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Markkleeberg "Ich bin keine Basteltante": In Großpösnaer Krippe herrscht Manpower
Region Markkleeberg "Ich bin keine Basteltante": In Großpösnaer Krippe herrscht Manpower
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13:57 19.05.2015
Fast schon Exoten in einer Frauendomäne: Ikorni Kröger (l.) und Jonas Große sind Erzieher in der Krippe Samenkorn der Diakonie in Großpösna. Quelle: André Kempner

Herr Große, Sie waren der erste Mann in der Krippe Samenkorn. Was kamen für Reaktionen?

Misstrauen habe ich eigentlich nur einmal erlebt, die meisten haben positiv reagiert nach dem Motto: Toll, endlich gibt es hier mal einen Mann, der mit den Kindern Fußball spielt. Dabei ist das gar so nicht meins.

Herr Kröger, Sie kamen im Dezember als Leiter und zweiter Mann dazu - hatten Sie es da schon etwas leichter?

Durchaus. 2002 war ich in Helmstedt im Kita-Bereich der einzige Mann im gesamten Landkreis. Da gab es schon einige verunsicherte Mütter. Inzwischen sind Männer in Kitas nicht mehr ganz so außergewöhnlich.

Wie gehen Sie mit dieser gelegentlichen Verunsicherung um?

Kröger: Ich suche das Gespräch und stoße gern auch einen Denkprozess an: Trauen Sie Ihrem Mann zu, die Windeln zu wechseln? Ist es gut für eine Gesellschaft, wenn Kinder fast ausschließlich von Frauen betreut werden? Dabei auch mal provokant in die Offensive zu gehen, macht mir richtig Spaß. Manche Mütter haben es danach fast als Projekt betrachtet, den Vater mehr mit einzubeziehen. Letztere bringen und holen ihr Kind übrigens öfter, wenn Männer in der Kita sind. Die wollen sich den Kerl einfach mal anschauen.

Warum sind Männer in der Kita so wichtig?

Kröger: Kinder brauchen grundsätzlich Mutter und Vater, Männer und Frauen als Vorbilder. Im Samenkorn erleben sie auch Männer, wie sie mit ihnen kuscheln, singen, basteln, toben und Spaß haben - und das mehr als nur die zwei Stunden mit dem müden Papa nach dessen Feierabend. Aber grundsätzlich können wir Väter natürlich nicht ersetzen. Manchmal äußern alleinerziehende Mütter diese Hoffnung, die wir wirklich nicht erfüllen können.

Was machen Ihrer Meinung nach Männer anders als Frauen in der Kita?

Große: Ich bin keine Basteltante, sondern am liebsten draußen. Männer trauen den Kindern oft mehr zu. Unfälle passieren nun mal und die Kinder können draus lernen.

Kröger: Männer verstehen kleine Jungs oft besser, weil sie selbst mal welche waren. Sie bemuttern die Kinder weniger und es fällt ihnen vielleicht leichter, andere in Verantwortung zu nehmen und mit tiefer Stimme klare Ansagen zu machen.

Was müsste sich ändern, damit mehr Männer Erzieher werden?

Kröger: Schwierig, solange BMW cooler ist. Wir brauchen mehr mutige Eltern, Arbeitsvermittler und Lehrer, die Jugendliche auf diese schöne Arbeit stoßen, die nur die richtig Guten machen können. Auch die Bezahlung spielt eine Rolle.

Große: Wichtig sind außerdem mehr Anerkennung und Respekt, eine bessere, international anerkannte Ausbildung auf Hochschulniveau sowie ein besserer Personalschlüssel. Hier ist die Politik gefragt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.03.2015
Cornelia Killisch

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