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„Kleine Insel im großen Ozean“

„Kleine Insel im großen Ozean“

Die Biotechnologie hat Zukunft und bietet jungen Leuten daher beste Jobaussichten. Entsprechend groß war das Interesse am Samstag zum Tag der offenen Tür im Beruflichen Gymnasium Biotechnologie in der Raschwitzer Straße in Markkleeberg.

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Sie haben sich schon entschieden und werden am Beruflichen Gymnasium in Markkleeberg ihr Abitur ablegen: Marcus Tennstädt, Annemarie Werner, Kerstin Paasch und Nico Richter (von links) beim Experimentieren im Biotechnik-Labor.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. In der Außenstelle des Beruflichen Schulzentrums Leipziger Land (BSZ) werden Jugendliche in drei Jahren zur allgemeinen Hochschulreife geführt.

„Schüler und Eltern, die zu uns kommen, haben ganz konkrete Vorstellungen“, betonte Oberstufenlehrer Oswald Grüner. Kurz nach Neun umringten ihn die ersten Besucher, kurz vor Zwölf die letzten. Grüner, der Deutsch, Ethik, Biotechnik und Biologie unterrichtet und das wissenschaftliche Praktikum betreut, berichtete unter anderem vom Schüleraustauch mit dem Beruflichen Gymnasium in Pforzheim. „Wir haben dort aus den USA stammende Lebensmittel auf gentechnische Veränderungen untersucht. Das war wissenschaftliche Arbeit auf höchstem Niveau“, schwärmte er.

Familie Barthel/Toloczyki aus Machern zeigte sich denn auch überaus angetan. „Das Berufliche Gymnasium ist eine kleine einsame Insel im Großen Ozean“, meinte Christian Toloczyki. Er und Ehefrau Maria Barthel sind Branchenkenner. Beide arbeiten bei der Euroderm GmbH in Leipzig. 2007 wurde das Unternehmen mit Forschern der Universität Leipzig für ihre „Haut aus Haaren“ mit dem Innovationspreis der Industrie- und Handelskammer ausgezeichnet. „Unsere Tochter hat bei uns schon Praktikas absolviert“, erzählte Barthel stolz.

Noch besucht die 16-jährige Josefin aber das Gymnasium in Brandis. Im Sommer wird sie nach Markkleeberg wechseln. Der Grund: „In Sachsen kann man keinen Leistungskurs Biologie belegen.“ Für eine angehende Naturwissenschaftlerin, die schon bei „Jugend forscht“ mitgemacht hat, ein Unding. „Das ist wirklich absolut unverständlich. Schließlich haben wir in der Region Leipzig/Halle das Fraunhofer Institut, das Max-Planck-Institut und viele junge Biotechnologiefirmen. Und dann fehlen den Jugendlichen die Voraussetzungen, um in die Forschung gehen zu können“, beklagte Toloczyki.

„Dass es an den Gymnasien keinen Bio-Leistungskurs mehr gibt, spielt uns absolut in die Hände“, sagte Lehrer Grüner. Wie Josefin wechselten deshalb nach der Zehnten viele aufs Berufliche Gymnasium. Außenstellenleiterin Maren Deistler hat deshalb auch keine Sorge, ihre elfte Klasse im nächsten Schuljahr voll zu bekommen. Im Gegenteil. „Bei hoher Nachfrage haben wir sogar die Kapazitäten für eine zweite Klasse“, so die 43-Jährige.

Aktuell lernen 52 Schüler in der Raschwitzer Straße. Pro Klassenstufe eine. Unterrichtet werden die Jugendlichen von elf Pädagogen. Im Sommer 2013 ziehen sie vom Container-Interim, das das berufliche Gymnasium seit dem Umbau des früheren BSZ am Rathausplatz nutzt, nach Böhlen. Vor zweieinhalb Monaten wurde dort der Grundstein für den Ersatzneubau des Berufsschulzentrums gelegt. Der Träger, der Landkreis Leipzig, investiert rund 5,1 Millionen Euro. Die Zeit der Außenstellen in Borna, Regis-Breitingen und Markkleeberg ist also absehbar. „Unsere Schüler haben dann ideale Bedingungen. Das wird ein Schmeckerchen mit modernen Fachkabinetten und Laboren“, so Deistler.

Von einer Regelung im Kreis wird auch Karolin Beyer profitieren. Die 17-jährige, gebürtige Bautzenerin, kam extra aus Mecklenburg-Vorpommern angereist, wo sie derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr leistet. „Das Landratsamt übernimmt alle Fahrkosten, die zehn Euro im Monat übersteigen. Egal, wo die Schüler wohnen und egal, wie hoch das Einkommen der Eltern ist“, erläuterte Deistler. Das sei nicht selbstverständlich.

Karolin hat sich derweil schon entschieden. Sie will unbedingt nach Leipzig ziehen, um am Beruflichen Gymnasium auf ihr großes Ziel hin zu lernen. „Mich reizen die Möglichkeiten der Gentechnik. Das wäre ein Job für mich“, verriet sie. Überzeugt haben Karolin und ihre Mutter Sabine Beyer vor allem die von Grüner offerierten Praktikas am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, die fester Bestandteil der Ausbildung sind.

Weitere Informationen erhalten Interessierte im Beruflichen Gymnasium Biotechnologie in der Raschwitzer Straße 35 in Markkleeberg, Telefon 0341  3586922. E-Mails können an markkleeberg@bsz-leipziger-land.de gerichtet werden. Anmeldungen für das Schuljahr 2012/13 müssen spätestens am 31.  März vorliegen.

Ulrike Witt

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