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Markkleeberg Harald Krug: "Die wollen mich aus dem Naturschutz drängen"
Region Markkleeberg Harald Krug: "Die wollen mich aus dem Naturschutz drängen"
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14:52 19.05.2015
Ärger für kreativen Naturschutz: Vogelfreund Harald Krug mit Svenja. Quelle: Jörg ter Vehn

Er sei seit 1980 ehrenamtlicher Kreisnaturschutzbeauftragter (KNB), damit der Dienstälteste im Landkreis Leipzig, so Krug. 2010 habe er zuletzt einen Dienstausweis als KNB erhalten. "Die Dauer ist immer für fünf Jahre", sagt er aus Erfahrung. Bis 2015 sei er also im Amt. Aus einer Rundmail des Umweltamtes habe er aber Ende Dezember erfahren, dass er und einige andere ab 2014 nicht mehr im Ehrenamt tätig sein sollen. Für ihn ist klar: "Das hängt mit dem Gerichtsurteil zusammen. Die wollen mich aus dem Naturschutz herausdrängen!"

Denn im Sommer 2012 hatte sich Krug schon einmal zurück ins Ehrenamt geklagt. Das Verwaltungsgericht Leipzig befand damals die Gründe des Kreises für die Abberufung als nicht ausreichend, Landrat Gerhard Gey entschuldigte sich beim Landschaftstag in Markkleeberg bei Krug.

Was jetzt dahinter steckt und ob überhaupt etwas, ist unklar. Laut Landkreis-Sprecherin Brigitte Laux ist Krug zum 1. Januar 2009 als Kreisnaturschutzbeauftragter bestellt worden, folglich ende dieser Zeitraum am 31.12. 2013. "Bislang gibt es keine neue Bestellung", so Laux gestern.

Krug erklärte, das Amt sei bei ihm nur per Dienstausweis verlängert worden. Die Papiere stammen bei ihm in schöner Regelmäßigkeit immer vom September aller fünf Jahre. Er habe den Vorfall nun seiner Anwältin übergeben, so Krug gestern.

Jüngstes Ungemach brachte dem 60-Jährigen ausgerechnet Svenja ein. Die streng geschützte Singschwandame, die Krug seit August 2012 in der Liegendwasserhaltung des Tagebaus Peres mehrmals pro Woche betreut, hat jetzt nach langem Warten einen Partner gefunden (die LVZ berichtete). Nach dem jüngsten von fast einem halben Dutzend LVZ-Berichten, in denen Svenja auftauchte, wurde das Umweltamt munter und schickte der Ökostation Borna-Birkenhain, in deren Auftrag Krug die Betreuung in Peres durchführt, einen Haufen Fragen: Woher das Tier komme? Ob es eine "Naturentnahme" sei oder aus einer Gefangenschaftshaltung stamme, in diesem Fall der Nachweis der Legalität erbeten werde. "Warum erfolgte keine Anzeige der Inbesitznahme des weiblichen Singschwans?", fragt der Amtsmitarbeiter zum Beispiel. Es gibt Fragen zur Kennzeichnung des Tieres und seiner Flugbehinderung. Und: "Erfolgte eine Klärung der genetischen Herkunft des weiblichen Singschwans?" Bis zum 7. Februar würden Antworten erbeten.

"Singschwäne sind streng geschützt, wer sie erwirbt, besitzt oder aus der Natur entnimmt, hat nach den Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes die Besitzberechtigung nachzuweisen", so der Kreis. In der letzten Berichterstattung der LVZ sei ausgeführt worden, dass Svenja nicht fliegen kann. "Das wirft Fragen nach der Herkunft und den Überlebenschancen des Schwanes auf, denen wir derzeit nachgehen", so Laux.

Krug wäre nicht Krug, würde er nicht mit Gegenfragen kontern. Etwa: Wo denn das Amt gewesen sei, als im Naturschutzgebiet Stöhnaer Becken Schilf gemäht und dabei ein Singschwannest zerstört wurde? Was denn das Amt tat, als ein Jungschwan aus ebendiesem Nest, der in Peres eine neue Heimat fand, im Februar 2013 dort von zwei Höckerschwänen verdroschen wurde? Der Junggeselle namens Nils habe damals mangels gleichartiger Partnerin Höckerschwandamen angebalzt.

Wie berichtet, hatte Krug nie einen Hehl daraus gemacht, für ebendiesen Nils die junge Svenja, die er zuvor von einem Züchter in Halle-Petersberg "mit allen nötigen Papieren" erworben hatte, mit Erlaubnis der Mibrag in den Tagebau nach Peres gebracht zu haben. Inzwischen scheint diese Idee aufgegangen zu sein. Auch der MDR filmte schon das junge Glück. Statt des Dankes für den engagierten Arterhalt gibt es nun die Amtsfragen. Er werde trotzdem natürlich antworten, so Krug. Über seine Anwältin.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.01.2014
Jörg ter Vehn

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