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Klares Votum für Agra-Park von Denkmalpflegerin

Klares Votum für Agra-Park von Denkmalpflegerin

Markkleeberg. Die Wiederherstellung des Herfurth´schen Landschaftsparks ist das erklärte Ziel des Bürgervereins Pro Agra-Park.

Seit einem Jahr kämpfen die Mitglieder für die Tieferlegung der B2. Eine Säule ist dabei der Denkmalschutz. Rückendeckung erhält der Verein von Denkmalpflegerin Josephine Dreßler.

"Die Brücke ist ein Fremdkörper, der eliminiert werden muss. Ein Ersatzneubau käme einer Nichtbeachtung der denkmalschutzrechtlichen Belange gleich." Diese Sätze, in der von Dreßler an der Universität Bamberg vorgelegten und mit Eins bewerteten Masterarbeit, gehen dem Vereinsvorsitzendem Karsten Schütze runter wie Öl. Deshalb lud er die junge Frau ein, am Donnerstagabend ihre Erkenntnisse der Öffentlichkeit im Kleinen Lindensaal vorzustellen.

Dreßler hat für die 230 Seiten lange Arbeit die Gebäude und Skulpturen auf dem gesamten Agra-Gelände untersucht. "Auf die Idee bin ich während meines Kunstgeschichtsstudiums an der Leipziger Uni gekommen. Mich haben damals besonders die Bauten der Fünfzigerjahre interessiert, aber natürlich auch der unter Denkmalschutz stehende und als Gartendenkmal geführte Agra-Park", so die 24-jährige Geithainerin.

Das Agra-Areal sei ein herausragendes historisches Zeugnis, das beispielhaft den vom Großbürgertum bevorzugten Baustil Ende des 19. Jahrhunderts präsentiere, aber eben auch die Architektur der DDR. "Leider ist der aktuelle Zustand vieler Gebäude und Skulpturen nicht hinnehmbar", betonte die Denkmalpflegerin. Es müsse dringend etwas getan werden, um das Ensemble zu erhalten. So seien etliche Skulpturen zugewachsen, der Teich am Tempel verlandet. "Da der Tempel zu Markkleeberg gehört, der Teich aber zu Leipzig ist eine enge Zusammenarbeit beider Kommunen, wie so oft in dem zweigeteilten Gelände, zwingend", meinte Dreßler.

Die junge Frau ist bei ihren Untersuchungen auch auf Skurriles gestoßen. "Die Skulpturen, die einst die Musenallee säumten und heute hinterm Weißen Haus stehen, sind irgendwann vertauscht worden. Sockel und Figuren passen nicht zusammen." Außerdem gebe es einen erheblichen Schwund und eine Marginalisierung von Kunst. "Viele in alten Plänen enthaltene Skulpturen habe ich nicht gefunden. Bei anderen fehlen Teile oder sie sind mit Graffiti beschmiert", so Dreßler. Besonders stiefmütterlich würden die ab Mitte der Achtziger in Bildhauerpleinairs entstandenen Skulpturen unter der B2-Brücke behandelt. Bedauerlich sei auch, dass Einzeldenkmale wie das Schweizer Haus, nicht glücklich restauriert worden seien. Kritik äußerte Dreßler zudem an der 1956 im stalinschen Zuckerbäckerstil erbauten Parkgaststätte, deren rechter Teil mit dem in der Rotunde angeordneten Treppenhaus privat genutzt und der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich ist. Nach der Wende seien überhaupt nur zwei Gebäude neu errichtet worden: das Landwirtschaftsmuseum (1998) und die Ökoschule (2009), die wiederum Spiegel ihrer Zeit sind.

"Die vom Landschaftsbüro Seelemann vor mehr als zehn Jahren erarbeitete denkmalpflegerische Zielstellung für den Agra-Park würde durch einen Ersatz der Brücke gefährdet. Ein Neubau wäre eine Wiederholung der unsensiblen Verkehrsplanung der Siebziger", sagte Dreßler. Nur in einem Punkt geht sie mit dem Bürgerverein, in dem sie selbst Mitglied ist, nicht mit: "Die alte Sichtachse von der Terrasse des Weißen Hauses wiederherzustellen, wäre nur ein historisierender Wiederaufbau, dem die Teichbrücke zum Opfer fallen würde."

Für den Vereinsvorsitzenden Schütze lässt die Masterarbeit nur einen Schluss zu: "Der Denkmalschutz muss endlich in die B2-Planungen einbezogen werden und lässt nur eine Lösung, die Tieferlegung, zu."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.03.2013

Ulrike Witt

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