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In Großpösna wird die Geschichte des Neuseenlandes aufbewahrt

30.000 Fotos, 60 Meter Akten In Großpösna wird die Geschichte des Neuseenlandes aufbewahrt

2000 Bücher und Schriften, 30 000 Fotos, 60 Meter laufende Akten, Nachlässe, Tagebücher, Signalhörner, Grubenlampen:Im Soziokulturellen Zentrum Kuhstall in Großpösna wächst die Neuseenland-Sammlung jeden Tag ein Stück.

Martin Baumert, Solvey Krug und Peter Krümmel (v.l.) in der Sammlung, die alleine 2000 Schriften, 30 000 Fotos und 60 Meter Akten beinhaltet.

Quelle: Kempner

Grosspösna. 2000 Bücher und Schriften, 30 000 Fotos, 60 Meter laufende Akten, Nachlässe, Tagebücher, Signalhörner, Grubenlampen: Unterm Dach des Vereins Soziokulturelles Zentrum Kuhstall in Großpösna wächst die Neuseenland-Sammlung jeden Tag ein Stück. Am Freitag soll das Archiv zur Geschichte von Braunkohlebergbau und Landschaftswandel eröffnet werden und danach jedermann zugänglich sein.

„Scheinwerfer“ nannte sich zum Beispiel die Betriebszeitung des VEB Braunkohlekombinats Borna. Von den frühen 1950er Jahren bis zur Wende finden sich die meisten Exemplare in der Sammlung. ASW-Mitteilungen hieß eine andere, inzwischen selten aufzufindende Publikation. Vergleichsweise Massenware war dagegen die LVZ, die allerdings mit hunderten von Zeitungsbeiträgen über Jahrzehnte hinweg die Entwicklung von der Landschaft zu den Gruben und dann zu den Seen verfolgte.

Die Publikationen sind nur ein Teil der riesigen Sammlung. Schulwandkarten, Brigadetagebücher, Landschaftsmodelle, Vorschriftenbücher, Schaubriketts, Uniformen - das Spektrum der gesammelten Objekte umfasst so ziemlich alles, was bei den Kumpeln im Bergbau vorkam und später bis zu den Seen führte. Archivarin Solvey Krug und Historiker Martin Baumert hüten diese Schätze, bringen sie in die richtige Ordnung, werden sie katalogisieren, mit Schlagwörtern versehen, für die wissenschaftliche Aufarbeitung erreichbar machen.

Leichter gesagt als getan. Ein Riesenberg an Material wartet auf die gleichen Schritte. Allein das Durchsehen verschlingt Zeit, das Verschlagworten weitere, das manuelle Eintippen nochmal. „Viel mehr als 15 Objekte an einem Tag schafft man da nicht“, weiß Baumert aus Erfahrung. Die Daten fließen in das Archivsystem Faust ein, mit dessen Hilfe auch ein Sächsisches Wirtschaftarchiv aufgebaut wird. In Mitteldeutschland soll zudem eine Art Dokumentationszentrum der Industrie- und Kulturlandschaft entstehen, das dann auch auf die Exponate, Akten und Fotos der Neuseenland-Sammlung zurückgreifen könnte.

Helfer wie Klaus Börner braucht es da. „Der ehemalige Werkbahnchef aus Espenhain hat schon rund 28 000 Bilder eingescannt und über ein Findbuch zugänglich gemacht“, erzählt Peter Krümmel, Geschäftsführer des Kuhstall-Vereins. Ziel sei es, diese einmalige Bildersammlung aus dem Tagebau und dessen Umfeld online stellen zu können, stellt er sich vor.

Helfer brauche es aber auch bei den Jüngeren, meint Baumert. Er möchte bei ihnen ein Bewusstsein zur besonderen Geschichte der Region schaffen. „Jeden Tag stirbt jemand, schmeißen Enkel dann etwas weg“, erklärt er. Unwiderbringlich gehe so manches zur Tagebaugeschichte verloren. Er bittet darum, lieber Dinge, die einen Bezug zur Braunkohle und der Bergbaufolgelandschaft haben, in der Sammlung abzugeben.

So wie Gerd Krah etwa, der dem Team ein altes Signalhorn aus dem Tagebau überließ. Oder wie Heinz Dorn, der etliche Auszeichnungen übergab. Oder Erhard Müller, der einen ganzen Karton mit Dokumenten und Akten füllte. Auf Wunsch würde diese Gegenstände und Unterlagen mit dem Namen des Leihgebers zusammengehalten, so Krümmel. Etliche dieser „Vorlässe“ sammeln sich bereits im Verein. Und einige seien auch schon so lange da, dass sie inzwischen zu Nachlässen geworden sind, so Krümmel. Aber wenigstens blieben so die Erinnerungen erhalten.

Die Schau in den Vereinsräumlichkeiten in der Hauptstraße 19 soll künftig mittwochs von 9 bis 12 und 13 bis 16 Uhr geöffnet sein.

Von Jörg ter Vehn

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