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Grundschule Markkleeberg-Mitte: „Integration bestimmt seit einem Jahr unseren Alltag“

Flüchtlinge Grundschule Markkleeberg-Mitte: „Integration bestimmt seit einem Jahr unseren Alltag“

Die Grundschule Markkleeberg-Mitte ist eine von fünf Schulen mit einer Daz-Klasse (Daz: Deutsch als Zweitsprache) im Landkreis Leipzig. Von 220 Schülern haben 50 einen Migrationshintergrund, kommen aus Syrien, dem Irak, Libyen, Marokko, Afghanistan, Russland, Polen, China, Bulgarien, Rumänien, Albanien, Portugal und Griechenland.

Schulleiterin Gabriele Schröter (l.) und Lehrerin Ausra Gudziunaite mit der Daz-Klasse in der Grundschule Markkleeberg-Mitte. 23 Flüchtlingskinder lernen hier aktuell Deutsch.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Die Grundschule Markkleeberg-Mitte ist eine von fünf Schulen mit einer Daz-Klasse (Daz: Deutsch als Zweitsprache) im Landkreis Leipzig. Von 220 Schülern haben 50 einen Migrationshintergrund, kommen aus Syrien, dem Irak, Libyen, Marokko, Afghanistan, Russland, Polen, China, Bulgarien, Rumänien, Albanien, Portugal und Griechenland.

Während 27 bereits in ihren Klassen völlig integriert sind, lernen 23, die meisten kamen in den vergangenen Monaten mit der großen Flüchtlingswelle nach Deutschland, die ersten Worte Deutsch. Zusätzlich zu den 15 Daz-Stunden pro Woche nehmen sie vorerst nur an ausgewählten Unterrichtseinheiten teil.

„Die Integration bestimmt seit einem Jahr unseren Alltag“, sagt Schulleiterin Gabriele Schröter. Die Herausforderung bestehe nicht nur darin, dass im Unterricht sehr viel differenzierter gearbeitet werden müsse – allein in der Daz-Klasse sitzen vor Lehrerin Ausra Gudziunaite Kinder mit 23 unterschiedlichen Sprachniveaus – es sei eine Vielzahl von kleinen und großen Problemen zu bewältigen.

„Das fängt bei der Anreise an. Viele unserer Daz-Kinder kommen aus Markranstädt und Zwenkau mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie fahren früh und mittags ganz allein bis zu 50 Minuten mit dem Bus. Auch die elf Erstklässler“, erzählt die 61-Jährige und meint: „Hut ab, was die Kinder in einem fremden Land alles bewältigen.“

Einige seien durch die Flucht traumatisiert, hätten Ängste, weinten oft und bräuchten viel Zuwendung. Andere fielen durch ungewöhnliches Verhalten auf. So wie Mohammad aus der ersten Klasse, der der deutschen Sprache noch nicht mächtig, seine Mitschüler in den ersten Tagen zwickte. „Der Junge ist nicht bösartig. Das war seine Art Kontakt aufzunehmen“, sagt Schröter.

Bisweilen hätten die Nationen auch Probleme untereinander. „Wenn die Kinder sich streiten, verstehen wir oft nicht, worum es geht, weil sie in ihrer Muttersprache reden“, gesteht sie. Aber auch deutsche Kinder, vor allem Erstklässler, entwickelten im neuen Umfeld Ängste oder seien durch Probleme daheim belastet. „Eine Balance zu finden, jedem Kind gerecht zu werden, ob leistungsstark oder -schwach, ist unsere tägliche Aufgabe“, sagt die erfahrene Schulleiterin.

Anders als in der Stadt Leipzig, wo die Sächsische Bildungsagentur für die Schulberatung der Flüchtlinge zuständig ist, liege die Verantwortung im Landkreis allein bei den Schulen. „Die Einstufung ist mitunter schwierig. Bei einigen Kindern fehlen Papiere, so dass ich nicht einmal weiß, wie alt sie genau sind. Andere bringen Vorwissen beispielsweise in Mathematik für die dritte oder vierte Klasse mit, ihr Sprachvermögen ist aber gleich Null“, erläutert Schröter.

Sie wünscht sich mehr Unterstützung vom Kreis und der Stadt: „Wir brauchen dringend einen Pool an Dolmetschern, einen Schulsozialarbeiter und ein höheres Budget für Lehr- und Arbeitsmittel. Das ist allein anhand der Schülerzahl berechnet worden.“ Auch der Platz ist in der Grundschule knapper geworden. Ein weiteres Klassenzimmer musste her, Lehrmittel wurden notgedrungen in einer Bodenkammer untergebracht. Ein weiteres Manko sieht Schröter beim Hort. „Aus Kapazitätsgründen dürfen nur Markkleeberger Kinder betreut werden. Wer aus Markranstädt oder Zwenkau kommt, muss nach Schulschluss heim. Aber auch im Hort könnten die Mädchen und Jungen die Sprache lernen“, sagt Schröter.

Dennoch seien die fremdsprachigen Kinder inzwischen angekommen. „Zu verdanken ist das vielen Helfern“, betont die Pädagogin. So leisteten die Schulsekretärin, aber auch Lehrer und sie selbst beim Beantragen von Bustickets Unterstützung, füllten die Formulare fürs Teilhabe-Paket aus. Im Winter hätten Mütter Jacken für die oft viel zu dünn gekleideten Flüchtlingskinder mitgebracht, Eltern von Viertklässlern vor den Sommerferien die Ranzen ihrer Kinder samt Federmappe und Sportbeutel gespendet.

Beeindruckt ist Schröter von der Initiative „Zwenkau ist bunt“, die ihren Flüchtlingsfamilien Paten zur Seite stellt: „Die sind mit zum Elternabend gekommen, haben übersetzt. Ganz toll. So etwas würde ich mir auch für die Markranstädter wünschen. Zumal die anders als in Zwenkau und Markkleeberg noch immer zentral untergebracht sind und durch die große Entfernung zu uns ohnehin weniger Kontakt besteht.“

Schröter weiß, dass noch viele Herausforderungen auf ihr 15-köpfiges Team warten. Die Warteliste für die Daz-Klasse ist lang. „Wir wissen nicht, ob wir immer alles richtig machen. Aber ich weiß, das wir unser Bestes geben“, versichert sie.

Von Ulrike Witt

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