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Hochwaserschutz: Zwenkauer setzen auf Wissen der Vorfahren

Hochwaserschutz: Zwenkauer setzen auf Wissen der Vorfahren

Zurück zu den Wurzeln lautet das Motto in Sachen Hochwasserschutz in Zwenkau. Auf Antrag der CDU-Stadtratsfraktion sollen jetzt in einem ersten Schritt Meliorationsmaßnahmen sprich Gräben aus Vortagebauzeiten erfasst werden.

Zwenkau. Dass der extensive Braunkohleabbau im Südraum immensen Schaden angerichtet hat, ist unstrittig. Nicht nur Dörfer wie Eythra verschwanden von der Landkarte und Flüsse wie die Weiße Elster wurden verlegt. Auch das auf Basis jahrhundertelanger Erfahrung angelegte Vorflutsystem musste weichen. Und wo der Bagger nicht die Erde umwälzte, war es die intensive Landwirtschaft, deren LPG-Mähdrescher große, ebene Flächen brauchten. Zudem wurden seit der Wende zunehmend Flächen, so die Gewerbegebiete an der B 2 und der S 71 versiegelt. Die Folgen werden jetzt, mehr als ein Jahrzehnt nach Einstellung des Tagebaus, immer deutlicher. Anfang 2012 stand Tellschütz unter Wasser, Mitte Juni der Imnitzer Park (die LVZ berichtete).

Professor Wolf-Dietrich Einicke, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion, will handeln. In einem Antrag fordert er die Erfassung ursprünglicher Meliorationsmaßnahmen im Gemeindegebiet. Einicke weiß, wie die Zwenkauer an die Informationen kommen: Einsichtnahme in das Meliorationskataster von 1974 beim staatlichen Amt für Landwirtschaft und Gartenbau in Rötha, Bürgerbefragung durch Dresdner Studenten des Fachbereichs Landbau und -pflege und die Nutzung kommerzieller Luftbild-Systeme. Die Kosten belaufen sich auf rund 10 000 Euro.

"Wir müssen die alten Entwässerungssysteme wiederherstellen. Nur so können wir die Stadt, die Ortsteile und unsere Bürger vor weiteren Hochwasserschäden bewahren", erklärte er den Stadträten und stieß über Fraktionsgrenzen hinweg auf offene Ohren. "Der Antrag ist eine sehr gute Sache", lobte Adalbert Rösch von den Freien Wählern. FDP-Stadtrat Heiko Metzlaff betonte, dass die Erfassung der alten Vorflut nur ein erster Schritt sein könne. Er wollte aber wissen, woher in Zeiten klammer Kassen die für das Projekt veranschlagten Mittel stammen sollen.

Einickes Finanzierungsvorschlag: Die im Haushalt 2013 eingestellten 10 000 Euro für den Strand östlich vom Kap Zwenkau sollen halbiert werden. Zudem soll die Planung für den zu ändernden Durchlass des Grundgrabens unter der B 2 vor Löbschütz gestrichen werden. Allerdings nur formal, denn der Grundgraben war Teil des alten Meliorationssystems. Die Erfassung könnte so gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Und den Fachleuten, die sich beim Ausbau der B 2 vor Jahren mit dem zu hoch gelegenen Durchlass einen eklatanten Fehler geleistet haben, zeigen wie es richtig geht.

"Die 10 000 Euro sind eine Schätzung. Sollte das Meliorationskataster alle Informationen offenlegen, müssen wir die Summe nicht ausschöpfen", sagte Einicke. Außerdem regte er an, die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft als Rechtsnachfolger in die Verantwortung zu nehmen. Schließlich sei die einst auf Weiße Elster und Batschke ausgerichtete Vorflut durch den Tagebau zerstört worden. "Wir sprechen immer von Paragraf-2- und Paragraf-4-Maßnahmen zur Rekultivierung, aber es gibt auch Paragraf 3 zur Beseitigung von Schäden durch den Grundwasseranstieg", so Einicke. Bürgermeister Holger Schulz (CDU) ist bereits mit der LMBV im Gespräch. Er meinte: "Wir müssen endlich den Veränderungen der Landschaft Rechnung tragen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.09.2013

Ulrike Witt

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