Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Markkleeberg In Löbschütz war schon in der Jungsteinzeit viel los
Region Markkleeberg In Löbschütz war schon in der Jungsteinzeit viel los
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:02 07.06.2018
Tausende Funde, deren Herkunft sich teilweise bis in die Jungsteinzeit hinein zurückverfolgen lässt, werden entlang der Ferngastrasse mühsam ans Tageslicht befördert, von der Erde befreit, katalogisiert und dokumentiert.  Quelle: Fotos: Gislinde Redepenning
Zwenkau

Die Ferngasleitung zwischen Räpitz bei Markranstädt und Niederhohndorf bei Zwickau muss auf einer Gesamtlänge von 70 Kilometern komplett erneuert werden. Vor dem Baubeginn durch die Ontras Gastransport GmbH wühlen sich noch bis zum Ende des Monats Geschichtsforscher akribisch durch die Erdschichten.

Seit Oktober letzten Jahres führt das Landesamt für Archäologie auf rund 30 Hektar entlang der Trasse Ausgrabungen durch. Und das erfolgreich. Die Mitarbeiter haben Hinweise auf Ansiedlungen von der Jungsteinzeit an quer durch alle Epochen bis ins Mittelalter entdeckt. Besonders reich sind die Funde in Löbschütz. Als die landwirtschaftlichen Mitarbeiter in den letzten Jahrzehnten die Felder in Löbschütz bestellten, haben sie daran wohl keinen Gedanken daran verschwendet, dass hier bereits 5000 Jahre vor Christus Menschen gelebt haben. Typische bandkeramische Strukturen auf Gefäßen deuten darauf hin.

Ontras und Archäologen arbeiten Hand in Hand

„Wir sehen die Untersuchungen mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, erklärt Ontras-Pressesprecher Ralf Borschinsky. „Lachend weil wir die Bedeutung der Funde erkennen, weinend, wenn sich die Bautätigkeit verzögern würde.“ Die Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde habe sich über die Jahre deutlich verbessert, man habe schon viele gemeinsame Großprojekte in Angriff genommen und Spannendes entdeckt.

Bevor mit Großgerät gebaggert wird, arbeiten sich die Archäologen in mühevoller Kleinarbeit durch vorher festgelegte Abschnitte. Quelle: Gislinde Redepenning

Harald Stäuble, Referatsleiter für Großprojekte vom Landesamt für Archäologie, erläutert das Vorgehen. „Wir kratzen nicht nur mit dem Pinsel an Scherben, wir retten kulturgeschichtlich wertvolle Informationen und kommen zu neuen Kenntnissen über die Region“, betont er. „Oft finden wir an einer Stelle Hinweise auf viele Kulturen.“ So könnte eine Tontrommel aus der Zeit um 3200 vor Christus während der Zeremonie gespielt worden sein oder sie war eine Grabbeigabe, die auch bei einer bronzezeitlichen Nachbestattung 1000 Jahre später verwendet wurde. An Bodenstrukturen und Verfärbungen lesen die Archäologen nicht nur heraus, wo Feuerstellen gewesen sind, sondern auch welcher Art sie waren. Sie unterscheiden Wirtschafts- und Wohnbereiche in den Häusern.

Fundstücke im fünfstelligen Bereich kommen ans Tageslicht

Insgesamt arbeiten 60 Mitarbeiter in acht Teams an 16 bedeutenden Fundstellen. Sie haben eine trapezförmige Anlage entdeckt, die auf eine Kultstätte hindeutet. Luftbilder verraten anhand erkennbarer Umrisse, wo jahrtausendelang etwas verborgen liegt. Man arbeitet sich danach systematisch in tiefere Bodenschichten vor oder entscheidet nach einem Suchschnitt, ob weitere Grabungen Sinn ergeben. Gefäße und Keramikfragmente, Steinwerkzeuge und sogar ein Skelett wurden ans Tageslicht befördert. Tausende Fundstücke im fünfstelligen Bereich werden wohl zusammenkommen. „Sie verschwinden dann in Magazinen, für die nächsten Jahrtausende“, sagt Stäuble mit einem Augenzwinkern. Schon zwischen 1957 und 1968, als die Ferngasleitung errichtet wurde, müsse es Funde gegeben haben. Doch hatte man damals, so Stäuble, wohl andere Sorgen als diese zu melden.

Von Gislinde Redepenning

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Gibt’ s irgendwo noch Stühle?“ Das wurde zur spannendsten Frage des Eröffnungskonzertes der Sommertöne am Sonntagnachmittag in der Kirchenruine Wachau. Das von der Sparkasse Leipzig präsentierte Festival sorgte für lange Schlangen an der Abendkasse und ein volles Kirchenschiff unter freiem Himmel.

06.06.2018

Drei nagelneue Trockentoiletten stehen am Störmthaler See. Mindestens schon zwei Mal musste jeweils eine von ihnen aber wegen mutwilliger Sachschäden geschlossen bleiben. 500 Euro bekommt, wer Hinweise geben kann, die zu den Tätern führen.

05.06.2018

Die Sieger der Jubiläumsauflage des Mitgas-Schüler-Raftings kommen aus Leipzig. Die Paddler der neunten Klasse des Freien Gymnasiums Zwenkau schafften es gegen starke Konkurrenz von immerhin 67 Schulen auf einen siebten Platz.

02.06.2018