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Markkleeberg Immer mehr Senioren suchen Hilfe bei Schuldnerberatung in Markkleeberg
Region Markkleeberg Immer mehr Senioren suchen Hilfe bei Schuldnerberatung in Markkleeberg
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07:00 27.02.2018
Schuldnerberater Ulf Bierbaum von der Diakonie in Markkleeberg. Quelle: Kempner
Markkleeberg/Markranstädt

„Manche Markkleeberger können sich nicht vorstellen, dass in ihrer Nachbarschaft Not herrscht“, sagt Ulf Bierbaum, Schuldner- und Insolvenzberater der Diakonie Leipziger Land. Seit dem Sommer betreut der 44-Jährige überschuldete Privatpersonen in Markkleeberg und Markranstädt, zuvor arbeitete er in Borna und Geithain. Bierbaum beobachtet, dass überschuldete Menschen im wohlhabenden Markkleeberg tendenziell eher später Hilfe suchen. „Sie verbergen ihre Not länger als in ärmeren Gemeinden“, sagt der Schuldnerberater. „Nicht alle profitieren vom Wohlstand, Markkleeberg ist nicht nur piekfein“, weiß er.

Markranstädt hole wirtschaftlich „ungemein auf“, sagt Bierbaum. Im Vergleich mit der Region südlich von Leipzig lebten dort im November laut creditforum aber immer noch die meisten überschuldeten Menschen: Die Quote lag bei über 10 Prozent, in Zwenkau waren etwa 9 Prozent der Einwohner überschuldet, in Markkleeberg etwa 8 Prozent. Die Gemeinde Großpösna steht gut da: Mit knapp 6 Prozent liegt sie deutlich unter den sächsischen und bundesweiten Überschuldungsquoten von je 10 Prozent.

„Die meisten meiner Mandanten sind zwischen Ende 20 und Mitte 50“, sagt Bierbaum. Einige hätten Suchtprobleme, viele seien arbeitslos. Es kämen aber auch immer mehr 18-Jährige in seine Beratung. Sie hätten häufig Schulden wegen Bestellungen und teuren Handyverträgen. Dass Jugendliche über ihre Verhältnisse leben, sei „absehbar in der konsumorientierten Welt“, findet Bierbaum. Ihn überrascht vielmehr, dass zunehmend ältere Menschen seine Beratung in Anspruch nehmen. 80 Jahre war der älteste Mandant, den Bierbaum beriet. Einige Senioren täten sich schwer, ihren Lebensstandard an das geringere Renten-Einkommen anzupassen. Andere würden Angehörigen mit ihrem Ersparten aushelfen, berichtet Bierbaum. In der Folge könnten sie dann ihre eigenen Rechnungen nicht mehr begleichen.

Bereits eine kleine Forderung könne dazu führen, dass sich jemand verschuldet, sagt Bierbaum. Wenn die Waschmaschine kaputt geht, vernachlässige derjenige beispielsweise seine Stromrechnung, um die Reparatur zu bezahlen. Häufig setze sich das Muster fort. Bierbaum versucht, die Schulden seiner Mandanten zu regulieren, prüft, ob ein Vergleich sinnvoll ist. „Je mehr Gläubiger es gibt, je höher die Schulden sind, desto schwieriger wird ein Vergleich“, weiß Bierbaum. Viele Gläubiger seien inzwischen nicht mehr bereit, einem Vergleich zuzustimmen, bei dem wenigstens ein Teil der Schuld beglichen wird. Vor einigen Jahren sei das noch anders gewesen, sagt der Schuldnerberater. Auch die Banken seien mittlerweile „engstirniger“ als noch vor einigen Jahren, beobachtet er.

Meist enden seine Beratungen mit Insolvenzverfahren: Bis zu 100 Insolvenzen betreut die Beratungsstelle der Diakonie in Markkleeberg und Markranstädt jährlich. Jedem Antrag gingen etwa sechs Sitzungen voraus, sagt Bierbaum. Etwa 200 Akten bearbeitet ein Berater im Jahr in der Region. Und die Nachfrage ist ungebrochen: Derzeit betrage die Wartezeit für einen ersten Termin etwa zwei Monate, erzählt Bierbaum.

In den Sprechstunden klärt er mit seinen Mandanten auch, was sie ändern müssen, um künftig keinen Schuldenberg mehr anzuhäufen. Zunächst würden klare Budget-Grenzen festgelegt. „Dann werden die Primärverbindlichkeiten geklärt“, sagt Bierbaum. Miete und Strom gehörten dazu. „Wenn ich da Schulden habe, habe ich ziemlich große Probleme“, stellt der Schuldnerberater fest.

Neben Beratung ist ihm auch Präventionsarbeit wichtig: Beim Verein Columbus Junior in Zwenkau klärt er Jugendlichen etwa über die Gefahren leichtfertig abgeschlossener Verträge auf. Bierbaum arbeitet eng mit dem Seehaus in Störmthal zusammen, wo Jugendliche einen alternativen Strafvollzug absolvieren können.

Zunehmend schule er auch Lehrer und Mitarbeiter der Arbeitsagentur, um Verschuldungen vorzubeugen. Bildung sei dabei unerlässlich: Für Schulden anfällig seien gerade weniger gebildete und gebrechliche Menschen, sagt Bierbaum. „Selbst ein Ottonormalverbraucher versteht Vertragsklauseln nicht, wie soll das jemand verstehen, der vielleicht schon etwas tatterig ist?“, fragt er.

Betroffene können sich für die Schuldnerberatung der Diakonie Leipziger Land unter 03433-274020 anmelden.

Von Theresa Held

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