Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Kennen lernen, um Ängste abzubauen

Infoabend zu geplanter Flüchtlingsunterkunft Kennen lernen, um Ängste abzubauen

Noch ist kein Flüchtling in der Gemeinschaftsunterkunft des Kreises im Ortszentrum von Großpösna untergebracht, die Container stehen noch nicht einmal. Aber viele Ängste haben sich schon aufgebaut. Die wollte die Gemeinde am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung abbauen helfen.

Rund 300 Besucher kamen am Donnerstag zum Infoabend von Kreis und Gemeinde, um sich über die geplante Unterbringung von rund einhundert Flüchtlingen in Großpösna zu informieren. Hier spricht Landrat Henry Graichen.

Quelle: André Kempner

Großpösna, Großpösna. Noch ist kein Flüchtling in der Gemeinschaftsunterkunft des Kreises im Ortszentrum von Großpösna untergebracht, die Container stehen noch nicht einmal. Aber viele Ängste haben sich schon aufgebaut. Die wollte die Gemeinde am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung abbauen helfen.

Hochkarätige Gäste standen den rund 300 Besuchern dazu Rede und Antwort. Allen voran Landrat Henry Graichen (CDU), die Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf, Landtagsmitglied Svend-Gunnar Kirmes (beide CDU), Polizeidirektor Jens Galka von der PD Leipzig, DRK-Chef Jens Bruske und Bürgermeisterin Gabriela Lantzsch (parteilos). Frank Richter, Direktor der Landeszentrale für Politische Bildung, moderierte gekonnt, ließ Polemik und Buh-Rufe einiger Gäste schon mal durch, um an anderen Stellen demokratische Grundbegriffe klarzustellen. Hier die wichtigsten Antworten, jeweils mit Quelle:

Ende Januar lebten 2800 im Kreis, die größten Gruppen stammen aus Syrien (800), Afghanistan (400) sowie Pakistan und dem Irak (je 200). 35 Prozent sind aktuell Kinder und Jugendliche (Graichen).

Nach innen durch den Wachschutz rund um die Uhr, nach außen durch die Polizei (Bruske). Es kommen nicht 100 Straftäter, sondern 100 Flüchtlinge. Eine signifikante Zunahme von Straftaten im Umfeld von Gemeinschaftsunterkünften gab es noch nie. Großpösna ist einer der sichersten Orte im Kreis, soll es auch bleiben. Wichtig ist dabei Kommunikation. Die Polizei wird ihre Präsenz erhöhen, rückt bei Gefahr für Leib und Leben mit Blaulicht auch aus Leipzig an (Galka). Konkreteres blieb aus - wegen der „Polizeitaktik“.

? Bislang ist in der Richtung nichts passiert. Warum soll es jetzt in Großpösna? Hier ist nicht Köln (Galka). Vorsorglich haben wir für die erste Zeit eine Person gefunden, die die Kinder vom Schulhort zur Bushaltestelle begleitet (Lantzsch).

Teils durch Arbeiten im Haus, teils durch Mitgliedschaft in Vereinen, etwa beim Sport (Bruske). Jeder muss einen Deutschkurs belegen, der dezentral vor Ort durchgeführt wird. Kinder sind schulpflichtig. Es gibt Arbeitsmöglichkeiten ähnlich den Ein-Euro-Jobs (Graichen). Botanischer Garten Oberholz, Tierheim Oelzschau, der Bauhof und andere hätten schon Bedarf an Hilfe, Vereine an Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert (Lantzsch).

Das Recht ist für alle gleich. Ob Ermahnung, Wegsperren oder Ausweisung würden letztlich Staatsanwälte und Richter entscheiden (Galka). Wenn es Probleme gibt, rede ich mit dem Landrat und schaue, ob wir jemanden umsortieren können (Lantzsch).

Ich bin beeindruckt von der Hilfsbereitschaft schon im Vorfeld. Hilfe bei Arztbesuchen, beim Einkauf, beim Deutschunterricht - vieles ist schon auf dem Weg. Am besten geht Hilfe über Vereine und Institutionen (Bruske). Die Gemeinde hat zwei Frauen, eine spricht Arabisch, über eine Art Freiwilligendienst engagiert, die die ehrenamtliche Arbeit koordinieren, auch zum Beispiel eine Kleiderkammer aufbauen. Ich würde mir auch Patenschaften für Flüchtlingsfamilien wünschen, so gelingt Integration am schnellsten (Lantzsch).

