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Größter Fan der Kickers sitzt im Markkleeberger Rathaus

Fußballgeschichte(n) Größter Fan der Kickers sitzt im Markkleeberger Rathaus

Als Oberbürgermeister, SPD-Mann, langjähriger Lehrer am Rudolf-Hildebrand-Gymnasium und Radfahrer ist Karsten Schütze in Markkleeberg bekannt. Was nur wenige wissen, der 50-Jährige ist leidenschaftlicher Fußballfan. Sein Herz gehört den Kickers.

Wer hätte das gedacht: Karsten Schütze hat ein Teil seines Fußballarchivs hervorgeholt. Hinzugekommen ist dieses Jahr das Buch „Leipzig zurück in Europa“.


Markkleeberg. Als Oberbürgermeister, SPD-Mann, langjähriger Lehrer am Rudolf-Hildebrand-Gymnasium und Radfahrer ist Karsten Schütze in Markkleeberg bekannt. Was nur wenige wissen, der 50-Jährige ist leidenschaftlicher Fußballfan. Sein Herz gehört den Kickers.

„Samstag 15 Uhr ist Anstoß in der Sachsenliga: Kickers gegen Grimma. Wahrscheinlich ohne mich. Ich muss zur Klausurtagung der Wasserwerke. Die geht bis 14 Uhr. Das wird eng“, erklärt Schütze und fügt kopfschüttelnd hinzu: „Das ist mir noch nie passiert, dass ich beim Saisoneröffnungsspiel nicht dabei war.“ Die Spieltermine hat er alle im Dienstkalender gespeichert, die Dauerkarte und die Fußball-App mit den Kickers als Favorit immer griffbereit.

„Ich bin sicher nicht der typische Fußballfan, aber wenn es die Zeit hergibt, bin ich bei jedem Heimspiel im Sportpark ’Camillo Ugi’“, sagt Schütze. Die Leidenschaft hat er von seinem 2013 verstorbenen Vater Joachim mitbekommen. „Er hat mich schon als Kleinkind auf den Sportplatz an der Lauer mitgenommen“, erzählt er. Als Jugendlicher sei er dann freiwillig und gern mitgegangen, wenn die TSG Chemie Markkleeberg auflief. „Die Atmosphäre war ganz besonders, der Platz so klein, dass die Zuschauer an der Rasenkante standen und bei hitzigen Spielen auch mal mit dem Regenschirm eingriffen“, erinnert er sich.

Daheim hat Schütze, ganz Lehrer, ein Fußball-Archiv. Akribisch sind Spielberichte aus Zeitungen, Bilder und Eintrittskarten eingeklebt und mit Randnotizen versehen. „Ich war eifriger Leser der ’Fuwo’. Aber auch die Sportseiten in der LVZ und anderen, damals in und um Leipzig erscheinenden Zeitungen hab ich verschlungen“, verrät er. Markkleeberg tauchte oft auf. „Wir haben immerhin in der zweithöchsten DDR-Spielklasse mitgemischt, hatten mit Wolfgang Lischke, Wilfried Erler, Lutz Moldt, Uwe Zötzsche und Frank Rost ehemalige oder angehende Oberliga- und Nationalspieler in unseren Reihen. Und dank unseres Gönners Karl Bühler in schicken West-Trikots“, sagt Schütze strahlend.

Als LVZ-Chefreporter Guido Schäfer und Sportkollege Torsten Teichert Ende Juni im Sportpark an der Städtelner Straße ihr Buch „Leipzig zurück in Europa“ vorstellten, war zur Freude von Kickers-Präsident Roger Schöne auch der Oberbürgermeister da. Die wilden Nachwende-Storys, als aus der TSG der 1. FC Markkleeberg wurde und jener schillernde Bühler, einst feste Größe im System Schalck-Golodkowski, einen spektakulären aber regelwidrigen Deal mit dem Fensterbauer Auroflex einfädeln wollte, kennt Schütze. Auch das Ende: Statt als FC Auroflex mit Millionen vergoldet aufzusteigen, landete der FC in der Insolvenz und musste als Kickers 1994 in der Kreisklasse ganz neu anfangen.

„Die Jungs haben sich bis zur Sachsenliga hochgearbeitet, spielen seit Jahren auf solider Basis einen für Markkleeberg machbaren Fußball“, meint Schütze. Präsident Schöne freut sich über den Stammgast und hofft, dass „das Stadtoberhaupt auch in Zukunft Investitionen in die Infrastruktur des Vereins unterstützt“. Der inzwischen sanierte Sportpark war Ende der Achtziger als Tagebauersatz für den weggebaggerten Sportplatz Lauer gebaut worden.

Dass die Zuschauerzahl heute überschaubar ist, sich die Fans, darunter CDU-Stadtrat Andreas Hesse, alle persönlich kennen, bedauert er nicht. Mit Wehmut denkt Schütze dennoch an die Zeit, als Tausende an die Lauer pilgerten oder an den November 1982, als 20 000 Gäste das extra ins Stadion des Friedens nach Leipzig verlegte Spiel TSG Markkleeberg gegen Chemie Leipzig sahen.

Selbst aktiv am Ball war Schütze nur kurze Zeit. „Das muss mit zehn oder elf Jahren gewesen sein. Ich war nicht so fleißig im Training“, gesteht er. Zuschauer sein sei nicht ganz so anstrengend. Allerdings könne er auch auf der Tribüne in Fahrt kommen. „Wenn es in den letzten Minuten knapp wird, muss ich aufpassen, dass ich keinen Herzinfarkt kriege“, gesteht er lachend.

Dass RB Leipzig ein Jahr nach dem Bundesliga-Aufstieg in der Champions League spielt, begeistert ihn: „Natürlich verfolge ich die Entwicklung, freue mich über attraktiven Fußball und den Schub für die Region.“ Guter Fußball habe ihn immer interessiert. „Deswegen bin ich auch zu Lok und Chemie gegangen. Mit was ich nichts anfangen kann, sind verfeindete Lager und Randale. Das hat nichts mit Sport zu tun“, betont Schütze.

Von Ulrike Witt

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