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Hotelnachfragen größer als Bestand – trotzdem Kritik an Bauplänen

Podiumsdiskussion zum Neuseenland Hotelnachfragen größer als Bestand – trotzdem Kritik an Bauplänen

Ferienhausboote, Hafen-Hotel, Schiffbarkeit: „Wie geht es weiter mit der Seenentwicklung?“ fragte am Dienstagabend eine gut besuchte Diskussionsrunde der Friedrich-Ebert-Stiftung im Lindensaal von Markkleeberg.

Gut besetztes Podium: Heiko Rosenthal, Petra Köpping, Sebastian Bothe, Karsten Schütze und Sandra Brandt (v.l.).

Quelle: Andre Kempner

Markkleeberg. Ferienhausboote, Hafen-Hotel, Schiffbarkeit: „Wie geht es weiter mit der Seenentwicklung?“ fragte am Dienstagabend eine gut besuchte Diskussionsrunde der Friedrich-Ebert-Stiftung im Lindensaal von Markkleeberg. Einfache Antworten gab es angesichts auch heftiger Kritik an den jüngsten Plänen kaum, nur eine: Gemeinsam.

Ob Eisvogel im Floßgraben oder Grüne Keiljungfer im Pleißebett - „der Umweltschutz behindert gar nichts“, sagte Leipzigs Umwelt-Bürgermeister Heiko Rosenthal (Linke). Es müsse darum gehen, nicht trotz, sondern mit dem Artenschutz die Landschaft in Wert zu setzen. Dass der Floßgraben dabei nicht uneingeschränkt genutzt werden könne, sei der Stadt Leipzig immer klar gewesen. Trotzdem gebe es ein öffentliches Interesse, entsprechend ans Gewässer angepasste Nutzungen zuzulassen.

Trotz seltener Libellenart sah Markkleebergs OBM Karsten Schütze (SPD) gute Chancen, die Gewässerverbindung von der Pleiße zum Markkleeberger See über die Wasserschlange herzustellen. Denn diese sei schon wegen des Hochwasserschutzes und der Ableitung von Göselwasser nötig, seien sich die Experten inzwischen einig.

Das Neuseenland habe mit 680 000 Übernachtungen pro Jahr die Gewässerregion Lausitz mit 500 000 hinter sich gelassen, erklärte Sandra Brandt vom Tourismusverein Leipziger Neuseenland. „Wer im Tourismus aber keine neuen Impulse setzt, wird abgehängt“, sagte sie. Daher brauche die Region weitere Großprojekte, dürfe mit Investitionen nicht Schluss ein. Landagsmitglied Petra Köpping (SPD) stimmte mit Blick auf das Braunkohle-Verwaltungsabkommen, das der Sanierung der Region dient, zu: Es wäre schlimm, wenn das noch nötige Geld nicht fließe. „Dann stimmt das Gesamtkonzept nicht“, warnte sie.

Vieles sei zwar schon erreicht, aber vieles auch noch zu tun, waren sich alle einig. Das größte Wachstumspotenzial hätten Regionen, in denen es „gediegen“ zugeht, meinte Brandt: „Nicht zu anstrengend, aber auch nicht zu langweilig“, müsse das Angebot sein. Das Neuseenland habe da zusammen mit Leipzig gute Chancen, brauche aber noch mehr schwimmende Häuser, Veranstaltungs-Flöße oder Trendsportarten wie den Jet-Flyer am Störmthaler See.

Schütze erklärte, in den Entwurf des Regionalplanes sei die Idee der Elektromobilität aus der Charta 2030 eingeflossen. Für Verleihboote solle ein solcher Antrieb sogar Vorschrift sein. Auf Kritik von Karl-Ferdinand Fischer, dass mit E-Antrieben die Seen wohl nur bis Windstärke Drei befahren werden könnten, erwiderte Schütze, es werde Übergangsregelungen geben, der E-Markt werde sich entwickeln: „In fünf Jahren reden wir nicht mehr darüber.“

Kritik erntete er für die Stadtrats-Entscheidung, Hausboote für Urlauber auf dem See zulassen zu wollen. Zerschandelung der Landschaft, sogar „Gewässerversiegelung“ wurde ihm vorgeworfen. Schütze versicherte, am See würden keine Parkplätze geschaffen. Stattdessen werde es dort auch für die Strandbesucher eine Toilette geben und für die Schulen einen Steg. Kritik gab es auch zum geplanten Hotel am Zöbigker Touristentreff. Der OBM erwiderte, es gebe einen großen Bedarf an Übernachtungskapazitäten, gerade am See. Im Übrigen sei dort seit 15 Jahren ein Hotel geplant. Brandt unterstützte den Bau. „Wir werden mit Nachfragen überrannt. An der Stelle ist das Hotel genau richtig“, meinte sie.

Nachholbedarf räumte Rosenthal in Sachen Bus- und Bahnverbindung zu den Seen ein. Die Linie 11 als Stadt Markkleeberg nicht bis zum Markkleeberger See verlängern zu wollen, halte er für eine „vertane Chance". Schütze erklärte, im neuen ÖPNV-Konzept sei die Verlängerung immerhin als Option enthalten. Ansonsten werde sich die Erschließung der Seen mit der neuen Linie 106 und der S-Bahn aber verbessern.

Von Jörg ter Vehn

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