Durch Kontakte (Galka). Wenn wir sie kennen lernen, können wir diese Ängste abbauen. Wir sollten aufeinander zugehen (Lantzsch). Sie erinnerte auch an die Vorbehalte gegen den offenen Jugendstrafvollzug in Störmthal, der inzwischen in ein „Bleibt Doch“ umgeschwungen sei.

Franziska Litwinski von der Diakonie Leipziger Land berichtete zudem von ihrer Arbeit beim Projekt „Weltennachbarn“ etwa in der Bornaer Gemeinschaftsunterkunft. Dort habe es auch erst große Ängste gegeben. „Wenn sich die Leute kennenlernen, wird sich die Situation entspannen“, war ihre Erfahrung. „Probieren Sie, sich einzubringen. Seien Sie geduldig, das Leben hier zu erklären“, waren Ihre Tipps.

Zu einem Eklat kam es bei einer Äußerung von Bundestagsmitglied Landgraf (CDU). Sie hatte auf den Vorwurf „Unrechtsstaat“ angesichts der Außer-Kraft-Setzung der Dritt-Länder-Asylregelung und weiterer ausländerkritischen Worte die Fassung verloren und Großpösna verbal in die braune Ecke gedrängt. „Wenn Sie vielleicht mal irgendwann auf der Flucht sind und vor der Tür anderer stehen, werden Sie noch an diesen Abend denken“, sagte sie, erntete laute Buh-Rufe und heftige Gegenrede angesichts der Pauschalkritik. Später entschuldigte sie sich, berichtete auch von Ängsten innerhalb ihrer eigenen Familie. Es sei für alle eine schwere Zeit, der Bundestag sei auch nicht gefragt worden, jetzt müssten alle das Beste daraus machen. Im Übrigen bemühe sich die Bundesregierung ja gerade darum, die Fluchtgründe zu bekämpfen und etwa in Syrien Frieden zu schaffen.

Die Unterkunft

Mit dem DRK wird in Großpösna zum ersten Mal im Landkreis ein Freier Träger, der auch andere soziale Einrichtungen hat, eine Gemeinschaftsunterkunft betreiben. Das Areal nahe dem Bürger- und Vereinshaus liegt südlich der Straße „Hinter den Gärten“ und neben der Feuerwehr, wird laut Landrat Henry Graichen voraussichtlich im Mai bebaut, soll ab Anfang Juni rund hundert Flüchtlinge aufnehmen. Der Komplex gliedert sich in drei Gebäude: Ein Eingangshaus mit Pförtner, Arztraum und Lager, sowie zwei verschieden große Wohnhäuser. Im größeren sind auch Heimleitung, ein Gemeinschaftsraum sowie fünf Waschmaschinen untergebracht.

Als Besonderheit werde es jeweils Wohngruppen á zehn Asylbewerber geben, so DRK-Vorstand Jens Bruske. Diese teilten sich zwei Zimmer sowie Küche, WC und Dusche. Jeder Bewohner erhalte eine Art Chipkarte, mit der er am Pförtner vorbei und in die Unterkunft komme, damit aber nur seinen Wohnbereich öffnen könne. Die Bewohner suchten sich beim Einzug selbst ihre „Zimmergenossen“ aus , um Unfrieden zwischen ethnischen Gruppen zu vermeiden und schon im Vorfeld Konflikte zu minimieren. In den Wohngruppen seien die Flüchtlinge selbst fürs Einkaufen, Kochen, Putzen und Aufräumen zuständig, erklärte Bruske.

Es werde einen Sozialarbeiter des DRK geben, der Wachschutz sei rund um die Uhr besetzt und wisse durch die Chipkarten, wer in der Unterkunft sei.

Von Jörg ter Vehn

Großpösna. rittergut 51.268364478363 12.502214638098
Großpösna. rittergut
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Markkleeberg
  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • LVZ-Fahrradfest
    Logo LVZ-Fahrradfest

    LVZ-Fahrradfest 2016: Sehen Sie hier einen Rückblick mit vielen Fotos von allen Starts, Videos und mehr. mehr