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Markkleeberg Lärmschutzgutachter hält 462 Boote mit Motor für möglich
Region Markkleeberg Lärmschutzgutachter hält 462 Boote mit Motor für möglich
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08:00 21.02.2017
Endspurt bei der Fertigstellung: Das komplizierte und langwierige Verfahren, um dauerhaft Schiffe auf dem Zwenkauer See zuzulassen, nähert sich dem Ende. Nach bisherigem Stand sehen die Gutachter überhaupt keine Probleme, auf dem riesigen Gewässer auch mehr Boote als bislang zuzulassen. Quelle: A. Kempner
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Leipzig/Zwenkau

Es ist ein Dauerstreit: Sind Motorboote auf den Tagebauseen möglich? Und wenn ja, wo und wie viele? Auf Drängen der Naturschutzverbände hat die Landesdirektion mehrere Gutachter beim Zwenkauer See ganz genau hinschauen lassen. Erste Ergebnisse wurden auf der Messe Beach & Boat vorgestellt.

Welche Bedeutung dem Thema zukommt, wurde schon dadurch klar, dass Messe-Chef Martin Buhl-Wagner selbst das neunte Sächsische Wassersportgespräch zur Boots-Messe eröffnete. Er lobte die Entwicklung der Seen und der Wassersportmesse, die auch das Interesse der Besucher am eigenen Boot wecke. „Aber die Nutzer brauchen Klarheit dafür“, forderte er in Richtung Politik.

Verbote dabei werde es sicher geben müssen, meinte auch Sachsens Seglerverbands-Präsident Jens Tusche. „Aber bitte sorgen sie dafür, dass sie nicht zu groß werden, dass wir auch irgendwo anlegen und uns mit den Vögeln vertragen dürfen“, bat er.

Heinz Kolb von der Landesdirektion erläuterte den aktuellen Verfahrensstand. Wie berichtet, erlaubt das Sächsische Wassergesetz grundsätzlich die Freizeitschifffahrt auf den Leipziger Tagebauseen - wenn sie denn erst mal fertiggestellt sind. Ein aufwändiges Verfahren zur Feststellung der Fertigstellung der vier Seen und der zwei geplanten/gebauten Kanäle/Schleusen läuft seitdem. Während die Belange Wasser-, Schifffahrts- und Bergrecht bereits abgearbeitet seien, so Kolb, seien die Umweltverbände bei den Themen Natur- und Immissionsschutz einbezogen worden, hätten mitbestimmen können, was dabei abgeprüft werden sollte. Im Ergebnis wurden ein naturschutzrechtliches Fachgutachten (Dauer: rund zwölf Monate) und ein Lärmschutzgutachten (Dauer: rund vier Monate) in Auftrag gegeben. Über die Kosten schweigt die Landesdirektion.

Wie berichtet, warfen die Bedenken die geplante Fertigstellung um Jahre zurück. Mit einer Mastergenehmigung war der Landkreis eingesprungen, erlaubt damit auch im diesem Jahr bis zu 320 Boote auf dem 970 Hektar großen Zwenkauer See. Zum Vergleich: Auf dem nicht mal halb so großen Cospudener See gibt es 230 Liegeplätze, was einer Bootsdichte von 0,5 je Hektar entspricht.

Für eine Genehmigung müsse dabei auch der Gleichzeitigkeitsfaktor berücksichtig werden, erläuterte Kolb – also wie viele der Boote denn zur selben Zeit auf dem Wasser unterwegs seien. Die neuere Forschung gehe dabei von einem Wert zwischen 0,2 bis maximal 0,33 aus. Das bedeute jedoch, dass bei einer Bootsdichte wie derzeit nur maximal 48 motorisierte Boote gleichzeitig auf dem See unterwegs seien, bezogen auf reine Motorboote seien es nur maximal 13.

Er hoffe, dass wie versprochen im März die Gutachten alle vorlägen. Diese würden dann den Umweltverbänden zur Einsicht gegeben. Danach könne er die Fertigstellung feststellen. „Zum Hafenfest im Mai könnte ich damit vorbeischauen“, sagte Kolb.

Zumal auch Professor Jürgen Stamm von der Technischen Universität Dresden, der zusammen mit zwei Büros die naturschutzfachlichen Belange geprüft hat, bislang keine größeren Probleme sah. Er beschäftigte sich unter anderem mit Abgas- und Verbrennungsrückständen, dem Antifouling-Anstrich der Boote, dem Nährstoffeintrag, akustischen Störwirkungen, optischen Reizauslösern und dem Wellenschlag. Er kam bei einer längeren und intensiveren Bootsnutzung inclusive von geplanten Liegeplätzen am Nordufer des Sees auf maximal 40 Boote gleichzeitig auf dem Wasser. Bis zu 5080 Kilogramm Kohlenstoffmonoxid, 343 Kilogramm Kohlenwasserstoffe und 375 Kilogramm Stickoxide würden jährlich ausgestoßen. Auf die Nährstoffverhältnisse im Wasser werde dies aber keinen messbaren Einfluss haben. „Bei rund 72,4 Millionen Kubikmetern Wasser ist das ohne Belang“, sagte Stamm. Zum Wellenschlag rechnete er penibel vor, dass allein der Wind auf dem See viel mehr und höhere Wellen mache als es die Motorboote könnten. Aus naturschutzfachlicher Sicht empfehle er jedoch den Verzicht auf biozidhaltige Anti-Fouling-Anstriche bei Booten. Bei einem nährstoffarmen Gewässer wie dem Zwenkauer See mache dies sowieso wenig Sinn. Die Anstriche sollen verhindern, dass sich unter Wasser Moose, Algen und Muscheln am Schiffsrumpf festsetzen.

Lärmschutzgutachter Dirk Grundke aus Zwickau erklärte, inzwischen alles abgehakt zu haben. Zwar sei das letzte Wort noch nicht geschrieben - das Gutachten umfasse jetzt schon 330 Seiten – „aber ich würde mir keine Sorgen um dem Lärmschutz am Zwenkauer See machen“, sagte er. Von ihm aus seien 462 Boote möglich.

Von Jörg ter Vehn

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