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Markkleeberg Kirchweihfest zu Gautzsch anno 1717 – eine Reise in die Vergangenheit
Region Markkleeberg Kirchweihfest zu Gautzsch anno 1717 – eine Reise in die Vergangenheit
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07:00 07.11.2017
Die historischen Protagonisten halten am Sonntagnachmittag Einzug in der festlich geschmückten Martin-Luther-Kirchgemeinde. Geweiht wurde die „Kirche zu Gautzsch“ am 2. November 1717. Quelle: André Kempner
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Markkkleeberg

Hinter der Martin-Luther-Kirchgemeinde liegt ein Jahr voller Höhepunkte. Unter dem Motto „Von Schatz zu Schatz“ bereiteten die Mitglieder das 300. Jubiläum ihres barocken Gotteshauses vor. Abschluss und Krönung des Jahres waren der Festgottesdienst und das Festkonzert am Wochenende. Für die Gemeinde eine beeindruckende Reise in die Geschichte.

Der Festgottesdienst lehnt sich an den Kirchweihgottesdienst vom 2. November 1717 an. Details zum Ablauf seien nicht bekannt, Aufzeichnungen gebe es nicht, sagt Pfarrer Arndt Haubold. Bekannt sind hingegen die damaligen Protagonisten. Mit dem Glockenschlag Punkt 16 Uhr ziehen sie am Sonntag feierlich in historischer Kleidung in die voll besetzte Kirche ein. Die Gemeinde erhebt sich, Kerzen brennen, Blumen schmücken die Kirchenbänke. Die Kinder – es sind viele Familien gekommen – staunen.

Es sei ein Sauwetter an jenem 3. Reformationsfeiertag 1717 gewesen, erzählt der alte Superintendent Johann Dornfeld von St. Thomae in Leipzig. Die Gemeinde schmunzelt, heute ist es nicht besser. Professor Christian Friedrich Börner, damals Dekan der Theologischen Fakultät in Leipzig, überbringt seine Grußworte in Latein. Ungewohnt für unsere heutigen Ohren. Haubold ist in die Rolle des Pfarrsubstituts Sigismund Heinsius geschlüpft. Er leitet die Kirchweihe, weil Pfarrer Johann Bosseck, übrigens sein Schwiegervater, „gebrechlich darnieder liegt“.

Die Honoratioren geben sich die Ehre: allen voran Patronatsherr, Kammer- und Kommerzienrat Wolfgang Jöcher. Der Bewohner des Gautzscher Herrenhauses hat die neue Kirche finanziert. „5000 Taler geopfert, nach dem Hinscheiden meiner Ehefrau“, berichtet er. Allein 100 Eichen seien verbaut worden. In nur sieben Monaten. Erst Ende März 1717 ist der Vorgängerbau abgerissen, im August Richtfest gefeiert, im September die Turmbekrönung aufgezogen worden. „Wie haben die das nur gemacht? Warum dauert heute alles so lange?“, fragt eine Frau leise ihren Banknachbarn.

Landbaumeister David Schatz, der fast zeitgleich die Katharinenkirche in Großdeuben errichtet hat, hatte es aber wohl auch nicht leicht: „Ich habe mit Pfarrer Bosseck alles besprochen, was die Gemeinde so braucht, genau bedacht. Jöcher hat natürlich immer wieder dazwischen gefunkt. Wer bezahlt, bestimmt.“ Manches ändert sich nie, die Gemeinde schmunzelt. Geweiht wurde an jenem 2. November auch die Orgel. Kantor Johann George Ewig alias Kantor Frank Zimpel ist auch zugegen. Er übernimmt den musikalischen Part: beim Festkonzert am Samstag getragen von Händel, am Sonntag mit Barockwerken von Johann Sebastian Bach und Johann Pachelbel.

Um 18 Uhr, der Festgottesdienst ist vorbei, ist der Viertel- und Stundenschlag nach Jahrzehnten wieder vom Kirchturm zu hören. Es sind die zwei Schlagglocken, die Jöcher 1717 gießen ließ. Die Gemeinde zieht derweil mit Regenschirmen ausgerüstet in den Kees‘schen Park zur Feuershow mit „Inflammati“.

Von Ulrike Wítt

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