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Kursanbieter drohen mit Rückzug

Kursanbieter drohen mit Rückzug

In Markkleeberger Kindergärten könnte bald Schluss sein mit Musikkursen, Kindertischlerei und Tanzen. Denn externe Anbieter drohen damit, sich komplett zurückzuziehen.

Markkleeberg. Der Grund: Die Stadt erhebt von ihnen zusätzliche Gebühren für die Nutzung der Räume und die Eltern wollen die höheren Kosten nicht tragen.

Zwar besteht die „Benutzungsordnung für Räume in Gebäuden der Stadt Markkleeberg“ bereits seit 2007, „aber erst seit vergangenem Jahr werden die Gebühren für Kitas erhoben“, sagt Ines Wiesner, Elternratsvorsitzende der Kita Arche Noah. Die Stadt verlangt die zusätzlichen Nutzungsgebühren in Kindergärten während der gesamten Öffnungszeiten der Einrichtung, während in Schulen die Gebühren erst anfallen, wenn Bildungsträger ab 16.30 Uhr die Räume nutzen. „Lasse ich mein Kind ganz normal im Kindergarten betreuen, muss ich nichts weiter zahlen als meinen Elternbeitrag. Lasse ich mein Kind innerhalb des gleichen Zeitfensters und am gleichen Ort an frühkindlichen Bildungsangeboten teilnehmen, zahle ich nicht nur die Kosten dafür, sondern noch einmal die Kosten für die Räumlichkeiten“, erklärt Wiesner.

Ronny Gohlke, Inhaber der Kindertischlerei, hat bereits zahlreiche Kündigungen von Eltern erhalten. Er musste die Kosten für die wöchentliche Handwerkstunde von etwa 27 Euro auf 39 Euro pro Monat anheben. „Ich habe beschlossen, mich ab dem neuen Schuljahr komplett aus Markkleeberg zurückzuziehen“, sagt er. Die Stadt lasse in dem Punkt nicht mit sich reden, deshalb biete er die Tischlerei demnächst ausschließlich in Leipziger Kindergärten und Horten an, denn „dort gibt es keine zusätzlichen Gebühren“. Auch eine Tanzpädagogin muss um ihre Einnahmen fürchten. Bei ihr gingen ebenfalls schon Kündigungen ein. „Und Erzieher können nie das leisten, was ein ausgebildeter Musikpädagoge, ein Fremdsprachen- und ein Sportlehrer vermitteln“, macht Wiesner deutlich.

Jana Olsen, Elternsprecherin der Kita Kleeblatt, sieht in den Gebühren eine doppelte Miete. Auch dort werkelt Gohlke mit den Kindern. „Dass das Angebot extra kostet, ist klar, aber wir verstehen nicht, warum sich die Stadt daran bereichert“, sagt sie. Vor allem Kindern aus sozial schwachen Familien stünden solche Möglichkeiten nun erst recht nicht mehr offen. Da verwundere es nicht, dass die Pisa-Studien so schlecht ausfallen. „Im Kindergarten sind die Kinder noch erreichbar, danach sind sie weg.“

Was Wiesner ärgert, ist auch die Tatsache, dass außerdem die Kinder benachteiligt werden, deren Eltern Vollzeit arbeiten müssen. „Das betrifft ja auch die Gruppe der Alleinerziehenden.“ Vielen sei es nicht möglich, nachmittags zum Tanzen, zum Englisch, zum Tischlern oder zum Sport zu gehen. Für sie seien die Angebote in den Kitas eine Entlastung. Das sieht auch Sabine Kirsten so. Sie ist Elternratsvorsitzende der Kita Gerne Groß. „Die Raumnutzungsgebühren betreffen den Englisch-Unterricht und die Musikkurse“, sagt sie.

Für alle drei Elternräte ist klar, dass zusätzliche Angebote auch Freiräume für die Erzieherinnen schaffen. „Sie haben dann die Möglichkeit, sich mit den verbleibenden Kindern viel intensiver zu beschäftigen“, sagen Kirsten und Wiesner.

Mit etlichen Eltern aus anderen Kitas haben sie die Stadtverwaltung gebeten, die Nutzungsordnung noch einmal zu überdenken. Bisher ohne Erfolg. Wolfgang Heinze, Amtsleiter Soziales und Kultur, teilte lediglich mit, dass „die uns vorliegenden Anfragen zum Anlass für eine Überprüfung genommen wurden“. Auch auf eine Anfrage der LVZ wollte er sich nicht äußern, „ehe die Überprüfung abgeschlossen ist“.

Julia Tonne

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