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Haus Rabe: Klassische Moderne soll junge Elite-Architekten nach Zwenkau locken

Stadtentwicklung Haus Rabe: Klassische Moderne soll junge Elite-Architekten nach Zwenkau locken

In den Achtzigerjahren war Zwenkau wegen der Braunkohle dem Untergang geweiht. Jetzt ist die Kleinstadt auf dem Weg zum Seebad. Und wenn es nach Bürgermeister Holger Schulz (CDU) geht, auch zur Universitätsstadt. Architekten sollen hier auf höchstem Niveau ausgebildet werden. Eine kühne Idee, die auf fruchtbaren Boden fällt und prominente Unterstützer hat.

Unter Fachleuten gilt das 1930 im Bauhaus-Stil in Zwenkau errichtete Haus Rabe als einzigartiges Gesamtkunstwerk. Jetzt soll es der Bund kaufen und öffentlich zugänglich machen. Wie ist noch unklar.

Quelle: André Kempner

Zwenkau. In den Achtzigerjahren war Zwenkau wegen der Braunkohle dem Untergang geweiht. Jetzt ist die Kleinstadt auf dem Weg zum Seebad. Und wenn es nach Bürgermeister Holger Schulz (CDU) geht, auch zur Universitätsstadt. Architekten sollen hier auf höchstem Niveau ausgebildet werden. Eine kühne Idee, die auf fruchtbaren Boden fällt und prominente Unterstützer hat.

Denn mit dem Haus Rabe steht in Zwenkau ein einzigartiges Kleinod der klassischen Moderne. Der Architekt Adolf Rading und der Maler und Bildhauer Oskar Schlemmer haben es 1930 im Auftrag des Arztes Dr. Rabe gebaut und ein Gesamtkunstwerk geschaffen. Denkmalschützer Wolfgang Hocquel von der Kulturstiftung Leipzig meint, das Bauhaus in der Ebertstraße 26 habe die Qualität von Weltkulturerbe. Bewahrt wurde es, weil die Familie Rabe bis Anfang der Neunziger darin wohnte, und der Hamburger Horst Schmitter es danach aufwendig sanieren ließ. Jetzt will er es für sechs Millionen Euro an den Bund verkaufen. Offen ist die Nutzung.

„Wassertourismus ist ein Saisongeschäft, Bildung immer gefragt“, sagt Bürgermeister Schulz. Er träumt von der universitären „Veredelung“ des Haus Rabe. Und der Zeitpunkt ist günstig: Nicht nur wegen des Verkaufs. 2019 feiert Deutschland den 100. Geburtstag des Bauhauses. „Mit einer Meisterklasse Architektur würden wir junge Kreative nach Zwenkau locken. Das wäre eine Riesenchance“, meint der 51-Jährige. Davon sind auch die Professoren Ansgar und Benedikt Schulz überzeugt, die seit 2014 neben ihrem Architekturbüro in der Lampestraße in Leipzig auch eine Kreativschmiede am Zwenkauer Hafen haben.

„Das Haus Rabe ist ein schlummerndes Juwel. Die Strahlkraft so groß, dass es Studierende aus ganz Deutschland, wenn nicht aus ganz Europa anziehen würde“, sagt Ansgar Schulz. Bleibt die Frage des Wie. „Eine Möglichkeit wäre, eine Außenstelle der HGB mit drei Meisterklassen zu installieren. Das wäre für den Freistaat Sachsen relativ leicht. Architektur ist Baukunst und die HGB hat Erfahrung mit Meisterklassen. Schließlich geht es hier nicht um die Grundlehre, sondern darum den Geist des Ortes einzufangen und daraus architektonische Lösungen zu entwickeln“, erklärt der Professor mit Lehrauftrag an der Technischen Universität Dortmund. Eine andere Möglichkeit sei, eine Art privater Hochschule zu eröffnen. In jedem Fall würde die Stadt Zwenkau profitieren.

Wenn es um private Investitionen in Zwenkau geht, ist die Sächsische Seebad Zwenkau (SSZ) als Projektentwickler und Eigentümer der Flächen am See eine erste Adresse. „Die Idee der Meisterklasse passt wie der Topf auf den Deckel. Hier könnten konkrete Projekte für den Standort entwickelt und umgesetzt werden. Bei unseren Gesellschaftern gibt es ein großes Bewusstsein für Architektur und wir haben von Anfang an nicht nur auf den Tourismus, sondern immer auf die Ansiedlung verschiedener Gewerbe und Institutionen gesetzt“, betont SSZ-Geschäftsführer Andreas Schmidt. Er hat schon Folgeinvestitionen im Blick.

Bürgermeister Holger Schulz putzt seit Monaten klinken, hat wohl auch in der Politik Befürworter. „Es gibt eine größere Gruppe, die das Projekt nicht nur spannend findet, sondern aktiv unterstützen will“, sagt er. Im Juni will er „alle Protagonisten an einen Tisch holen, die Kräfte sammeln und nach geeigneten Konstellationen für die Umsetzung suchen“. Professor Ansgar Schulz findet: „Eine Utopie ist immer eine gute Gesprächsgrundlage.“ Und SSZ-Chef Schmidt ist sicher: „Zwenkau wird noch von vielen unterschätzt, aber das wird sich bald ändern.“

Von Ulrike Witt

Zwenkau Ebertstraße 26 51.2180667 12.3341971
Zwenkau Ebertstraße 26
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