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Markkleeberg Holocaust-Überlebende Stessel im Gespräch mit Markkleebergs Schülern
Region Markkleeberg Holocaust-Überlebende Stessel im Gespräch mit Markkleebergs Schülern
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00:41 20.04.2018
Die Holocaust-Überlebende Zahava Stessel an der Rudolf-Hildebrand-Schule mit Schulleiter Ditmar Apel und Oberbürgermeister Karsten Schütze. Quelle: Andre Kempner
Markkleeberg

„Sie haben uns Nummern gegeben, aber wir wussten, wer wir waren. Dank der Erziehung unserer Eltern sind wir Menschen geblieben“, sagt Dr. Zahava Stessel. Gestern besuchte die New Yorkerin, Überlebende des Frauenaußenlagers des Konzentrationslagers (KZ) Buchenwald in Markkleeberg, gemeinsam mit ihrer Tochter Dr. Miriam Shenkar Schüler der Rudolf-Hildebrand-Schule. Auch Staatsministerin Petra Köpping und Oberbürgermeister Karsten Schütze hörten den Schilderungen über ihre Erlebnisse zu.

Mit 14 Jahren kam die ungarische Jüdin zusammen mit ihrer Schwester nach Markkleeberg. Im Frauenaußenlager am Equipagenweg mussten zwischen August 1944 und April 1945 mehr als tausend ungarische Jüdinnen und 250 französische Widerstanskämpferinnen Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie leisten. Gemeinsam mit ihrer Schwester überlebte Stessel die Grausamkeiten in den Konzentrationslagern. Während eines Todesmarsches kurz vor Kriegsende konnten beide fliehen.

Schüler recherchieren Schicksale von Markkleeberger Juden zur NS-Zeit

Betroffene Gesichter, als die heute 88-Jährige erzählt, wie sie ihre Mutter und Großmutter zuletzt im Vernichtungslager Auschwitz sah. „Ich werde diese Szene nie vergessen, wie verzweifelt meine Mutter geschaut hat.“ Die Schilderungen gehen unter die Haut. Besonders beeindruckt Schülerin Greta, dass Stessel während sie solch emotionale Dinge erzählt, die ganze Zeit lächelt.

Die 18-Jährige arbeitet in der Arbeitsgemeinschaft Spurensuche mit. Rund 30 Schüler recherchieren zusammen mit ihrem Lehrer Carsten Müller seit insgesamt vier Jahren zu Schicksalen von Juden in Markkleeberg während der NS-Diktatur. Nun können sie ihre Fragen direkt an eine Zeitzeugin richten.

„Wie halten sie die Erinnerungen aus?“, fragt ein Schüler. Viele Menschen wollten von den Erinnerungen nichts wissen, antwortet die gelernte Bibliothekarin. Sie aber möchte die Geschichte bewahren. Darum hielt sie am Sonntag eine Rede bei der Gedenkveranstaltung zur Befreiung des KZ Buchenwald und hat im Buch „Snow Flowers“ ihre Erlebnisse festgehalten.

Schüler der Rudolf-Hildebrand-Schule haben das Buch vor rund fünf Jahren aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Die Stadtverwaltung ließ es in limitierter Auflage drucken und vergab Klassensätze an die Markkleeberger Schulen. Gegen eine Spende von mindestens 50 Euro können Interessierte ein Exemplar der deutschen Übersetzung von „Snow Flowers“ von der Stadtverwaltung erhalten. Mit dem Geld soll längerfristig das Denkmal für das Frauenaußenlager im Equipagenweg umgestaltet werden.

„Es ist immer gut, zu erinnern“

„Es ist immer gut, zu erinnern“, antwortet Stessel auf die Frage von Pauline, die wissen will, ob Denkmäler noch neu gebaut werden sollten. „Was meinen Eltern passiert ist, soll nie meinen Kindern passieren“, appelliert die 88-Jährige. Vor genau 20 Jahren besuchte Stessel erstmals den Ort des ehemaligen Arbeitslagers in Markkleeberg. „Sie mussten sich sehr überwinden“, erinnert sich Gundel Klose, die Witwe des damaligen Oberbürgermeisters Bernd Klose. Wegen des herzlichen Empfangs Kloses, aber auch, weil sie gemerkt habe, dass viele Markkleeberger nichts von dem Arbeitslager wussten, sei sie immer wieder zurückgekommen, sagt Stessel. Für ihr Engagement wurde die New Yorkerin gestern vor genau zehn Jahren Ehrenbürgerin der Stadt Markkleeberg.

Wenn irgend möglich, wolle sie wiederkommen, sagt die 88-Jährige. Ihr sei es wichtig, dass die Verbrechen des Holocaust nicht in Vergessenheit geraten. Die „großartige Arbeit“ der Schüler der Rudolf-Hildebrand-Schule trage dazu bei. Das sei „das größte Geschenk“, so Stessel.

Von Theresa Held

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