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Gerangel um Tieferlegung der Pleiße wegen seltener Grüner Keiljungfer

Gerangel um Tieferlegung der Pleiße wegen seltener Grüner Keiljungfer

Markkleeberg/Leipzig. Ophiogomphus cecilia, die Grüne Keiljungfer, hat das Zeug, Behördenmitarbeitern schlaflose Nächte zu bereiten.

Die streng geschützte Libelle, beim Freistaat als FFH-Art 1037 geführt, droht nun die Baggerarbeiten zur Sohlebegradigung auf der Pleiße zwischen Markkleeberg und Leipzig zu torpedieren.

Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) hatte das Insekt wegen seiner Bedeutung noch im April zum Leipziger Auwaldtier des Jahres gekürt. Im Herbst wandte sich darauf der Umweltbund Ökolöwe an die Landesdirektion und wies auf die streng geschützte Art hin, die entlang der Pleißewiesen zwischen Markkleeberg und Leipzig vorkomme, beim Begradigen der Flusssohle schweren Schaden nehme. Denn deren Eier würden gerade in den lockeren Sanden und Kiesen liegen, die nun entfernt werden sollten.

Ein Baustopp hing in der Luft. Was folgte waren Stellungnahmen, Expertisen, Telefonate und E-Mails zwischen den Ämtern sowie Verunsicherung und unruhige Nächte bei Beteiligten wegen der Grünen Keiljungfer. Für das Glätten und Tieferlegen der Pleiße mit dem Fernziel der besseren Schiffbarkeit lag den Bauherren des Kommunalen Forums Südraum Leipzig eigentlich eine Genehmigung vor. Im Herbst 2009 war dazu die Planfeststellung ergangen, nach einem Jahr der Stellungnahmen aller Betroffenen wie auch der Umweltverbände und der Prüfung aller Einwände durch die Landesdirektion. Aber der Vollzug der Planfeststellungsgenehmigung kann aus wichtigen Gründen ausgesetzt werden. So wurden nach der Genehmigung die Regeln zum Artenschutz in Sachsen nochmal verschärft, wäre die Grüne Keiljungfer bestimmt zum Zuge gekommen.

Beim Kommunalen Forum tickte die Uhr. Denn wenn diese Woche bis Mittwoch 23.59 Uhr nicht mit dem Bau begonnen worden wäre, hätte die Baugenehmigung, die genau fünf Jahre gilt, keinen Bestand mehr gehabt, erzählt Geschäftsführerin Steffi Raatzsch. Aber all ihr Bitten an die Landesbehörde, nach umfangreichen Stellungnahmen ihrer ökologischen Baubegleitung als auch aus dem Umweltamt der Stadt Leipzig auf eine Entscheidung und ein OK in der Sache, hätten zu keiner belastbaren Aussage geführt.

Als die Uhr ablief, habe darauf der Vorstand des Kommunalen Forums entschieden, mit dem Bau zu beginnen, erzählt Raatzsch. Schließlich sei ihr seitens der Ämter auch angedeutet worden, dass sonst ihr Verband die Fördermittel für die Planung der Maßnahme zurückzahlen müsse. Das seien bei dem Vorhaben mit seinen intensiven Voruntersuchungen und Prüfungen rund eine halbe Million Euro, erklärt Raatzsch.

Die Landesdirektion, bis in die Behördenspitze mit dem Vorhaben befasst, versuchte gestern, das Thema klein zu spielen. Der Vorhabensträger sei darauf hingewiesen worden, bei der Umsetzung die "potenzielle Betroffenheit besonders geschützter, im Einzelnen konkret benannter Arten zu beachten", hieß es. Wie das gehen soll, stand da nicht.

Ophiogomphus cecilia merkt womöglich von dem ganzen Streit nichts. Aktuell fischt der Schwimmbagger im ersten von drei Bauabschnitten vor allem Bauschutt und Unrat von der Flusssohle. Anschließend werde das Flussbett etwas tiefer gelegt und neu gestaltet, betont Raatzsch. "Mit Kies und Sand."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.12.2014
Jörg ter Vehn

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