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High-Tech zeigt das Grauen der Völkerschlacht in Zeitlupe

Neu im Lazarettmuseum High-Tech zeigt das Grauen der Völkerschlacht in Zeitlupe

Es war eine gigantische Schlacht, die da im Oktober 1813 rund um Leipzig tobte. Das Lazarettmuseum Seifertshain versucht seit Jahren, das grausame Gemetzel der Völkerschlacht, bei dem 90 000 Menschen starben, aus medizinisch-historischer Sicht aufzuarbeiten. Erstmals soll jetzt ein Film dabei helfen.

Der Hochgeschwindigkeitsfilm zeigt es in Zeitlupe: Einen riesigen Wundkanal reißt die Gewehrkugel in ein spezielles, dem Menschen ähnliches künstliches Gewebe.

Quelle: André Kempner

Grosspösna. Es war eine gigantische Schlacht, die da im Oktober 1813 rund um Leipzig tobte. Das Lazarettmuseum Seifertshain versucht seit Jahren, das grausame Gemetzel der Völkerschlacht, bei dem 90 000 Menschen starben, aus medizinisch-historischer Sicht aufzuarbeiten. Erstmals soll jetzt ein Film dabei helfen.

Er zeigt, wie eine damalige Gewehrkugel auf einen menschlichen Körper trifft – dargestellt durch ein spezielles Ballistik-Gelee, das sich wie Gewebe verhält. In Zeitlupe durchschlägt die 17,5 Millimeter große Kugel bei dem Hochgeschwindigkeitsfilm erst die Uniform, dann die Haut und reißt auf ihrem Weg durch den Körper einen riesigen Wundkanal, bis sie auf der anderen Seite wieder austritt – und eine meist tödliche Wunde hinterließ.

Detailliert erklärt der 2,15 Minuten lange Film in einer Dauerschleife die Wirkung der Kugel. Auch dass durch die Wucht des Geschosses mit 150 bis 200 Metern pro Sekunde Uniformreste und Schmutz mit in die Wunde getragen wurden, die sich entzündeten – was zur damaligen Zeit schwere Entzündungen, Amputationen und oft auch den späteren Tod bedeuteten.

Fernab von Splatter-Filmen, in denen Blut und Knochen nur so spritzen, sei versucht worden, die tatsächliche Wirkung einer Gewehrkugel darzustellen, erklärt Peter Krümmel vom Kuhstallverein, dem Träger des Museums. In der Deutschen Versuchs- und Prüfanstalt für Jagd- und Sportwaffen sei der Einschlag mit der Spezialkamera gefilmt worden. Marc Rodental vom Verein Preußische Infanterie aus Leipzig habe dafür sein Steinschlossgewehr zur Verfügung gestellt, Ballistikexperte Uwe Ebert vom LKA Sachsen die speziellen Ballistikblöcke angefertigt. Timo Metzkes von den Picturesound-Studios habe daraus den Film gemacht. Die Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig habe das ganze Vorhaben dankenswerter Weise finanziell unterstützt, so Krümmel.

Nach der Premiere am Sonntag vor rund 40 Besuchern kommen am heutigen Mittwoch und morgen Bundeswehrsoldaten im Rahmen der historisch-politischen Ausbildung ins Museum. Krümmel rechnet mit 130 von ihnen, ist gespannt auf die Reaktion auf den fast schon klinisch sauberen Film. Dennoch: Die ungeheure Wucht des Einschlags ist für ihn „ein verdichtetes Sinnbild des Krieges“.

Der Film wird im so genannten Waffenraum eingangs der Ausstellung gezeigt. Dort müssen Besucher vorbei an einem Dutzend der damals typischen Waffen, die alle auf die Besucher zeigen, sie zu bedrohen scheinen. „Unser Museum setzt auf Kopfkino“, erklärt Krümmel das Konzept dahinter. Es gebe – trotz des Themas – eben keine splatterhaften Elemente. „Das ganze Museum ist rational“, sagt er. Ergebnis: Es wirkt dadurch umso bedrückender.

– Das Haus in Seifertshain ist ausgeschildert, sonntags von 13 bis 17 Uhr offen.

Von Jörg ter Vehn

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