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Kinderheim Völkerfreundschaft ist seit 60 Jahren ein Zuhause auf Zeit

Kinderheim Völkerfreundschaft ist seit 60 Jahren ein Zuhause auf Zeit

"Moment, ich komme", ruft Katrin Stephan über den Zaun. Die 45-jährige leitet das Kinderheim Völkerfreundschaft in der Lößniger Straße in Markkleeberg. Mit dem Hausmeister und einigen Kindern wirbelt sie durch den Garten der alten Villa.

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Tiere spielen im Kinderheim eine große Rolle: Katrin Stephan schaut mit einigen ihrer Schützlinge und Golden Retriever Janka nach den Kaninchen.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. "Heute ist Hausputz, wir bekommen doch Gäste", erklärt sie bei der Begrüßung.

Die Völkis, wie Stephan ihre 17 Schützlinge liebevoll nennt, erwarten morgen Nachmittag 150 Besucher, darunter Bürgermeister Philipp Staude, Kreis-Jugendamtsleiter Thomas Pfeifer, ehemalige Heimbewohner und Mitarbeiter und - ganz wichtig - Angehörige. Zum Feiern gibt es zwei gute Gründe: 60 Jahre Kinderheim und 20 Jahre Trägerschaft der Volkssolidarität Leipziger Land/Muldental. Seit Wochen laufen die Vorbereitungen, Stephan ist aufgeregt. "Das letzte große Fest ist schon ein paar Jahre her."

Und der Alltag ist hart. Die meisten der Sechs- bis 18-Jährigen stammen aus zerrütteten Familien. Die Eltern haben entweder psychische Probleme, konsumieren Drogen oder sind gewalttätig. Mit Folgen: Die Mädchen und Jungen entwickeln sich geistig und körperlich nicht altersgemäß, sind nicht selten verhaltensauffällig. "Die größte Herausforderung ist, Vertrauen aufzubauen. Manche haben nie Liebe erfahren, sind so oft zurückgestoßen worden, dass sie Nähe gar nicht mehr zulassen können", erklärt Stephan.

Um so mehr freut sie sich mit den acht Erziehern, wenn es jemand packt. Stolz zeigt sie den Brief eines Ehemaligen, der gerade eine Ausbildung absolviert und mit seiner Freundin in der eigenen Wohnung lebt. "Es gibt nichts Schöneres. Wir sagen immer, lernt, macht einen Schulabschluss, dann habt ihr eine Chance", so Stephan. Irgendwann sollen ihre jetzigen Kinder auch so weit sein. "Das wird nicht allen gelingen. Aber ich bin froh, dass wir die Erfolgsquote in den letzten 15 Jahren, in denen ich Leiterin bin, von 30 auf 70 Prozent erhöhen konnten."

Derzeit werden die Kinder und Jugendlichen in zwei altersgemischten Gruppen betreut. Jede hat einen Aufenthaltsraum mit Couch, Esstisch, Fernseher und PC. Die Kinder schlafen in individuell gestalteten Zwei-Bett-Zimmern. Im Souterrain ist ein Aktivraum zum Tanzen, Spielen und Auspowern, unterm Dach ein Therapieraum mit Snoozleecke. "Den konnten wir 2007 dank Spenden eröffnen. Psychologen, Physiotherapeuten und Logopäden kommen seither ins Haus, was uns lange Wege erspart", sagt Stephan.

Ein beliebter Treffpunkt für alle ist die Küche. Köchin Carmen Weißer bereitet montags bis freitags ein frisches Mittagessen. Heute gibt es Spinat und Rührei. Der Duft zieht durchs Haus und lockt die ersten an den Herd. "In den Ferien schnippeln wir zusammen Salat, kochen die Lieblingsgerichte unserer Kinder und backen auch mal Kuchen und Brot", erzählt Weißer. Besonders wichtig sei dies für die Großen. "Sobald sie 14 Jahre alt sind, trainieren wir die Selbstversorgung. Dazu zählt nicht nur kochen, sondern auch putzen, bügeln und nähen", betont Stephan.

Eine wichtige Aufgabe kommt auch den tierischen Mitbewohnern zu. Das sind die beiden Golden Retriever Alina und Janka, sechs Kaninchen und die Schildkröten Kaspar und Friedolin. "Die Hunde nehmen Ängste und werden zu verlässlichen Vertrauten", weiß Stephan.

Ein Dankeschön möchte sie unbedingt noch loswerden: "Ohne die Hilfe der EnviaM-Mitarbeiter, die uns letzte Woche trotz strömenden Regens unsere Spiel- und Sportgeräte instandgesetzt haben, sähe es jetzt nicht so schön bei uns aus."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.05.2013

Ulrike Witt

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