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Knapp bemessenes Personal bringt Träger an ihre Grenzen

Flüchtlingsunterbringung Knapp bemessenes Personal bringt Träger an ihre Grenzen

Die sächsische Gleichstellungs- und Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) hat das Caritas Kinder- und Jugenddorf in Zöbigker besucht. Im Gespräch mit Leiterin Gabriele Fleck-Hartmuth und Betreuerin Jeannette Beiersdorf informierte sie sich über die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

Ministerin Petra Köpping (r.) spricht im Caritas Kinder- und Jugenddorf in Markkleeberg mit Leiterin Gabriele Fleck-Hartmuth.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Die sächsische Gleichstellungs- und Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) hat das Caritas Kinder- und Jugenddorf in Zöbigker besucht. Im Gespräch mit Leiterin Gabriele Fleck-Hartmuth und Betreuerin Jeannette Beiersdorf informierte sie sich über die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Fünf Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren aus arabischen und afrikanischen Staaten leben seit 1. Januar in der Einrichtung.

„Der Betriebserlaubniserlass vom September 2015 belastet uns. Damit wurden vom Sozialministerium Überkapazitäten geschaffen. Gleichzeitig fehlt es überall an erfahrenem Personal“, erklärte Fleck-Hartmuth. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise hatte der Freistaat eine bis zu 20-prozentige Überbelegung und die Einstellung von nichtpädagogischem Personal erlaubt.

Köpping kennt das Problem: „Wir mussten reagieren. Viele Landkreise haben aus finanziellen Gründen auf die Senkung des Betreuungsschlüssels gedrängt.“ Rund 3000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Sachsen wären für alle eine Herausforderung gewesen. Anders als in Markkleeberg habe es in einigen Städten Bürgerproteste gegeben. „Natürlich haben die Nachbarn auch hier hingeschaut. Bei 16-jährigen Jungs wäre die Situation sicher auch eine andere gewesen“, meinte Fleck-Hartmuth.

Nach speziellen Problemen der Teenager gefragt, erzählte Beiersdorf: „Die meisten Flüchtlinge hatten zuerst mit der Gesundheit zu kämpfen. Manche haben bis heute psychosomatische Probleme. Von einem Mädchen sind Mutter und Bruder im Mittelmeer ertrunken. Ein anderes wurde in ihrer Heimat wegen ihrer Homosexualität verfolgt.“ Jetzt sei für alle das Wichtigste, schnell Deutsch zu lernen – in den Daz-Klassen der Oberschule Markkleeberg und im Berufsschulzentrum Böhlen.

„Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?“, wollte Köpping wissen. „Bei der Nachbetreuung, sonst verpufft viel von dem, was wir investieren“, betonte Fleck-Hartmuth. Ein Hindernis sei die Finanzierung aus unterschiedlichen Töpfen: Jugendamt, Kommunaler Sozialverband, Jobcenter – alle seien involviert, die Schnittstellen oft nicht reibungslos.

„Die Flüchtlingsberatungsstellen sind ein wichtiger Anlaufpunkt. Um ihre Arbeit zu unterstützen, haben wir das Budget um zwei Millionen Euro aufgestockt“, sagte Köpping. Beiersdorf machte deutlich, dass es nicht allein mit Geld getan ist: „Die Mädchen müssen, sobald sie 18 sind, unsere Einrichtung verlassen. Wohin sie kommen, wissen wir nicht. Das macht die Vorbereitung unmöglich und verunsichert die Flüchtlinge zusätzlich.“

Köppings Fazit nach dem einstündigen Besuch: „Die Schnittstellen müssen geklärt werden.“ Fleck-Hartmut mahnte, den knappen Personalschlüssel zu überdenken. „Der bringt die Jugendhilfe nicht nur an ihre Grenzen, wir überschreiten sie täglich. Das geht auf Kosten der Mitarbeiter und der Kinder. Letztlich auf die des ganzen Sozialsystems, wenn die Kinder später nicht ihren Weg gehen.“

Von Ulrike Witt

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