen Funkmast formiert sich
Nächster Artikel
Treffpunkt Agra-Park

Samstagnachmittag am Pappelwald in Markkleeberg: Bürger protestieren gegen den Bau einer Funkmastanlage durch Telefonica O 2.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Darunter waren viele Anwohner, aber auch Stadträte von SPD und CDU. Von der Stadtverwaltung ließ sich niemand sehen.

"Den Bau über den Kopf der Bürger heimlich, still und leise durchziehen zu wollen, ist eine Unverfrorenheit", schimpft Isolde Richter. Sie hat sich gerade in die Unterschriftenlisten der Funkmastgegner eingetragen. Das hat Karsten Steinich, der ebenfalls auf dem Eulenberg wohnt, auch vor. "Das Projekt ist absolut überflüssig, es gibt genug Funkmasten in Markkleeberg", sagt der junge Mann. Ein paar Meter weiter wird bei Kaffee und Keksen über Alternativstandorte diskutiert. Das Gewerbegebiet Großstädteln halten viele für ideal. "Dort gibt es einen Schornstein, an dem sind schon einige Antennen dran", sagt ein Mann.

Anwohner Marcus Schaebs, der den Widerstand hauptsächlich organisiert, ist mit der Resonanz zufrieden: "Je breiter wir aufgestellt sind, um so besser." Schaebs ist zum gefragten Ansprechpartner geworden, umringt von Neugierigen, erklärt er den aktuellen Stand. Mit einem Nachbarn klage er jetzt gegen den Landkreis Leipzig als Baugenehmigungsbehörde, sie fechten die am 27. September erteilte Baugenehmigung an. Einen ersten Widerspruch hatte der Kreis am Mittwoch abgelehnt (die LVZ berichtete). Seither ist einiges passiert.

"Wir haben inzwischen erreicht, dass wir als Anwohner anerkannt und angehört werden", sagt Schaebs. Am Donnerstag habe sein Anwalt Reiner Brumme deshalb erneut Widerspruch eingelegt. Aber auch dieser sei am Freitagmorgen umgehend abgelehnt worden. Brumme beantragte daraufhin beim Verwaltungsgericht Eilrechtsschutz, sprich Baustopp. "Die Baumaßnahme ist so weit fortgeschritten, dass mit dem Einbringen von Bewehrungsstählen für das Betonfundament begonnen wurde." Es sei damit zu rechnen, dass die Mobilfunkanlage binnen weniger Tage stehen werde.

Die vierte Kammer des Verwaltungsgerichts reagierte am Freitag sofort, bat Telefonica O 2 bis zur Entscheidung von "Vollziehungsmaßnahmen" abzusehen. "Es wird in den nächsten Tagen einen Vor-Ort-Termin geben, bei dem auch die Stadt dabei sein muss", frohlockt Schaebs. Auf die Stadt ist er gar nicht mehr gut zu sprechen, auch wenn die das Projekt in drei Stellungnahmen abgelehnt hatte. "Die haben uns verraten, allein aus finanziellen Gründen keinen Widerspruch eingelegt", meint Schaebs. Da am Samstag kein Vertreter der Stadt vor Ort ist, bleibt der Vorwurf erst mal im Raum stehen.

CDU-Landtagsabgeordneter und Stadtrat Oliver Fritzsche stößt ins gleiche Horn: "Unsere Fraktion hat von dem Projekt aus der LVZ erfahren, wir halten das Vorgehen für höchst fragwürdig." Weder seien die Anwohner noch die Bürgerschaft in angemessenem Umfang beteiligt, ja noch nicht einmal informiert worden. Noch sei erkennbar, dass in qualifizierter und nachvollziehbarer Weise nach Alternativstandorten gesucht worden wäre, von der Beachtung naturschutzrechtlicher und städtebaulicher Belange ganz zu schweigen. "Selbst wenn das Verfahren als rechtlich sauber zu bezeichnen wäre, was wir bezweifeln, bleibt ein sehr schaler Nachgeschmack. Ohne Information und Beteiligung im Vorfeld, kann nicht erwartet werden, dass der Bau auf Akzeptanz stößt."

Nicht minder schwer wiege, dass die Fraktion weder in einer Ratssitzung noch im Bauausschuss über das konfliktträchtige Vorhaben in Kenntnis gesetzt wurde, obwohl es der Stadt seit 2010 bekannt gewesen sei. "Wir haben eine schriftliche Anfrage an den Oberbürgermeister gerichtet, wollen wissen, warum. Wir haben eine andere Erwartung an eine offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit", so Fritzsche. Die CDU bitte die Behörden, in einem ersten Schritt einen Baustopp zu verhängen, um das Projekt einer sachgerechten Prüfung mit Beteiligung der Bürger unterziehen zu können.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.02.2014
Ulrike Witt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Markkleeberg
Markkleeberg in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 31,36 km²

Einwohner: 24.240 Einwohner (Dezember 2015)

Bevölkerungsdichte: 773 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04416

Ortsvorwahlen: 034297, 034299, 0341

Stadtverwaltung: Rathausplatz 1, 04416 Markkleeberg

Ein Spaziergang durch die Region Markkleeberg
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr