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Große Grafik-Kunst in Großpösna zu sehen

Große Grafik-Kunst in Großpösna zu sehen

Großpösna. Sehenswert: Im Rathaus von Großpösna ist Dienstagabend eine Kabinettausstellung mit etwa 40 Grafiken von Richard Müller eröffnet worden.

Großen Anteil an der großen Kunst im Rathaus hat Kunstsammler Bodo Pientka aus Großpösna.

Müllers Grafiken sind surreal, hintersinnig, mitunter auch absurd, aber immer perfekt in der Ausführung. Marabu, Hund, Gürteltier, Ameisenbär und Kaninchen tauchen darin auf, nackte Schöne kämpfen mal mit dem Bogen gegen das Getier, empfangen mal räkelnd in der Hängematte Liebesbriefe vom tierischen Gesandten. Sexuelle Anspielungen allerorten, ebenso Symbolik - was Wunder, dass Müllers Werke heute wieder einen vorderen Platz in der Reihe deutscher Grafiker einnehmen.

Persönlichkeiten wie Manfred Krug, Richard von Weizsäcker, Armin Müller-Stahl oder Modeschöpfer Wolfgang Joop würden Müllers Werke sammeln, erzählte Bode Pientka zur Vernissage am Dienstagabend. Der Großpösnaer sammelt selber, hatte schon dem Museum der Bildenden Künste Leipzig unlängst für eine Schau Bilder von Müller zur Verfügung gestellt.

Das Weib und das Tier zöge sich als Thema durch viele Bilder, erzählte der 58-jährige Ingenieur, der bei Verbundnetz Gas in Leipzig arbeitet, wo er vor Jahren die erste, viel beachtete Schau in der Region über Müller initiierte.

Peter Krümmel vom Kuhstall-Verein als Veranstalter erinnerte in seinen Worten an den "schwierigen Fall" Müller. Der habe von 1890 bis etwa in die Mitte der 1920er Jahren seine große Zeit im Jugendstil gehabt, sei Professor der Dresdner Kunsthochschule gewesen, habe aber nie Zugang zu moderneren Strömungen gefunden. Von Anfang an sei Müller Parteimitglied der Nazis gewesen, habe mit deren Hilfe auch mit seinen Widersachern abgerechnet. Kurze Zeit später sei er aber selber ins Visier der neuen Ordnung geraten, weil seine fantasievolle Darstellung der Frau mit dem Gürteltier nicht den arischen Idealen entsprach. Müller verlor seine Professur, kam auch in der DDR nicht mehr zu Ansehen, starb 1954 vereinsamt in Dresden.

Pientka mahnte bei der Ausstellung, sich auf die Werke zu konzentrieren. "Müller hatte charakterliche Schwächen, aber seine Kunst ist ewig", meinte er. Sachkundig erläuterte der Sammler, der über seine Liebe zum großen Leipziger Künstler Max Klinger zu Müller kam, dessen Bilderwelt. Etwa die Liebe zum Marabu, der auch in Klingers Werk auftaucht. "Der Marabu ist für mich der typisch Deutsche Beamte, eine Karikatur", meinte Pientka. Wie eine Karikatur stehe der Vogel auf vielen Bildern, sei mal mit Orden behängt, mal übergroß dargestellt.

Die zwei Dutzend Besucher der Vernissage bildeten sich ihre eigene Meinung. So Lech Jankowski, selbst ein Kreativer: "Für mich steht der Marabu als Sinnbild für Müller selbst." Andreas J. Mueller, Grafiker und Kurator des Deutschen Fotomuseums in Markkleeberg, meinte, nicht nur viele Tiere gebe es auf den Bildern zu sehen, "auch viele satirische Bilder". Er freue sich vor allem, dass es noch private Sammler gebe, die so ein Werk zusammentragen und anderen zugänglich machten. Die Schau ist bis Mitte April im Rathaus zu sehen.

 

 

Sammler Bodo Pientka: "Ich lebe Kunst"

Großpösna (-tv). "Ich lebe Kunst", sagt Sammler Bodo Pientka von sich. Er mache auch nicht Urlaub wie andere, "ich mache Kulturlaub". Wenn er verreise, dann nur mit konkreten Kunstzielen vor Augen. Begonnen habe seine Sammelleidenschaft in den Siebzigerjahren. Schon beim Ingenieurstudium hätten ihn Kunstthemen fasziniert, habe er auch mal ein kunstvolles Buch "einbehalten". Inzwischen besitze er etwa 1500 Werke, verstehe sie aber nicht als Geldanlage. "Ein echter Sammler gibt niemals wieder etwas her, er lässt aber andere daran teilhaben", laute sein Credo.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.02.2014
Jörg ter Vehn

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