Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Markkleeberg Knapp bemessenes Personal bringt Träger an ihre Grenzen
Region Markkleeberg Knapp bemessenes Personal bringt Träger an ihre Grenzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 14.11.2016
Ministerin Petra Köpping (r.) spricht im Caritas Kinder- und Jugenddorf in Markkleeberg mit Leiterin Gabriele Fleck-Hartmuth. Quelle: André Kempner
Anzeige
Markkleeberg

Die sächsische Gleichstellungs- und Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) hat das Caritas Kinder- und Jugenddorf in Zöbigker besucht. Im Gespräch mit Leiterin Gabriele Fleck-Hartmuth und Betreuerin Jeannette Beiersdorf informierte sie sich über die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Fünf Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren aus arabischen und afrikanischen Staaten leben seit 1. Januar in der Einrichtung.

„Der Betriebserlaubniserlass vom September 2015 belastet uns. Damit wurden vom Sozialministerium Überkapazitäten geschaffen. Gleichzeitig fehlt es überall an erfahrenem Personal“, erklärte Fleck-Hartmuth. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise hatte der Freistaat eine bis zu 20-prozentige Überbelegung und die Einstellung von nichtpädagogischem Personal erlaubt.

Köpping kennt das Problem: „Wir mussten reagieren. Viele Landkreise haben aus finanziellen Gründen auf die Senkung des Betreuungsschlüssels gedrängt.“ Rund 3000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Sachsen wären für alle eine Herausforderung gewesen. Anders als in Markkleeberg habe es in einigen Städten Bürgerproteste gegeben. „Natürlich haben die Nachbarn auch hier hingeschaut. Bei 16-jährigen Jungs wäre die Situation sicher auch eine andere gewesen“, meinte Fleck-Hartmuth.

Nach speziellen Problemen der Teenager gefragt, erzählte Beiersdorf: „Die meisten Flüchtlinge hatten zuerst mit der Gesundheit zu kämpfen. Manche haben bis heute psychosomatische Probleme. Von einem Mädchen sind Mutter und Bruder im Mittelmeer ertrunken. Ein anderes wurde in ihrer Heimat wegen ihrer Homosexualität verfolgt.“ Jetzt sei für alle das Wichtigste, schnell Deutsch zu lernen – in den Daz-Klassen der Oberschule Markkleeberg und im Berufsschulzentrum Böhlen.

„Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?“, wollte Köpping wissen. „Bei der Nachbetreuung, sonst verpufft viel von dem, was wir investieren“, betonte Fleck-Hartmuth. Ein Hindernis sei die Finanzierung aus unterschiedlichen Töpfen: Jugendamt, Kommunaler Sozialverband, Jobcenter – alle seien involviert, die Schnittstellen oft nicht reibungslos.

„Die Flüchtlingsberatungsstellen sind ein wichtiger Anlaufpunkt. Um ihre Arbeit zu unterstützen, haben wir das Budget um zwei Millionen Euro aufgestockt“, sagte Köpping. Beiersdorf machte deutlich, dass es nicht allein mit Geld getan ist: „Die Mädchen müssen, sobald sie 18 sind, unsere Einrichtung verlassen. Wohin sie kommen, wissen wir nicht. Das macht die Vorbereitung unmöglich und verunsichert die Flüchtlinge zusätzlich.“

Köppings Fazit nach dem einstündigen Besuch: „Die Schnittstellen müssen geklärt werden.“ Fleck-Hartmut mahnte, den knappen Personalschlüssel zu überdenken. „Der bringt die Jugendhilfe nicht nur an ihre Grenzen, wir überschreiten sie täglich. Das geht auf Kosten der Mitarbeiter und der Kinder. Letztlich auf die des ganzen Sozialsystems, wenn die Kinder später nicht ihren Weg gehen.“

Von Ulrike Witt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Pösna Park gehen die Umbaumaßnahmen zur Modernisierung weiter. Und mit dem neuen Centermanager Michael Schneider hat jetzt ein alter Bekannter den Hut auf.

11.11.2016

Jeden Freitag um 7 Uhr treffen sich 26 Unternehmer/innen im „Markkleeberger Hof“ zum Frühstück. Alle sind Mitglied des Business Network International (BNI). Deutschlandweit gibt es 7000 BNI-Gruppen. Eine der jüngsten ist das im Februar gegründete Chapter „Jakob Kees“. Ein Name der verpflichtet.

11.11.2016

Mit immer neuen Ideen wie seit Mittwoch der ersten Neuseenland-Ladestation für E-Bikes versucht der Bergbau-Technik-Park an der A 38 Gäste anzulocken. Buntmetalldiebe stellen im Park aber inzwischen ein „existenzielles Problem“ dar.

10.11.2016
Anzeige