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Markkleeberg Gespräche über abgestorbenen Wald
Region Markkleeberg Gespräche über abgestorbenen Wald
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08:00 28.10.2017
Rund 60 Hektar Wald in der Neuen Harth sind beschädigt oder tot. Quelle: Jörg ter Vehn
Markkleeberg

Rund 60 Hektar Wald in der Neuen Harth ist geschädigt oder sogar unrettbar verloren und tot. Grund sind Wasserlinsen, die in dem verkippten ehemaligen Tagebau nach den Aufforstungen vor 30 Jahren im Boden entstanden. Der Forstbezirk Leipzig als Besitzer der meisten Flächen drängt auf Entschädigung und Ersatz.

Die alte Harth war vor der Abholzung durch den Tagebau einer der beliebtesten Wälder der Region. Viele alte Markkleeberger schwärmen noch heute von dem stolzen Auwald. Nach der Kohle entstand vor 30 Jahren nach und nach die Neue Harth. Die aufgeforsteten Flächen entwickelten sich in vielen Bereichen auch ganz gut, findet Andreas Padberg vom Forstbezirk Leipzig. Beinahe 14-tägig führen er und seine Förster Abgesandte aus der halben Welt durch die Neue Harth, zeigen ihnen, wie aus dem Tagebau wieder Wald entstand, aber erklären auch die Grenzen einer Erstaufforstung.

Denn neben den schönen Seiten beobachten die Förster auch Probleme. Da gibt es 30-jährige Eichenbestände, die seit einigen Jahren nicht mehr wachsen, weil der aufgekippte Boden unter ihnen zu schlecht ist. Da gibt es immer wieder vernässte Flächen, die wegen der geringen Regenfälle in den letzten zwei bis drei Jahren aktuell aber trocken liegen. 3000 junge Erlen und 1000 Weiden hätten die Förster zwischen die abgesoffenen toten Großbäume gepflanzt, erzählt Padberg. Das Prinzip Hoffnung. Wo es gehe, werde nach vernünftigen Lösungen für den Wald gesucht, erklärt er.

In die dauerhaft vernässten Bereiche aber werde er kein Geld versenken. Das seien längst Biotope geworden, ein Wald sei dort nicht mehr zu begründen. Rund 40 Hektar Fläche seien das nach der letzten Bestandsaufnahme, knapp neun Hektar davon gehörten der Stadt Markkleeberg, der Rest dem Land. Dazu seien noch einige Wirtschaftswege nicht nutzbar, weil sie abgesoffen seien.

Seit dem vorigen Jahr – und dem Medienecho nach einem LVZ-Beitrag – gebe es Gespräche mit den Tagebausanierern der LMBV, so Padberg. Die seien zuständig, die Flächen wie im Abschlussbetriebsplan vereinbart als Wald herzurichten. Der Freistaat und Markkleeberg hätten die Flächen auch als Wald erworben, auch noch einiges investiert in den Umbau. Wenn daraus nun nichts werde, müsse über einen standortnahen Ersatz nachgedacht werden – und über eine Entschädigung bei dem beschädigten Wald.

Es habe immer Vernässungen in der Neuen Harth gegeben, erwidert die LMBV. Ihre Gegenmaßnahmen müssten verhältnismäßig sein. Eine oft diskutierte Aufforstung auf Ersatzflächen sei aufgrund der Größe praktisch nicht umsetzbar, es gebe dafür keine geeigneten Flächen mehr, meinen die Tagebausanierer. „Insofern steht eine mögliche Neugestaltung des Waldbereichs im Raum“, kündigen sie in einer Stellungnahme eine Änderung der bisherigen Ziele in der Neuen Harth an.

Wie die aussehen sollen, blieb offen. Das Sächsische Oberbergamt werde entscheiden, wie es weitergeht, wenn es über eine Änderung zum Abschlussbetriebsplan und den Antrag auf Beendigung der Bergaufsicht befinde, so die LMBV. Bei den vernässten Waldwegen gebe es technische Möglichkeiten: ein Höherbauen der Wege oder Trassenschwenkungen. Dies werde nun abgestimmt, 2019 sei der Bau angedacht.

Padberg kämpft um den Wald, erinnert an den Landesentwicklungsplan, in dem die Region ihren Waldanteil von 13 auf 19 Prozent mehren soll. Trotz knapper Flächen könne mit Geduld und Gesprächen Wald geschaffen werden, erklärt er. Seit 1991 seien im Forstbezirk Leipzig über 660 Hektar aufgeforstet worden.

Von Jörg ter Vehn

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