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Markkleeberg Großstädteln: Ein Haus voller Klamotten und Möbel für Bedürftige
Region Markkleeberg Großstädteln: Ein Haus voller Klamotten und Möbel für Bedürftige
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10:20 06.04.2018
Christine Mieder verkauft einen gebrauchten Schulranzen. Der neue Besitzer ist mit seiner Großmutter gekommen. Quelle: Fotos: André Kempner
Markkleeberg

Etwa 20 Menschen stehen in Grüppchen vor dem Sozialmarkt in Großstädteln. Sie bekommen Lebensmittel von der Leipziger Tafel, die hier am Mittwoch ausgibt. Danach stöbern viele noch im Fundus des Marktes für Bedürftige. Im Erdgeschoss liegen Bücher aus, 20 Cent kostet das Stück. Das holzvertäfelte Treppenhaus führt zu Zimmern voll mit Schuhen, Kleidern, Anzügen, Jacken, Kaffeemaschinen, Teekannen und Weingläsern. Hochwertige Winterschuhe kosten hier zehn Euro, ein großes Handtuch ist mit einem Euro ausgezeichnet. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht trägt ein mittelalter Mann einen ergatterten Globus zum Ausgang.

Kunden müssen Bedürftigkeit einmal im Jahr nachweisen

Im Monat verzeichne er zwischen 200 bis 300 Besuche im Sozialmarkt, erzählt Olaf Kühling, der die Verbandsarbeit des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Kreisverband Leipzig-Land leitet. Grundsätzlich könne jeder in den Räumen einkaufen, die günstigen Preise sind aber speziell für Bedürftige gedacht. Das sind Arbeitslosengeld-II-Bezieher, Menschen in Not und Geringverdiener. Kühling betont, dass auch ein Alleinstehender mit einem Brutto-Monatseinkommen von weniger als 2 045 Euro noch berechtigt ist, im Sozialmarkt günstig einzukaufen. Einmal im Jahr müssen die Kunden nachweisen, dass sie wenig haben. Dann bekommen sie eine Kundenkarte. „Wir wollen nicht, dass sie jedes mal Seelenstriptease machen müssen“, sagt Kühling.

2011 öffnete der DRK-Sozialmarkt seine Türen an der Lauerschen Straße in Markkleeberg. Seit der Sozialmarkt im Oktober 2014 nach Großstädteln umgezogen ist, kämen weniger Studenten mit schmalem Portemonnaie, berichtet Christine Mieder, die seit der Eröffnung im Laden arbeitet. Die Stadt Markkleeberg stellt die Immobilie für den Markt zur Verfügung. Auch in Borna, Wiederitzsch und Zwenkau betreibt der DRK Sozialmärkte.

Zurück im Secondhand-Geschäft in Großstädteln: Eine Großmutter kauft einen gebrauchten, aber gut erhaltenen Schulranzen für ihren Enkel. Er steht aufgeregt am Kassentresen. Christine Mieder wechselt ein paar freundliche Worte mit seiner Großmutter, die 68-Jährige kennt ihre Kunden. Das Publikum ist bunt gemischt. Manchmal stöberten drei Generationen gemeinsam in den gut sortierten Dingen, erzählt Mieder. Vor allem kauften Rentner und Arbeitslose ein. „Die Stammkunden kommen immer wieder. Sie fühlen sich wohl.“

Keine Probleme mit Flüchtlingen

Doch nicht alles ist harmonisch: Wie überall werde auch im Sozialmarkt geklaut, klagt Mieder. An den Wänden des besonderen Kaufhauses drohen Zettel Hausverbot bei Diebstahl an. Um alles im Blick zu haben, fehle es an Personal, sagt sie. Kühling betont, dass es explizit mit Flüchtlingen keine Probleme gebe. Auch von Neid unter den Kunden bemerke er nichts. „Auch vor dem Sommer 2015 sind schon viele Ausländer zum Einkaufen gekommen“, erzählt er.

In den Räumen des „Kaufhauses“ türmen sich gut erhaltene Lampen, Hemden und Spielzeug. Betten, Schränke, Sofas und Schreibtische warten in den Garagen neben dem eigentlichen Sozialmarkt auf neue Nutzer. Bei Bedarf liefert das DRK die Möbel auch aus. Hin und wieder gibt jemand ein Fahrrad im Sozialmarkt ab. „Räder sind aber höchstens drei Tage da, so begehrt sind sie“, weiß Mieder.

Die Waren des Sozialmarktes wurden allesamt gespendet: Immer wieder brächten Markkleeberger ausrangierte Klamotten oder Möbel vorbei, erläutert Kühling. Auch abgegebene Anziehsachen aus den Kleidercontainern des DRK würden verkauft. „Davon können wir aber nur etwa 15 Prozent verwenden, da sie häufig in einem schlechten Zustand sind“, sagt der 47-Jährige. Auch jemand mit wenig Geld wolle hochwertige Dinge besitzen. Kühling ist froh, dass das Jobcenter dem Sozialmarkt Ein-Euro-Jobber zuweist. Sie leeren Kleidercontainer, sortieren abgegebene Klamotten. Der unbrauchbare Rest der Spenden werde weiterverkauft, alle Erlöse fließen in die Organisation des Sozialmarktes. „Damit decken wir unsere Kosten gerade so“, erklärt Kühling.

Der DRK-Sozialmarkt, Hauptstraße 231, in Großstädteln, hat am Dienstag und Mittwoch von 10 bis 16 Uhr geöffnet, freitags von 10 bis 15 Uhr.

Von Theresa Held

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