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Lehrer und Politiker - beides mit Leidenschaft

Lehrer und Politiker - beides mit Leidenschaft

Wenn Karsten Schütze durch Markkleeberg radelt, wird er an jeder Ecke gegrüßt. Da ein freundliches Hallo, dort ein Winken. Der 46-Jährige ist bekannt, wie der sprichwörtliche bunte Hund.

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Wird seit Jahren als Klose-Nachfolger gehandelt: Karsten Schütze will am 22. September ins Markkleeberger Rathaus einziehen.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Und das nicht erst seit offiziell ist, dass der Gymnasiallehrer am 22. September als Oberbürgermeister ins Rathaus einziehen will.

"Darüber freue ich mich. Das ist als Lehrer nicht selbstverständlich", meint Schütze. Vielmehr sei es Ausdruck des guten Verhältnisses, das er zu seinen Schülern pflege. "Ich bin mit Leib und Seele Lehrer, habe die Entscheidung nie bereut." Schon als Viertklässler habe er gewusst, dass er Pädagoge werden wolle. "Einerseits haben mich meine Lehrer an der Wilhelm-Pieck-Oberschule geprägt, andererseits hatte ich schon in früher Jugend eine soziale Ader", erklärt er und erzählt von Nachhilfestunden, die er einem Freund im Kinderzimmer gegeben habe.

Nach dem Abitur an der Rudolf-Hildebrand-EOS nahm er 1985 sein Studium im thüringischen Mühlhausen auf. Den einzigen Kompromiss den er habe eingehen müssen, sei die Fächerkombination gewesen. "Eigentlich wollte ich Biologie und Geografie wählen. Da dies in der DDR nicht angeboten wurde, habe ich mich für Biologie und Chemie eingeschrieben." Klar war, dass er nach dem Studium zurück in seine Heimatstadt Markkleeberg geht.

Im Nachwendejahr 1990 begann Schütze als Lehrer an der Alwin-Malz-Oberschule. Ein Jahr später wechselte er ans Hildebrand-Gymnasium. "Mein alter Lehrer Kurt Geißler hat in den Sommerferien an meiner Wohnungstür geklingelt und gefragt, ob ich nicht am Gymnasium unterrichten wolle." Und dort ist er bis heute geblieben.

Sein Rezept: "Ich sehe mich nicht nur als Lehrkraft, die Fachwissen weitergibt. Ich sehe mich auch als Sozialarbeiter, der die Jugendlichen mit ihren schulischen und privaten Problemen auffängt." Er versuche, die Schüler über die menschliche Schiene zu erreichen und darauf aufbauend maximale Lernerfolge zu erzielen. "Ich wollte immer alle mitnehmen, habe mich um jeden individuell bemüht." Dies sei nicht einfach, mache aber für ihn den Reiz des Lehrerberufs aus. "Ich behaupte mal, dass ich ganz erfolgreich bin. Immerhin wurde ich mehrfach zum Vertrauenslehrer gewählt", sagt Schütze und schmunzelt zufrieden.

Neben dem Lehrerberuf hat Schütze eine zweite Leidenschaft: die Politik. "Angefangen hat das Ende der Neunziger, als es um die Eingemeindung nach Leipzig ging. Wie die Markkleeberger zusammengestanden haben, das hat mich beeindruckt." Als Parteiloser zog er 1999 auf der SPD-Liste in den Stadtrat ein. Zwei Jahre später wurde er SPD-Mitglied. "Mich für meine Heimatstadt zu engagieren, war für mich folgerichtig, die SPD aus sozialer Sicht die einzige Partei." Dass er 2002 Vorsitzender des SPD-Ortsvereins wurde, scheint eine Randnotiz. Das politische Geschäft gelernt, habe er im Kreistag. Vor allem seit er 2008 in Bernd Kloses Fußstapfen als Fraktionsvorsitzender getreten ist. "Als Oberbürgermeister muss man über den Tellerrand schauen und gut vernetzt sein. Und das bin ich und stolz darauf, dass ich über Parteigrenzen hinweg anerkannt werde."

Dass sein Arbeitstag um 7 Uhr beginnt und nie vor 22 Uhr zu Ende ist, auch weil er in unzähligen Verbänden und Vereinen, darunter Pro Agra-Park und Kulturbahnhof aktiv ist, stört ihn nicht. "So lange die Arbeit Spaß macht, ist das in Ordnung. Aber auch ich muss mir hin und wieder Freiräume schaffen." Bis auf Ausnahmen gehöre der Samstag seiner Familie: Ehefrau Annett (48), der erwachsenen und bereits als Zahnärztin tätigen Tochter Katharina (27) und seiner Mutter.

Derzeit erlebt Schütze seine "gefühlt letzten Schulstunden". Dabei mache ihm - "und hoffentlich auch meinen Schülern" - der Unterricht wahnsinnig viel Spaß. Sollte es mit dem Rathaus nicht klappen, bleibe er Lehrer, seinen Schülern und der ehrenamtlichen Arbeit treu. Die Vorbereitungen fürs Oberbürgermeisteramt laufen derweil auf Hochtouren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.09.2013

Ulrike Witt

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