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Markkleeberg Kontraste: "Revolutionstapete" im Westphalschen Herrenbad
Region Markkleeberg Kontraste: "Revolutionstapete" im Westphalschen Herrenbad
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13:58 19.05.2015
Nordkoreanische Herrscher, leicht bearbeitet, in Markkleeberg: Michael Fischer-Art vor der "Revolutionstapete". Quelle: André Kempner

Die Motive hat der 45-Jährige Anfang des Jahres bei einer Reise durch das kommunistische Nordkorea gesammelt. Für Fischer-Art war das graue Land ein Kulturschock, der seiner ohnehin blühenden Fantasie aber offenbar Flügel verliehen hat.

"Diktaturen haben immer auch etwas Lächerliches", meint Fischer-Art. Die unzähligen Werbebanner mit Soldaten, Arbeitern und Jungen Pionieren im Stadtbild von Pjöngjang kamen ihm, selbst in der DDR aufgewachsen, "irgendwie bekannt" vor. Er hat sie zu einer "Revolutionstapete" verarbeitet. Dass die nun just im einst hochherrschaftlichen Bade- und Herrenzimmer des Krupp-Geschäftsführers Franz Carl Westphal hängt, wirkt skurril. "Nordkorea ist stehengeblieben, das Land wie in einer Zeitschleife gefangen", sagt Fischer-Art und zeigt mit seinem Handy heimlich aufgenommene Fotografien.

Und auch in der ersten Etage des Westphalschen Hauses, die die Stadt erstmals für Ausstellungen öffnet, scheint die Zeit, wenn auch im morbiden Charme und Luxus der 1920er Jahre, stehen geblieben. Doch das soll sich ändern, wie Kulturamtsleiter Falk Hartig verrät. "Wir möchten neue Zielgruppen erschließen, auch junges, modernes Publikum mit hochwertigen Ausstellungen, Workshops, Jazz- und anderen Konzerten locken und das Westphalsche Haus noch mehr als Treffpunkt für Künstler und Kunstinteressierte etablieren." Den Anfang mache jetzt die Fischer-Art-Schau. 25 Jahre nach der Friedlichen Revolution und damit dem Ende der hoffentlich letzten Diktatur auf deutschem Boden soll sie besonders junge Leute anregen, darüber nachzudenken, dass Demokratie eben nichts Selbstverständliches und längst nicht überall Realität ist.

Die Vernissage beginnt morgen um 19 Uhr, die Laudatio hält Bodo Pientka. Danach ist die Ausstellung bis zum 1. Februar dienstags und donnerstags jeweils von 10 bis 17 Uhr, mittwochs von 10 bis 16 Uhr sowie im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen zu sehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.10.2014
Ulrike Witt

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