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Im Notfall kein Durchkommen am Zwenkauer See

Rettung Im Notfall kein Durchkommen am Zwenkauer See

Hunderte Ausflügler nutzen den Rundweg um den Zwenkauer See. Was sie nicht wissen: Im Ernstfall dauert es 30 Minuten und länger bis Rettungskräfte vor Ort sind. So geschehen am Sonntagvormittag, als ein 49-Jähriger zwischen den Aussichtspunkten Zitzschen und Eythra zusammenbrach.

Die geschlossene LMBV-Schranke nahe des Pulvermühlenweges bremst Autos aber auch Rettungskräfte am Südufer des Zwenkauer Sees aus.

Quelle: André Kempner

Zwenkau. Hunderte Ausflügler nutzen den Rundweg um den Zwenkauer See. Was sie nicht wissen: Im Ernstfall dauert es 30 Minuten und länger, bis Rettungskräfte vor Ort sind. So geschehen am Sonntagvormittag, als ein 49-Jähriger zwischen den Aussichtspunkten Zitzschen und Eythra zusammenbrach.

„Ich war mit meiner Frau gegen 9.30 Uhr mit dem Rad unterwegs, als wir schon von Weitem sahen, dass jemand in Not war. Mehrere Ersthelfer versuchten, einen verunfallten Radfahrer per Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung ins Leben zurückzuholen“, beschreibt Dirk Posner aus Rüssen die Situation. Er habe nach professioneller Hilfe gefragt und erfahren, dass die schon vor mehr als 20 Minuten angefordert wurde. „Da wir nichts tun konnten, sind wir zügig weiter Richtung Hafen gefahren und entdeckten den Rettungswagen, der hinter der geschlossenen LMBV-Schranke stand. Die Crew wollte sich gerade zu Fuß auf den Weg machen. Wir haben ihnen dann unsere Räder gegeben. Bis zum Unfallort waren es mindestens 1,5 Kilometer“, erklärt Posner.

Uwe Bergholz vom DRK-Rettungsdienst Zwenkau war an Bord des Rettungswagens. „Wir haben erst versucht, am Aussichtspunkt Zitzschen auf den See-Rundweg zu gelangen, sind dort an der Schranke gescheitert. Dann haben wir es durchs Eichholz über den Eythraer Weg probiert, wo große Steine ein Durchkommen verhinderten. Schließlich standen wir am Pulvermühlenweg wieder vor einer Schranke“, schildert er die Odyssee. Dort hätten sich Notarzt und Sanitäter dann mit vollem Equipment und geliehenen Rädern zum Patienten aufgemacht. Über eine halbe Stunde habe allein die Suche in Anspruch genommen, bestätigt er. Die reguläre Frist, in der Hilfe vor Ort sein muss, betrage zwölf Minuten.

Die Schranke für den Rettungswagen geöffnet hat die Freiwillige Feuerwehr, die laut Stadtwehrleiter Thomas Kröter um 10 Uhr gerufen wurde. „Wir haben den Schlüssel. Warum der Rettungsdienst keinen hat, weiß ich nicht“, wundert er sich. Bergholz betont, das DRK habe noch nie einen besessen. „Wir hatten erst am Wochenende vorher einen ähnlichen Fall am Ostufer Richtung Gaschwitz. Hier muss ganz schnell eine Klärung her. So etwas kann doch jederzeit wieder passieren“, schimpft der Rettungsdienstler.

LMBV-Sprecherin Claudia Gründig räumt ein, dass es in Sachsen keine Sicherheitspläne für die Seen gebe. „Das Problem in Zwenkau ist aber ein besonderes, weil hier touristische Nutzung und Sanierung gleichzeitig laufen. So lange nicht alle Bereiche betreten werden dürfen, bleiben die Schranken bestehen. Die Schlüssel liegen bei der Feuerwehr und im Rathaus“, erläutert sie. Außerdem gebe es die LMBV-Notfallnummer 01801 14 22 22. Bis jemand die Schranke öffne, könne es allerdings dauern, gesteht sie.

Bürgermeister Holger Schulz (CDU) bedauert den Vorfall und fordert eine pragmatische Lösung. Die scheint nun in Sicht: Gründig empfiehlt dem Rettungsdienst, bei der LMBV einen Schlüssel zu beantragen. „Bei uns im Haus ist die Sache jetzt Thema. Das wird schnell gehen“, versichert sie.

Bei Dirk Posner bleiben Unverständnis und Fragen: „Warum wurde die Feuerwehr nicht automatisch mit dem Rettungsdienst alarmiert und warum kein Hubschrauber geschickt?“ Frank Jahr, Chef des Rettungsdienstes, sagt: „Über den Hubschraubereinsatz entscheidet die Leitstelle. Und dass wir die Feuerwehr brauchen, um auf den Rundweg zu kommen, war uns nicht bekannt.“

Von Ulrike Witt

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