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Herbert Ehme wird Ehrenbürger

Stadtrat Herbert Ehme wird Ehrenbürger

Alt-Bürgermeister Herbert Ehme (CDU) wird Ehrenbürger der Stadt Zwenkau – der erste nach fast 100 Jahren. Das hat der Stadtrat am Donnerstagabend in öffentlicher Sitzung mit großer Mehrheit, das heißt elf Ja- und drei Nein-Stimmen, beschlossen. Dagegen sprachen sich, wie schon im ersten, gescheiterten Anlauf 2011, die Freien Wähler aus.

Hohe Auszeichnung für den „Käptn“: Alt-Bürgermeister Herbert Ehme (links) wird im Januar Ehrenbürger der Stadt Zwenkau. Hier freut er sich bei der Jubiläumsfahrt der MS „Santa Barbara“ mit seinem Nachfolger Holger Schulz (rechts) und Andreas Hipp von den Denk Architekten.

Quelle: André Kempner

Zwenkau. Alt-Bürgermeister Herbert Ehme (CDU) wird Ehrenbürger der Stadt Zwenkau – der erste nach fast 100 Jahren. Das hat der Stadtrat am Donnerstagabend in öffentlicher Sitzung mit großer Mehrheit, das heißt elf Ja- und drei Nein-Stimmen, beschlossen. Dagegen sprachen sich, wie schon im ersten, gescheiterten Anlauf 2011, die Freien Wähler aus.

„In den letzten 26 Jahren ist in Zwenkau unwahrscheinlich viel passiert. Das ist vor allem Herbert Ehmes Verdienst“, begründete Alexander Wagner, CDU-Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister, den Antrag von CDU und Linke. Der heute 75-Jährige habe während seiner Amtszeit von 1990 bis 2008 mit Leidenschaft und unermüdlichem Einsatz eine strikt auf das Wohl der Stadt ausgerichtete Sachpolitik betrieben.

„Seinen Visionen und seinem über jedes erwartbare Maß weit hinausgehendem Engagement ist es zu verdanken, dass die Bürger Zwenkaus heute wieder mit Stolz und Freude hier leben können“, erklärte Wagner. Ehme sei als Stadtoberhaupt Vordenker und Organisator gewesen. Ihm seien Erfolge wie der Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung nach der Wende, die Ansiedlung von drei Gewerbegebieten mit etwa 2000 Arbeitsplätzen und das Aufblühen des Vereinslebens zuzuschreiben.

Untrennbar sei sein Name vor allem mit dem Auslaufen des Tagebaus Zwenkau verbunden: Herbert Ehme habe die Blockade „Stopp den Tagebau“ im Februar 1993 an der B 186 initiiert, für die Überführung in einen Sanierungstagebau gekämpft. Später mit den Denk-Architekten Andreas Hipp und Rüdiger Renno den Masterplan für den heutigen Zwenkauer See entwickelt und 2008, ein Jahr nach Flutungsbeginn, mit ihnen die MS „Santa Barbara“ nach Zwenkau geholt.

„Und auch heute, lange nach dem Ende seiner Amtszeit, engagiert er sich noch für die Weiterentwicklung unserer Stadt“, betonte Wagner. So sei Ehme Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Zwenkauer See, Ehrenpräsident des VfB Zwenkau 02, Ehrenmitglied im Radfahrer-Verein, Mitglied der SG Germania und des Heimat- und Museumsvereins und nicht zuletzt noch immer als Kreisrat aktiv.

„Unbestritten ist, dass Herbert Ehme in seiner Tätigkeit als Bürgermeister zur positiven Entwicklung der Stadt Zwenkau beigetragen hat. Aber auch, wenn dies im Vergleich zu Nachbarkommunen über das Maß hinausging, gehörte das nach unserem Verständnis zu den ureigensten Aufgaben eines Bürgermeisters“, sagte Uwe Penz, Stadtrat der Freien Wähler und Vorsitzender der Wählergemeinschaft „Gemeinsam für Zwenkau“.

Bei der Bewertung von Ehmes Arbeit müssten auch die Dinge berücksichtigt werden, die zum Nachteil der Stadt gewesen seien, forderte Penz. Er führte den Verkauf aller kommunalen Wohnungen in den Neunzigern und die Aufnahme hoher Kredite, die Übergabe der städtischen Kitas in Freie Trägerschaft, eine „Pseudo-Gegenwehr“ bei der Schließung der Mittelschule, die mangelnde Belebung der Innenstadt und den kompletten Ausverkauf der Flächen am Zwenkauer See ins Feld. „Private Investoren machen am See Millionengewinne, die Stadt geht leer aus“, so der Hauptkritikpunkt der Freien Wähler.

„Das waren genau die Punkte, die schon vor fünf Jahren zur Ablehnung des Ehrenbürgerschaftsrechtes geführt haben. Umso verwunderlicher ist es für uns, dass Stadträte, die damals mit uns dagegen gestimmt haben, heute sogar als Mitantragsteller fungieren“, sagte Penz und sprach damit indirekt die Fraktionsvorsitzende der Linken, Ursula Herrmuth, an.

„Herbert Ehme hat alles mit Herz und Verstand gemacht. Was er damit erreicht hat, sehen wir alle jeden Tag. Er hat die Ehrenbürgerschaft wirklich verdient“, sagte Herrmuth. 2011 sei sie sich nicht sicher gewesen. „Inzwischen hat sich die Stadt ganz prächtig weiterentwickelt. Den Grundstein hat Herbert Ehme gelegt und das muss man einfach anerkennen“, begründete sie ihren Sinneswandel.

„Ich bin sicher, dass die Verdienste von Herbert Ehme sehr wohl über das Maß der Selbstverständlichkeit hinausgehen. Als Bürgermeister kann ich das sagen. Ebenso, dass es für das Amt keine Stellenbeschreibung gibt“, sagte Amtsnachfolger Holger Schulz (CDU). Ob immer jede Entscheidung richtig war, sei eine andere Sache. „Alle sind zu ihrer Zeit gefällt worden und alle haben Zwenkau zu dem gemacht, was es heute ist. Und sie wurden vom jeweiligen Stadtrat mitgetragen“, betonte der Rathauschef.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolf-Dietrich Einicke erinnerte daran, dass Ehme Träger des Bundesverdienstordens ist. Seine Leistungen vom Bundespräsidenten geprüft und anerkannt worden seien. „Insofern verwundern mich die Ausführungen der Freien Wähler schon sehr“, sagte Einicke.

Herbert Ehme erklärte gestern auf LVZ-Anfrage: „Die Auszeichnung erfüllt mich mit Stolz und Dankbarkeit. Stolz, weil es etwas Besonderes ist und Dankbarkeit, weil ich die Geschicke der Stadt so lange lenken durfte und dabei von so vielen Menschen unterstützt worden bin.“ Die Verleihung der Ehrenbürgerschaft und der Ehrenmedaille der Stadt Zwenkau sind am 13. Januar im Rahmen des Neujahrsempfangs vorgesehen.

Von Ulrike Witt

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