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Markkleeberg Kies-Abbau-Gegner: "Wir haben genug Wasser, wir brauchen Landwirtschaft"
Region Markkleeberg Kies-Abbau-Gegner: "Wir haben genug Wasser, wir brauchen Landwirtschaft"
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23:59 29.04.2015

Das haben sie am Montagabend im Saal Zitzschen sehr deutlich gemacht.

"Das ist heute kein Tribunal. Sie können im Rahmen des Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahrens Ihre Interessen vorbringen", appellierte Regionalplaner Andreas Berkner an die 150 Bürger. Und die sind klar definiert: Keine Vernichtung von Äckern, keine weiteren Seen. Doch genau das will die MDB.

"Das Kieswerk Rehbach läuft 2017 aus. Dann wollen wir von hier aus die Betonwerke in der Region bedienen", sagte Geschäftsführer Thomas Jung. Bis 2056 will er 20 Millionen Tonnen Kies aus 174 Hektar Erde holen. Bewilligungen hat die Firma für 284 Hektar in den Feldern Zitzschen (129) und Großdalzig (155), planfestgestellt ist seit 2004 der Abbau von 100 Hektar um Zitzschen.

Doch dies gilt für den Trockenabbau. Wegen des hohen Grundwassers ist der nicht mehr rentabel. Der Nassabbau verspricht zudem mehr Ausbeute, bedeutet aber auch einen dauerhaften Eingriff in die Landschaft. Denn im Wasser darf nur gleiches Material verkippt werden. Was praktisch unmöglich, weil zu teuer ist. Aus guten Äckern werden ergo drei Seen. "Ich hoffe, dass wir Anregungen erhalten, damit wir alle mit dem Abbau leben können", sagte Jung.

Und erntete Protest. "Lasst uns am 9. Mai zur See-Eröffnung fahren und Ministerpräsident Tillich zeigen, was wir davon halten", forderte der Kitzener Michael May. Andere wollten erst mal Antworten. Eine Frau aus Rodeland hatte sich im Berggesetz belesen und meinte, dass eine Bewilligung, die binnen drei Jahren nicht genutzt wird, verfällt. "So einfach ist das nicht, die können verlängert werden", sagte Christof Voigt vom Oberbergamt. Die Bewilligungen Zitzschen und Großdalzig laufen bis 2021.

"Sie wollen Ihren Betrieb sichern, zerstören aber unsere Existenz. Was soll aus uns werden?", fragte Landwirt Gert Becker aus Zitzschen. Anwalt Alexander Wagner wollte wissen, wann die MDB mit Eigentümern verhandelt und was die für Sicherheiten haben. "In der ersten Instanz Rechtsschutz durch das Planfeststellungsverfahren, wo sie gehört werden müssen. In der zweiten: Nach einem Grundabtretungsverfahren können sie klagen", sagte Berkner.

Das Problem: Im Osten gibt es seit 1990 zwei Eigentumstitel. Was unter der Oberfläche liegt, ist Gemeineigentum. Berkner bezeichnete dies als "Konstruktionsfehler des Einigungsvertrages". Ein Landwirt aus Schkorlopp zog ein nüchternes Fazit: "Uns hat zu DDR-Zeiten nichts gehört, heute ist es nicht anders."

Thema, wie immer in der Elsteraue, war das Grundwasser. Auch wenn sich dessen Höhe laut Jung nur marginal verändern wird. "Wir haben zu viel erlebt, als dass wir Prognosen noch trauen", meinte Sandro Berthold aus Tellschütz. Im Zweifelsfall stünden Betriebe und Familien vor dem Ruin. "Wir haben genug Wasser, wir brauchen Landwirtschaft", sagte Pfarrerin Barbara Hüneburg. Berkner blies ins gleiche Horn: "Konzentrieren Sie sich auf das Feld Zitzschen, lassen Sie die Hände von Großdalzig."

In der Kritik stand auch Holger Schulz (CDU). Fünf Wochen vor der Bürgermeisterwahl zeigten sich die Zitzschener "enttäuscht". "Was tun Sie eigentlich gegen den Kies-Abbau?", fragte Renate Hinrichs. Die Stadt sei auch dagegen, wisse aber noch nicht lange davon, so Schulz wenig glaubhaft, bot aber an, die Interessen der Gegner zu bündeln. Inzwischen hat er Antrag auf Verlängerung der Einwendungsfrist für das Raumordnungsverfahren bis 31. Mai gestellt, um noch einen Stadtratsbeschluss herbeiführen zu können. Die Bürger müssen ihre Einsprüche ungeachtet dessen bis 20. Mai bei der Landesdirektion in Leipzig abgeben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.04.2015

Ulrike Witt

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