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„Leipzig hat den City-Tunnel, wir die Vineta“

„Leipzig hat den City-Tunnel, wir die Vineta“

Großpösna. Die Kosten für Vineta explodieren. Stolze 1,11 Millionen Euro soll die schwimmende Insel im Störmthaler See jetzt kosten. Dabei ist noch immer unklar, wann das begehbare Kunstobjekt an seinem dauerhaften Ankerplatz vertäut wird.

Ein Damm und rund 243 000 Euro trennen die symbolische Kirche vom Ziel. Am Montagabend brachte das etliche Gemeinderäte auf die sprichwörtliche Palme.

Der Sage nach ist die Insel Vineta im Sturm untergegangen, weil ihre Bewohner hochmütig und verschwenderisch waren. Warnungen haben sie ignoriert. In Großpösna liegt der Fall anders: Der Sturmball ist längst gehisst, das Magengrummeln nicht zu überhören. Indes es ist zu spät. Ein Zurück gibt es kurz vor der Fertigstellung von Vineta nicht.

Stattdessen mussten die Gemeinderäte in den sauren Apfel beißen und den Mehrkosten für die Bergbausanierungsmaßnahme in Höhe von knapp 243 000 Euro zustimmen. Denn entsprechend der 2008 mit der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) geschlossenen Finanzierungs- und Übernahmevereinbarung bedarf es bei Nachträgen dem Ja der Gemeinde als Folgenutzer. Ansonsten könnte die LMBV den demnächst anstehenden Auftrag zum Einschwemmen der Vineta nicht vergeben. Die Insel müsste weiter im Dock verbleiben.

Im Vergleich zu den 2006 prognostizierten Gesamtkosten von 871 500 Euro stehen nun 1 114 432 Euro im Raum. Zehn Prozent davon muss laut Vertrag die Gemeinde Großpösna tragen. Geschuldet ist die Misere unter anderem einer geänderten Din-Vorschrift. Die 2007 im Seegrund angebrachte Verankerung muss nachgebessert werden. Teuer kommt die Gemeinde auch der Bauverzug zu stehen, denn nun muss ein Erdwall weggebaggert werden, damit die Vineta vor Anker gehen kann. Zusätzliche Aufwendungen fallen zudem für die Ausstattung und die Kunstwerke – 7000 Euro für die Aufarbeitung des Cröberner Beichtstuhls (die LVZ berichtete) – an.

Größter Preistreiber sind aber die Baunebenkosten, die von 157 606 Euro auf sagenhafte 372 296 Euro gestiegen sind. Besonders ärgerte sich Bürgermeisterin Gabriela Lantzsch über die Projektsteuerungskosten der LMBV, die nun mit 223 356 Euro gegenüber 78 236 Euro beziffert werden. Vertraglich fixiert waren mit dem Tagebausanierer 13,5 Prozent als pauschale Eigenleistung. Jetzt seien es etwa 25 Prozent, sagte Lantzsch und versprach Gespräche mit der LMBV.

„Leipzig hat den City-Tunnel, wir die Vineta – die Millionen werden überall versenkt.“ Achim Naumann (CDU), bis vor kurzem noch stellvertretender Bürgermeister, brachte seinen Unmut über die von Gemeinderat und Bausachverständigen Matthias Potel präsentierten Zahlen in schönstem Sächsisch auf den Punkt. Da half auch nicht, dass Bürgermeisterin Gabriela Lantzsch das Symbol für Magdeborn und all die weggebaggerten Dörfer in der Region, wie schon so oft, vehement verteidigte: „Vineta ist sehr, sehr aufwendig und arbeitsintensiv – für alle Seiten. Wir sollten stolz auf das mutige Projekt sein.“

Wohin sie auch komme, überall interessierten sich die Menschen für Vineta: „Wir haben schon Anfragen von ehemaligen Magdebornern, die ihre Goldene Hochzeit auf der Insel feiern wollen.“ Für Begeisterung sorgte die Ankündigung nicht. „Das wird aber ’ne teure Hochzeit für Großpösna“, meinte Naumann. Ein Schmunzeln konnte nicht mal Lantzsch unterdrücken. Spätestens als Naumann an die Entwicklung der Großpösnaer Vineta erinnerte, verging allen das Lachen. „Ursprünglich sollte nur eine Kirchturmspitze aus dem Störmthaler See ragen. So war die Idee Ende der 90er Jahre unter Bürgermeisterin Petra Köpping. Das hätte höchstens 20 000 DM gekostet.“ Gemeinderätin Birgit Kluge (Die Linke) stimmte ein: „Jetzt ist wirklich ein Punkt erreicht, wo es reicht. Eigentlich leben wir mit den Kosten für Vineta doch längst über unsere Verhältnisse.“ Doch was tun? „Wir können Vineta nicht als Investruine stehen lassen. Also müssen wir durch, ob wir wollen oder nicht“, betonte Naumann.

Ulrike Witt

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